Und Gott lachte …

Christian Kastner - Quelle: www.pixelquelle.deUm was sich manche Politiker Sorgen machen verwundert mich immer wieder.

Die bayerische CSU will am 24. Oktober 2007 eine Initiative zum Schutz des christlichen Glaubens in den Rechtsausschuss des Bundesrates einbringen. Der Paragraph 166 des Strafgesetzbuches (Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen) soll verschärft werden. Vor allem die Verspottung des christlichen Glaubens soll in Zukunft leichter bestraft werden können.

Ausreichend soll sein, wenn ein Theaterstück oder eine Fernsehsendung das Vertrauen von Betroffenen in die Achtung ihrer religiösen Überzeugung beeinträchtigen kann oder bei Dritten die Bereitschaft zu Intoleranz gegenüber dem Bekenntnis gefördert werden könne.

Ich frage: Wer vermag denn bitte zu beurteilen, wann das Vertrauen von Betroffenen beeinträchtigt ist oder die Bereitschaft zu Intoleranz gefördert wird? Bei diesen schwammigen Begriffen ist der Interpretation Tür und Tor geöffnet. Und je nachdem, welcher Beckmesser dann am Werk ist, befinden wir uns unversehens bei der Einstellung der literarischen Figur Jorge von Burgos aus „Der Name der Rose„, der absolut davon überzeugt war, dass Jesus nie gelacht hat.

Und dann dürfte die Zensur auch nicht mehr weit sein.

Mein christlicher Glaube wird sich von Karikaturen und Witzen, von Ironie und Beleidigungen sicherlich nicht erschüttern lassen. Es wäre ein sehr schwacher Glaube, wenn eine Spitze gegen ihn alles sofort ins Wanken bringen würde. Ich denke eher, dass Gott selbst mit einer kräftigen Prise Humor ausgestattet sein dürfte. Er hat ihn ja schließlich selbst erschaffen.

Die Verschärfung des Paragraphen 166 ist m.E. so unnötig wie ein Kropf.

Ein ausführlicherer Artikel zum Thema in der taz: „Bayerischer Vorstoß: Kein Spott mit Gott“ 
Bild: Christian Kastner, pixelio.de


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Kommentare

10 Kommentare zu „Und Gott lachte …“

  1. Hab mal drüber nachgedacht und sehe das ambivalent.
    Einerseits ist es richtig, dass man da nicht zu scharf sein sollte und das den eigenen Glauben auch nicht erschüttern sollte. Und es ist auch fraglich, welchen „Richtern“ man damit Tür und Tor öffnen würde.
    Andrerseits hatte ich damals, als es um dieses Popetown ging (ohne es gesehen zu haben), auch über das Thema nachgedacht. Bei Popetown wird eine Zielgruppe angesprochen, die recht jung ist, und ihr wird damit irgendwo weisgemacht: es gibt gar nichts Heiliges, alles ist irgendwo lächerlich.
    Das entspricht einer allmählichen Desensibilisierung gegenüber Dingen, die anderen Menschen heilig sind und ist vielleicht auch eine schleichende und zunehmende Entfernung vom Glauben bzw. Dingen, die man nicht sehen kann.
    Es gibt aber auch eine MTV Werbung, wo man ein leeres Kreuz sieht und ein Fernseher darunter steht, Jesus sitzt in einem Sessel und schaut fern. Dazu der Satz: „Lieber MTV schauen, als den ganzen Tag nur rumhängen.“
    Sowas mag zwar auch Menschen abstoßen, ich jedoch hätte damit kein großes Problem, frei nach dem Motto, nach dem auch Politiker leben: das schlimmste ist für einen Politiker, wenn es keine Karikaturen über ihn gibt, weil das heißt, dass man sich nicht mit ihm auseinandersetzt.

    Insofern denke ich, muss man unterscheiden bei der Art der Darstellung, was aber (und das ist gefährlich) natürlich recht subjektiv ist. Wenn es um reine Pamphlete geht, dann ist die Sache kritisch.

    Auch das mit der systematischen Desensibilisierung ist nicht ganz unproblematisch. Wenn man zu sehr zulässt, dass sakrale Dinge verunglimpft werden, dann hat das Auswirkungen auf die Gedanken von Menschen, bis dahingehend, dass sie Gott nur noch als Lächerlichkeit wahrnehmen könnten.

