Der organisierte Tod (VIDEO)

tod-jokerbomber.jpgMorgens kommen, abends sterben. So oder so ähnlich lautet die Divise des schweizer Vereins „Dignitas“, der diesen Sonntag auch Thema bei Anne Will im ARD war. Die Problematik, die Dignitas gerne leugnet und verharmlost, ist dabei folgende: Der Verein „Dignitas“ verdient sein Geld mit dem Tod, er verdient also nichts, wenn die Menschen weiterleben wollen. Er ist also keineswegs unabhängig oder steht über den Dingen. Ein weiteres Problem ist der sog. Automatismus: wenn Menschen zu Dignitas kommen, dann funktionieren sie oft nur noch wie Roboter: sie haben sich irgendwie vorgenommen, zu sterben und sind bereit dazu, diesen Weg „durchzuziehen“. Fatal dabei ist, dass es unzählige Menschen gibt, die in ähnlicher Weise „am Ende“ waren, aber z.B. in der Palliativmedizin psychologisch fachgerecht beraten und betreut wurden, so dass sie rückblickend sagen: Gott sei Dank, dass mir niemand meinen Wunsch nach Sterben erfüllte ! Gott sei Dank, dass ich stattdessen Hilfe fand, Hilfe, die mir Mut machte zum Weiterleben – vielleicht selbst trotz unheilbarer Krankheit. Das Problem ist also: Dignitas verdient Geld mit dem Sterben und hat per Definitionem wenig Interesse daran, dass Menschen weiterleben, auch, wenn der offizielle Tenor dieses Vereins natürlich anders klingt.>> Hier Sendung ansehen.

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Bild:jokerbomber, pixelio.de


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Kommentare

30 Kommentare zu „Der organisierte Tod (VIDEO)“

  1. Ich sehe eigentlich weniger Probleme wegen der Finanzen — der eigentliche Akt der Sterbehilfe wird schließlich nicht von dem Verein, sondern von Ärzten durchgeführt, die sicherlich ihre Beratungsgespräche und Diagnosen auch anders bezahlt bekommen, wenn es am Ende nicht zur Selbsttötungshilfe kommt. Für die Andeutungen, dass Menschen aus finanziellen Gründen von Dignitas zur Selbsttötung getrieben oder angehalten werden, müsste man zumindest mal einen solchen Fall nachweisen. Ansonsten ist das eine ziemlich pauschale Übertreibung. Genau so, wie „Morgens kommen, abends sterben“ das Schweizer System absolut nicht beschreibt, wie Du aus der Sendung eigentlich entnehmen konntest.

    Mein Problem mit Sterbehilfe liegt eher darin begründet, dass leicht eine gesellschaftliche Dynamik entstehen kann, in der Betroffene das Gefühl haben könnten, dass Selbsttötung die vernünftige, sozial verträglichste und eigentlich ‚erwartete‘ Reaktion sei. Es gibt genug alte, kranke Menschen, die heute schon vermittelt bekommen, dass sie hauptsächlich Belastung sind. Wenn die sich jetzt auch noch, und sei es nur indirekt, ermutigt/aufgefordert fühlen könnten, ihrem eh schon als unnütz empfundenen Leben ein Ende zu machen… Das ist wohl kaum, was man wollen kann.

    Deshalb würde ich trotzdem einem Schwerstkranken, der nachweislich für sich selbst sprechen kann, trotzdem auch das Recht auf Selbstbestimmung und ärztliche Betreuung bis zum selbstgewählten Schluss zugestehen. Wenn Palliativmedizin so toll wäre und für alles eine Lösung hätte, dürfte es das ja eigentlich gar nicht geben. In Wirklichkeit ist in schweren Fällen mit der aber auch oft ein wochenlanges Dahindämmern unter starken Schmerzmitteln verbunden.

    Ist halt ein komplexes Thema.

  2. Bei den Wissenslogs seh ich gerade einen hiermit dringend empfohlenen Artikel über die Erfahrungen mit staatlich erlaubter Sterbehilfe in Oregon. Der sollte zumindest auch Deine Bedenken wegen der finanziellen Problematik zerstreuen:
    hier lesen

  3. @kamenin

    Ich hab den Beitrag recht genau angesehen und die These: morgens kommen, abends sterben wurde dort angeführt und auch nicht widerlegt von dem Vertreter von Dignitas.
    Ein wenig Emailkontakt vorher, ein wenig Telefongespräche vielleicht noch, und dann kann man sterben.
    Ich halte das für unverantwortlich. Und ich denke, dass es eben durchaus das Problem ist, dass dignitas nur am Tod verdient, und nicht am Leben.

