Seit ein paar Tagen sammeln sie wieder: Die Aktion “Weihnachten im Schuhkarton” und der dahinter stehende Verein “Geschenke der Hoffnung“.
Im Prinzip ist das ja eine gute Idee. Da wird ein Schuhkarton voll mit Geschenken wie Barbiepuppen, Buntstifte oder Schminksachen u.ä. gepackt, und dann über das Netzwerk einer Organisation zu Kindern gebracht, die bedürftig sind. Wer allerdings meint, er würde mit dem Schuhkarton nachhaltige und effektive Hilfe leisten, sollte sich mit den Argumenten derer auseinandersetzen, die diese Aktion sehr kritisch sehen. Denn diese Aktion, so der Hauptkritikpunkt, leistet keinen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der oftmals prekären Situation in den betroffenen Ländern.
So hat der stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Thüringer Landesbischof Dr. Christoph Kähler bereits 2005 deutlich darauf hingewiesen, dass die Geschenke in den Schuhkartons “kaum mit der Wirklichkeit der Kinder zu tun [haben]. Mit einer Puppe kann ein Kind spielen, sie stillt aber keinen Hunger.” Die Päckchen könnten im besten Fall Zeichen der Nächstenliebe sein, würden aber keine Not lindern. Die Kinder in armen Ländern bräuchten vor allem Bildung, Gesundheit, und eine langfristig gesicherte Ernährung. Da die Aktion “Weihnachten im Schuhkarton” mit der Arbeit von Hilfswerken wie Brot für die Welt in Konkurrenz stehe, die echte Entwicklungshilfe leisteten, müsste man Sorge haben, dass “für Schulpatenschaften, Straßenkinderprojekte, Dörfer für Aidswaisen oder den Bau von Brunnen weniger gespendet würde, weil sich die Hilfsbereitschaft in den Weihnachtspäckchen erschöpft.” (Pressemitteilung: Bischof Kähler kritisch zu “Weihnachten im Schuhkarton”)
Wichtiger als diese Geschenke sind daher Investitionen in die Infrastruktur, die Ausbildung der Menschen oder Anleitungen mit Anschubfinanzierung von Wirtschaftsprojekten, die die soziale Situation in den Empfängerländern nachhaltig verbessern.
Weitere sehr gute Hintergrundinformationen zu der Debatte findet man
- bei confessio.de unter dem Stichwort “Geschenke der Hoffnung”
- bei weltanschauungsfragen.de unter “Weihnachten im Schuhkarton”
- und beim Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz unter der Überschrift “Anfrage einer Kirchengemeinde: Aktion ‘Weihnachten im Schuhkarton’”
.
Zum Originalartikel (und einigen interessanten Kommentaren von Schuhkarton-Befürworter-Seite): > Vorsicht: Weihnachtlicher Schuhkarton!
Foto: Judith Lisser-Meister – Quelle: http://www.pixelquelle.de



Kommentar verfassen