    Dem entgegen steht, dass man natürlich keine Diktatur der Zensur wünscht. Es ist also eine Gratwanderung und es ist die Frage, ob man dort mit Gesetzen weiterkommt. Besser wäre eine erhöhte medienethische Aufmerksamkeit diesbezüglich, was aber auch voraussetzt, dass entsprechende Journalisten dahingehend sensibilisiert sind. Das sind sie aber möglicherweise nicht, wenn ihnen bereits in der Jugend vorgelebt wird im Fernsehen, dass Sakrale Dinge lächerlich sind (Popetown). Oder aber dies bewirkt genau das Gegenteil: dass sich diese Generation verstärkt diesen Fragen zuwendet, weil sie interessiert ist, was hinter diesen Verunglimpfungen steht.

    Wie gesagt: fraglich, ob Gesetze da wirklich die richtige Antwort sind. Aber auch fraglich, wie Medien mit den Gefühlen von Menschen umgehen dürfen, vgl. Mohammedkarikaturen. Denn ein Journalist darf natürlich im Sinne der demokratischen Meinungsfreiheit sagen, was er meint. Was aber, wenn er weiß, dass dadurch Unruhen entstehen, die sogar Menschenleben kosten können ? Hier entsteht eine moralische Zwickmühle, die man im Einzelfall lösen muss.
    Man kann hier eine Brücke zu einem anderen Thema schlagen: wenn die Medien über Selbstmorde berichten, steigt die Zahl der Nachahmungstäter signifikant an, mehr Menschen (die ohnehin mit dem Gedanken spielen) bringen sich tatsächlich um.
    Wenn man nun über Themen berichtet (Mohammedkarikaturen), von denen man weiß oder wissen müsste, dass sie massive emotionale Reaktionen auslösen, ist man als Berichterstatter auch irgendwo mit dafür verantwortlich. Man kann nicht sagen: ich habe ja nur den Hebel umgelegt (ohne zu erwähnen, dass der Hebel ein Fallbeil betätigte, das einen Menschen tötete).
    In dieser Hinsicht muss man vielleicht auch die Berichterstattung sehen, die religiöse Themen allzu leichtfertig verunglimpft.
    Sicher: die Demokratie erlaubt es und Karikaturen sind manchmal auch ein gute Korrektiv. Aber es gibt eben solche und solche Karikaturen.
    Wie man diesem Problem begegnen soll, ist fraglich. Vielleicht mit der Möglichkeit, gesetzlich potentiell dagegen vorgehen zu können. Vielleicht aber auch lieber durch eine größere Öffentlichkeitsarbeit in solch einem Fall.
    Fakt ist auch jeden Fall, dass der christliche Glaube es mitunter schwer hat in einer säkularen Gesellschaft. Drum muss man sich überlegen, wie man seinen Wert erhalten kann. Ob durch Gesetze oder eben lieber öffentliche Meinungsbildung ist dabei natürlich die Frage.

  2. @ theolounge

    Danke für das sehr differenzierte Nachdenken. Ich stimme Dir in Vielem zu. Ich denke aber, dass der existierende Paragraph 166 ausreichend ist und wir nicht noch mehr gesetzlich reglementieren sollten.

    Wenn wir als Christinnen und Christen unseren christlichen Glauben in Wort und Tat leben, sichtbar, spürbar, erlebbar wird, dass wir Erlöste sind, dass es uns um Heilung geht (vgl. meine Predigt zu Lukas 17,11-19 auf http://www.alt-katholisch.net), dass unser Gott die Liebe ist (1 Johannes 4,8), wird sich Spott und werden sich Scherze und Witze über uns wohl ziemlich in Grenzen halten. – Aber bis dahin haben wir (ich auch!) noch einen ziemlich langen Weg vor uns 😉

  3. P.S.: Gerade eben entdeckt. Heute gab es einen Beitrag zum Thema in der Sendung „Tag für Tag“ auf Deutschland-Radio.

    Nachzuhören unter: http://ondemand-mp3.dradio.de/podcast/2007/10/17/dlf_20071017_0946_19be795b.mp3