    Das Oregonmodell ist da schon wesentlich entschärfter. Dignitas aber befördert Menschen – ziemlich unhinterfragt offenbar – schnell ins Jenseits, zumindest laut dem Beitrag bei Anne Will im ARD.

    Generell denke ich, dass der Weg nur über Palliativmedizin und Sterbebegleitung machbar ist. Ansonsten sind den gesellschaftlichen Entartungen Tür und Tor geöffnet. (habe Deinen Link gelesen).

    Schmerz lindern, Psychologische Betreuung. Das ist m.E. der richtige Weg. Denn auch, wenn es heißt: die Angst davor, nicht selbst entscheiden zu können, wann man stirbt, treibe Leute im Oregon-Modell dazu, sich diese Medikamente zu besorgen, halte ich für gefährlich:

    Angst ist etwas, das nicht real sein muss und das sich ändern kann, wenn man die Angst psychologisch bearbeitet. Was wäre, wenn ich Angst vor einem Atomkrieg hätte und diese Angst so groß wäre, dass ich einen „Freitod“ vorzöge ? Meine Angst würde nicht die Realität abbilden – so wie Ängste es meistens nicht tun. Die Realität ist i.d.R. viel harmloser, als uns die Angst vorzugaukeln versucht.

    Ich kann diesem Artikel nicht zustimmen.

  4. Der Wunsch eines Menschen, sich selbst zu töten, ist die eine Sache und ein komplexes Thema. Natürlich steht das Wohl des Suizidgefährdeten im Zentrum aller Überlegungen. Dass man hier je nach Weltbild zu verschiedenen Schlussfolgerungen kommen kann, ist klar.

    Aber die andere Frage, die hier aufkommt, ist doch:
    Darf man einem anderen Menschen bei einer Selbsttötung helfen?

    Und da ist meine Meinung: Nein, das ist nicht in Ordnung! Unsere Aufgabe ist es, diesem Menschen so zu helfen, dass er sein Leben wieder als lebenswert empfindet.

    Auch wenn der Mensch eine Todessehnsucht besitzt, so geschieht die Tat doch letztendlich im Affekt. Die Meisten sagen ja nicht „Am Sonntag 13:15 Uhr will ich sterben“, sondern „wenn ich mich gerade danach fühle, dann will ich sterben“.

    Es hat schon seinen Sinn, dass wir keine Selbstmordkapsel eingebaut haben, sonst wären die Meisten von uns wahrscheinlich schon tot. Ich zumindest schon.

  5. @ Philip bzw. zu diesem Beitrag:

    finde ich gut zusammengefasst, ich glaube, das ist nämlich der Kern der Sache, also das trifft nämlich den Punkt, um den die Diskussion eigentlich geht: dass unsere Aufgabe es sein sollte, den Menschen zum Leben zu helfen.

  6. Ja, wobei ich wichtig finde, dass man betont, dass „zum Leben verhelfen“ nicht heißt, dass man mit allen medizinischen Möglichkeiten pure Lebensverlängerung um jeden Preis betreiben sollte. Man muss schon abwägen.

    Beihilfe zur Selbsttötung geht aber eindeutig zu weit.

  7. Niemand hindert irgendwen daran, Menschen zum Leben zu helfen. Und wie es scheint, ist das eine der Auswirkungen des Oregon-Modells, dass das auch ernster genommen wird.

    Aber um mal ein wenig konkreter zu werden: das sind nicht Menschen, die sich ein bisschen Lebens-müde fühlen. Die fürchten sich auch nicht vor einem imaginierten Atomkrieg. Die haben ihre Diagnose mehrmals bestätigt in der Hand und wissen genau, wie es um sie steht. Die holen sich ihre ‚Medikamente‘ aus der Angst, dass ihre Krankheit eben unerträglich werden könnte, so schlimm, dass Sie dann auch keine weitere Betreuung oder Palliativmedizin wollen. Wenn es dann doch alles ‚viel harmloser‘ wird, können sie die auch die Toilette runterspülen.

