In der aktuellen Debatte, ob bei einem Terrorangriff mit einem vollbesetzten Passagierflugzeug der Abschuss angeordnet werden kann, ist es auch für Christen von Interesse: dürfen Menschen getötet werden, um eine Katastrophe zu verhindern? Zwar ist die Rechtslage klar, denn das Bundesverfassungsgericht hatte einen entsprechenden Gesetzesentwurf der Bundesregierung vor wenigen Monaten als verfassungswidrig abgeblockt, aber vielmehr stellt sich doch die Frage: ist es als Christ sinnvoll auf jeden Fall Maßnahmen zu unterlassen, weil es so angeordnet ist oder können ethische Überlegungen eine Entscheidung für einen Abschuss katalysieren. Kurz: Darf ein Christ im Notfall töten? Dagegen steht sicherlich, dass man nicht ein Leben gegen andere aufwiegen kann und man keine Unschuldigen töten. So sieht auch die gängige Begründung der meisten Juristen und Christen aus.
Jedoch fällt man mit der Entscheidung, den Abschuss zu unterlassen auch eine Entscheidung; und zwar, dass die die Leute, die das Ziel des Flugzeugs sind, auch unschuldig mitsterben müssen. Sich um die Entscheidung drücken, heißt die Konsequenzen zu ignorieren. Wenn man die Wahl zwischen 200 und womöglich tausenden Toten hat ist es nicht zulässig, die Dinge ihren Lauf gehen zu lassen, nur um nachher eine reine ethische Weste zu haben. In einem solchen Extremfall, wird aus einem Passagierflugzeug eine Waffe gemacht. Die unschuldigen Bürger sollen gerade dabei das Schutzschild der Terroristen sein. Ein kleines Gedankenexperiment dazu:
Würde ein Schurken-Staat, wie Hitler-Deutschland, einem anderen demokratischen Staat den Krieg erklären und mit einer Bodenoffensive attackieren und zum Schutz in jeden Panzer einen unschuldigen Säugling reinsetzen…dürften wir uns dann nicht verteidigen? Wer möchte dann die Verantwortung für die Millionen Unschuldigen Opfer tragen. Beim Terror handelt es sich um eine Kriegserklärung, die nicht von einem Staat ausgeht, aber die gleiche Intention verfolgt.
Der Herr Jesus Christus lebt uns zweierlei Verhaltensweisen vor. In der Bergpredigt fordert er auf, die zweite Wange hinzuhalten, um das Unrecht, was von dem Tyrannen und Peiniger ausgeht noch offensichtlicher machen soll. Er präsentiert uns aber auch eine Variante, die Zorn gegen Ungerechtigkeit und Bosheit zulässt und Anklage zulässt. So hält Jesus vor dem Hohenpriester Kajaphas nicht die zweite Wange hin, als die Wache des Kajaphas Jesus schlägt: vielmehr macht er hier auf das Unrecht aufmerksam. Auch die Geschichte lehrt die Christen: Aus Verantwortung für unsere Mitmenschen und Nachkommen sind wir zum Handeln aufgefordert, um das Böse einzudämmen und Konsequenzen zu verhindern, die weitere Unschuldige fordern. Ein Beispiel dafür ist wohl das Eingreifen der Alliierten gegen Hitler. Wer sich nicht entscheidet, hat auch eine Entscheidung getroffen; er hat das Böse gewähren lassen.



Kommentar verfassen