  4. @Walter
    Habs mir angehört, ja, das ist halt ein Strafrechtler, der da spricht. Der würde vielleicht auch gern den Gottesbezug aus dem Grundgesetz nehmen. Und würde sich wundern, wenn er hören würde, dass das Gesetz auch auf dem christlichen Weltbild fußt. Wie sicher auch viele seiner Ansichten.
    Aber was anderes: man muss das wohl pragmatisch sehen. Ein Gesetz bringt nichts, wenn es keinen schert. Wenn es also keine oder zu wenig Christen gibt, dann ist so ein Gesetz ohnehin obsolet.
    Drum geht es wohl eher tatsächlich über die Schiene Öffentlichkeitsarbeit. Wie man an der Kerner-Show mit Eva Herman sehen konnte. Wenn etwas Menschen bewegt, dann gibt es eine rege Diskussion in den Medien.
    So ist das sicher auch bei Dingen, die man religions-beleidigend ansehen kann.
    Wenn es niemanden gibt, der sich dran stört, dann bringt das Gesetz auch nichts. Wenn schon, dann braucht es kein Gesetz, dann regelt das die öffentliche Diskussion – und bringt sogar ggf dem Christentum oder der jew. Religion sogar noch Sympathien ein (vgl Kerner – Show).

    Andrerseits: das könnte man natürlich auch übertragen auf andere Dinge, zb die Paragrafen der Volksverhetzung und der Beleidigung. Warum braucht man dann diese Paragrafen ?
    Was ist denn das eigentlich: Beleidigung ? Und wo fängt das eigentlich an: Volksverhetzung ?

  5. @Walter
    Finde Deinen Artikel übrigens ganz gut, und erwarte jetzt auch nicht die Klärung aller Fragen oder so. Aber mir ist dazu halt einiges eingefallen, was ich einfach mal so zur Disposition stellen wollte 😉

  6. […] “Und Gott lacht” bei Theolounge … über Politiker mit seltsamen […]

  7. erstmal glaube ich das zensur eine große portion abscheu engegen kommen sollte, und zwar mehr als so mancher hässlichen beleidigung

    aus meiner (anarchistischen) perspektive gibt es nur ein mittel gegen die lächerichmachung von irgendetwas was einem anderen wichtig oder gar heilig ist: diskussion

    zudem glaube ich das religion genau wie alle denkmodelle ihrer scheinbaren lächerlichkeit augesetzt sein müssen
    die wahrheiten in einer religion werden wohl nicht einfach von allen verkannt werden, nur weil einer darüber witze macht
    und so problematische sachen wie das papsttum im katholizismus oder islamistischer dogmatismus haben kritik meiner meinung nach sehr nötig

    beschneidung der meinungsfreiheit hingegen geht nur mit einem mittel: gewalt
    und zwar gewalt die sich nicht als selbstverteidigung oder nothilfe rechtfertigen lässt

    zensur ist ein verbrechen dem sich schon genügend schon mehr als genug menschen schuldig gemacht haben
    du sollst nicht begehren deines nächsten freieit

  8. @ marti

    Den von Dir vertretenen Aufruf zur Gewalt kann ich nur mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Gewalt ist für mich kein Mittel der Wahl. Auch eine mögliche Beschneidung der Meinungsfreiheit rechtfertigt m.E. nicht den Einsatz von Gewalt. Denn Gewalt wird immer nur Gegengewalt hervorrufen, und dann geht es nur um das Recht des Stärkeren und nicht um Gerechtigkeit. Das ist nicht die Welt, die ich mir vorstelle.

    Keine Gewalt.

    Walter

  9. vielleicht haben wir uns falsch verstenden:
    ich meinte das die einzig mögliche weg jemanden den mund zu verbieren _währe_ ihm mit gewalt zu drohen oder sie anzuwenden

    das istnichts was ich irgenwie befürworte oder aufrufe, ganz im gegenteil:
    was man mit gewalt erwzimgen muss kann nichts gutes sein, jede nochsogute absicht wird mit gewalt zu einer billigen ausrede

    keine gewalt, ganz meine meinung 🙂

    marti

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