    Das ist kein Drive-by-Selbstmord. Dignitas kommt eh nur ins Spiel, weil es aus gewissen Gründen in Deutschland keine Gesetzesgrundlage gibt, die deren Eingreifen überflüssig machen würde. Es geht immer eine lange Krankengeschichte voraus, inkl. aller Möglichkeiten einer ärztlichen und psychologischen Betreuung. Im Oregon-Modell prüfen zwei Ärzte die Diagnose *und* die mentale Zurechnungs- und Entscheidungsfähigkeit. Man tut der Diskussion keinen Gefallen, wenn man das auf Spleens etwas instabiler Leute verharmlost.

    Jemandem, der aus nachvollziehbaren, nicht mehr therapierbaren Gründen sterben will, werde ich jedenfalls einen möglichst betreuten, sanften Tod gönnen. Das ist mir lieber, als wenn derjenige alleine mit Rasierklingen oder Schlaftabletten rumhantieren muss. Bei ‚Beihilfe zur Selbsttötung‘ geht es um nichts anderes, als das zu verhindern.
    Klingt für mich nach Barmherzigkeit.

  8. @kamenin

    Ja, ist ein zweischneidiges Schwert das Ganze. Allerdings denke ich, dass die Leute – auch, wenn sie todkrank sind – nicht wissen, wovon sie reden: vom Ende ihrer Existenz. (aus christlicher Sicht zwar nicht, aber für viele Leute schon).
    Angenommen, man spricht vom Ende der eigenen Existenz: irgendwo kann man nicht wirklich wissen, was man da will, ob man es will, ob man es wirklich wollen soll.
    Ich muss an meine Tante denken, die sehr krank war, der beinahe schon von gewissen Angehörigen nahegelegt wurde, nun doch zu sterben, was gewisse andere Angehörige glücklicherweise zu verhindern wußten.
    Der Arzt fragte sie, ob sie wolle, dass „die Lichter ausgehen“. Sie wollte es nicht, obwohl sie schwerkrank war.
    Ich denke, dass es vielleicht vielen Menschen in letzter Konsequenz so geht. Ich denke, sie wollen über etwas entscheiden, von dem sie gar nicht wissen, was es ist: der Tod.
    Generell halte ich drum aktive Sterbehilfe für nicht sonderlich vertretbar. Ich denke, der richtige Weg ist, die Begleitung schwer kranker Menschen zu ermöglichen und ihre Schmerzlinderung.
    Mal sehen, wie es ist, wenn ich selbst vielleicht in der Situation sein sollte. Aber irgendwie vermute ich, dass ich trotzdem ähnlicher Ansicht sein werde.

  9. 09.11.2007
    Deutsche Hospiz Stiftung: Jetzt handeln – Strafrecht muss ergänzt werden / Geschäftemacherei mit dem Tod gesetzlich verbieten

    http://www.hospize.de/servicepresse/2007/mitteilung313.html

  10. […] Sie auch: > Der organisierte Tod (VIDEO)  > Selbstausbeutung, nur weil es so sein muss ?  > Never alone (Music […]

  11. @kamenin:
    In dem einen Blog ging die Argumentation aber wesentlich weiter: „Mein Tod gehört mir!“ war die Aussage. Und da denke ich, dass einem dieses Recht so nicht zusteht und die Gesellschaft auch die Pflicht hat, die Menschen vor sich selbst zu schützen.

    Wer da jetzt widerspricht, der sollte sich klar werden, dass wir das auch an anderer Stelle tun, nämlich z.B. bei unzurechnungsfähigen Leuten. Haben die dann auch nicht auch ein Recht darauf, unzurechnungsfähig zu sein und sich selbst zu verletzen, oder sogar zu töten?

    Wer beurteilt, welcher Mensch zurechnungsfähig ist und welcher nicht? Auf welcher Grundlage beurteilt er das und warum darf er das beurteilen?

    Warum sollen unheilbar Kranke dieses Recht bekommen und andere Menschen nicht? Verstößt das nicht gegen den Gleichheitsgrundsatz? Wo soll also die Grenze sein und vor allem: Warum ist da die Grenze?

    Bevor man also anfängt, die Grenze zu lockern, fordere ich, dass man da klar Stellung bezieht, warum Beihilfe zur Selbsttötung nur bei unheilbar Kranken in Betracht kommen sollte.

    Und ich bleibe dabei: Auch wenn der Mensch psychisch gesund ist, so wird die Kapsel dennoch in einer depressiven Phase, die jeder normale Mensch hat, genommen. Aus diesem Tal wäre er aber wieder heraus gekommen, wenn er die Kapsel nicht gehabt hätte!

  12. Barmherzigkeit bedeutet für mich, dass man sich um den Menschen bis zu seinem Tod kümmert. Barmherzigkeit hat auch immer was damit zu tun, etwas zu geben und nicht nur damit, ihm irgendetwas zu gönnen.

    Und diese Forderung, den Menschen mehr Freiheit zu „gönnen“ geht leider auch meistens Hand in Hand mit der Forderung, dass er seine Probleme alleine lösen soll. Denn er hat ja die Möglichkeit dazu. So kann man sich natürlich vor jeder Verantwortung drücken, die man gegenüber seinen Mitmenschen hat. Denn wenn einer auf der Strecke bleibt, dann ist er ja selbst daran schuld.

    Das steckt so in dem Weltbild der sogenannten „Liberalen“. Das muss man mal deutlich sagen.

  13. Mal langsam, Philip. Barmherzigkeit bezieht sich eindeutig auf „Beihilfe“, nicht auf mein Gönnen. Ich vertrete kein Weltbild, in dem man ein besserer Mensch ist, nur weil man für andere betet, pardon, anderen etwas gönnt.

    Und nur weil Dir das Kriterium fehlt, was einen zurechnungsfähigen Menschen ausmacht, werde ich nicht beginnen, alle Menschen als potenziell unzurechnungsfähig zu betrachten. Dazu bin ich allerdings zu sehr „Liberaler“. Eine Möglichkeit begleiteter Selbsttötung zu befürworten drückt sich genau so viel oder wenig vor der Verantwortung, wie das Problem mit einem Hinweis auf Hospizen und Palliativmedizin abzuhandeln.

    Ich weiß nicht, wie alt Du bist, wie sehr Du Dich damit auseinandergesetzt hast oder wie viele Menschen Du hast sterben sehen. Wenn Du den Unterschied nicht nachvollziehen kannst zwischen einer ‚depressiven Phase‘ und der Realität eines nicht mehr aufhaltbaren Sterbens unter Schmerzen und/oder extremer Betäubung, kann ich aber gerne Vermutungen anstellen. Ich habe das erlebt. Und da ging es nicht darum, diejenige zu erlösen (weil sie ihren Willen mitzuteilen nicht mehr in der Lage war — Palliativmedizin halt). Wenn aber jemand nicht zwei Wochen in einem nicht mehr Leben zu nennenden Zustand dahinsterben will, unter starken Schmerzen und/oder Extrembetäubung und für den Fall sogar Vorkehrungen treffen will, dann nehme ich den Wunsch ernst und kann den nachvollziehen.

    Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden würde, wenn ich persönlich mit einer ähnlichen Entscheidung konfrontiert werden würde. Ich hätte aber garantiert wenig Toleranz für jemanden, der versucht, mir in der Situation aus der Bequemlichkeit seines Wohnzimmersessels meine eigene Zurechnungsfähigkeit auszureden.

  14. Hey, unser Weltbild scheint schonmal in einem Punkt übereinzustimmen. 😉 Niemand ist ein besserer Mensch, weil er für jemanden betet.

    „Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“
    http://www.bibel-online.net/buch/45.roemer/3.html#3,22

    Ich wollte dich keinesfalls persönlich angreifen und die Diskussion eskallieren lassen. Ich werde wohl nochmal überdenken müssen, was ich da oben geschrieben habe.

    Ich denke schon, dass eine vernünftige Palliativmedizin + Sterbebegleitung die beste Lösung ist. Es ist doch erst unsere moderne Medizin, die dieses Problem aufwirft. Wir müssten schon früher anfangen, loszulassen.

    Aber ich seh schon… wir finden hier keinen gemeinsamen Nenner. Vielleicht kannst du wenigstens nachvollziehen, dass ICH PERSÖNLICH jedenfalls niemandem bei seiner Selbsttötung assistieren möchte und ich es auch nicht befürworten kann, wenn es andere tun.

  15. Ich bin an einer Eskalation auch nicht interessiert. Ich stimme mit Dir weitgehend überein, dass für die meisten Fälle Sterbebegleitung mit medizinischer (schmerztherapeutischer) Unterstützung die beste und vorzuziehende Wahl ist. Es gibt aber auch Krankheiten, die ein friedliches Sterben nicht zulassen, wo das wochenlange Weitersterben nur unter Qualen und massiv eingeschränktem Bewusstseinszustand, wenn man das überhaupt so nennen kann, möglich ist.

    Das hat wenig mit der modernen Medizin zu tun. Manche Krankheiten töten langsam und grausam. Ob das in unserer modernen Medizin der Krebs ist oder früher mit 30 die Zahnfäule.

    Ich wünsche Dir bestimmt nicht, dass Du mal über so eine Situation entscheiden oder gar assistieren musst. Ich möchte nur, dass Du verstehst, dass jeden Tag hundert Menschen genau vor diesem Dilemma stehen und dass Zehntausend andere eine Diagnose haben, die sie in einer solche Situation bringen könnte — und die darum aus berechtigter Angst sich fragen müssen, ob sie das wirklich bis zum Ende so durchziehen wollen, falls es wirklich so kommt.

    Im Einzelfall zählt das idealisierte Prinzip dann herzlich wenig.

  16. Nunja, ich denke Angst beinhaltet auch immer eine große surreale Komponente. Und das Umfeld, in dem sich der Patient bewegt, kann hier einen negativen Einfluss auf den Patienten haben. Ich denke, wenn ihm die Möglichkeit zur Selbsttötung angeboten wird, dann wird schon allein dadurch seine Angst unnötig erhöht.

    Du hast mich oben nach persönlichen Erfahrungen gefragt. Während meinem Zivildienst habe ich einige Menschen sterben sehen. Das traurige dabei war, dass sie zwar irgendwie am Leben gehalten und gepflegt wurden, aber sich niemand um sie gekümmert hat. Meistens waren es Fälle, die ihren Willen nicht mehr klar äussern konnten. Und trotzdem hat man ihnen (denke ich zumindest) angesehen, dass sie eindeutig den Wunsch hatten, zu sterben. Und diese Fälle gibt es massenhaft in deutschen Krankenhäusern und denen müsste besser geholfen werden. Die hier diskutierten Fälle sind eindeutig die Ausnahme.

    Und ich habe auch aus der anderen Perspektive erlebt, wie schwer es für die Angehörigen ist, als mein Großvater gestorben ist. Es ist für Angehörige auch eine große Belastung, wenn man es mit einem alten Menschen zu tun hat, dem man keinen Funken Lebensfreude mehr entlocken kann.

    Und ich komme zu dem Schluss, dass man keine Ausnahmen machen sollte. Denn mein Grundsatz ist, dass man nicht beginnen sollte, das Elend der Welt durch ethisch falsche Taten (Beihilfe zum Suizid, Abtreibung, …) bekämpfen zu wollen.

    Man kann ja sehen, wo uns die Abtreibungsregelung hingeführt hat. Die wurde auch mit Ausnahmefällen begründet, wo die Frau durch Vergewaltigung schwanger wurde. Und man sieht, wo es uns hingeführt hat. Auf zwei geborene Kinder kommt ein abgetriebenes Kind. Das ekelt mich an.
    http://www.jesus.ch/index.php/D/article/768-1/39442-42_Millionen_Abtreibungen_weltweit/

  17. Ich dachte, die ganze Diskussion ginge darum festzustellen, was denn hier ethisch die beste Regelung ist. Manchmal beneide ich diese schlafwandlerische Sicherheit, mit der man ethisch falsche von ethisch richtigen Taten unterscheiden kann.

  18. @kamenin

    Aber was ist denn ethisch die beste Regelung, bzw. etwas früher angesetzt: wie definiert man überhaupt, was ethisch richtig – also quasi moralisch richtig ist ? Oft wird da das christliche Menschenbild für verwendet. Wenn aber nicht, welches dann ? Und wie will man gewisse ethische Entscheidungen rechtfertigen, also sie als „ethisch richtig“ deklarieren ?

  19. > Manchmal beneide ich diese schlafwandlerische Sicherheit,
    > mit der man ethisch falsche von ethisch richtigen Taten
    > unterscheiden kann.

    Ich weiß, das war als Kritik gedacht. Aber bei mir kommt es wie ein Kompliment an. 😀

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