Gestern Abend strahlte die ARD die Sendung „Die Hardliner des Herrn aus“. Dabei ging es besonders um evangelikale Christen, die die Bibel wörtlich auslegen und sogar ihre Kinder dem öffentlichen Schulunterricht fernhalten, um sie privat zu Hause zu unterrichten. Die Vertreter der evangelikalen Seite gaben dabei fleißig Interviews und legten offen ihr Bekenntnis zur Sechs-Tage-Schöpfung, der Unterordnung der Frau unter den Mann und der sexuellen Enthaltsamkeit vor der Ehe, ab. Es tut jedoch ein wenig weh, wie diese Menschen die Bibel lächerlich machen. Dass die Welt von Gott geschaffen ist, wird in philosophischen, theologischen und intellektuellen Kreisen aus guten Gründen für wahr gehalten. Ein ersten Beweger, der alles zum Rollen brachte, da ja Nichts aus Nichts entstehen kann und alles wohlbedacht im Laufe der Evolution ausrichtete, kann mit kohärenten und vernünftigen theistischen Überzeugungen dargelegt werden und widerspricht so auch nicht der Naturwissenschaft. Schließlich gründet Glaube und Naturwissenschaft beides in Gott. Wer aber den Schöpfungsbericht als Gegenstück zur Evolution sieht, verwechselt theologisches Material mit einem vornaturwissenschaftlichen Weltbild aus 1500 v. Chr. mit einer Bauanleitung aus dem 21. Jahrhundert. Auch sexuelle Enthaltsamkeit ist eine sinnvolle Tugend, die als positive Lebensoption jedem zur Verfügung stehen sollte, jedoch sollte sie nicht, wie bei vielen Evangelikalen, als Gesetz gelten, denn im Christentum gibt es nur ein Gesetz, das der Herr uns gegeben hat: Die Liebe! Die Bibel, besonders im AT erzählt und malt theologische Bilder, die Wahrheiten ausdrücken. Die theologischen Bilder dürfen aber nicht als Beleg gegen die Forschung angewendet werden. Die Bibel wörtlich zu nehmen, bedeutet sich in Widersprüche zu bringen, die keine sein sollen, denn die Autoren arbeiten auf einer Bildebene und malen ein theologisches Bild und wollen meist kein historischen Bericht abliefern (Ausnahmen: Auferstehung und Himmelfahrt Jesu usw. und sonstige Zeitangaben im NT). In der Offenbarung des Johannes heißt es: „Und sie wuschen ihre Kleider weiß im Blut des Lammes“. An diesem offensichtlichen Widerspruch auf der Wortebene (dass man eben keine Kleider in Blut weiß waschen kann) sieht man, dass wir uns auf einer theologischen Bildebene befinden: an Beispielen dieser Art wimmelt es in der Bibel Ein weiterer Fehler evangelikaler Christen besteht darin, die Bibel als wort-wörtliches Schrift und einziges Glaubenszeugnis zu sehen. Dazu demnächst mehr…
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Kommentare
4 Kommentare zu „„Hardliner des Herrn““
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Hi Guitator,
stimme Deiner Meinung voll und ganz zu. Und ich freue mich, dass es unter uns Christinnen und Christen doch einige gibt, die es schaffen, Glaube und Verstand nicht wie schwarz und weiß gegenüberstehen zu lassen.
Bin gespannt auf „demnächst mehr …“Walter
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ich habe den beitrag gestern abend auch gesehen, allerdings mit anderen eindrücken. und mir gestattet, der redaktion von hr das mal zuzusenden. mal sehen, ob sie reagieren. oder ihr??
liebe grüsse, andyDie Hardliner des Herrn (hr)
Christliche Fundamentalisten in DeutschlandSehr geehrte Redaktion,
gestern Abend schaute ich obigen Beitrag an und möchte Ihnen dazu gratulieren. Ich finde es gut, dass Sie den Mut aufbringen, so ein heisses Eisen anzupacken und eine Reportage über die verschiedenen Facetten von gelebtem Glauben zu bringen.
Obwohl ich selber schon viele Jahre als Christ in diesem Land lebe, waren mir einige Informationen doch neu. Natürlich war ich auch gespannt, wie dieser Beitrag handwerklich und inhaltlich gestaltet sein würde.
Darf ich Ihnen dazu einige Bemerkungen weitergeben:
– Das Aufgreifen der verschiedenen Themen wie Homosexualität, Schöpfung, Heimschulen, Sex vor der Ehe sind natürlich nur einige Themen, die bibeltreue Christen hochhalten. Wichtige Themen sind natürlich auch Vergebung erleben und praktizieren, soziale Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen, funktionierende Familien zu gestalten, Hilfen für seelisch Verletzte anzubieten (Seelsorge), Schuld vor Menschen und Gott erkennen und Lösungen anzunehmen und Vieles mehr. Insofern deckt Ihr Beitrag natürlich nur einen kleinen sektor der fundamentalen Themen von bibelorientierten Christen ab.
– Das Eingangsbild mit der verbrennenden Bibel, welches sich dann im Lauf der Sendung wiederholt, hat mich verunsichert. Was genau wollten Sie uns Zuschauern da vermitteln? Die Bibel und damit ihre Lehren sollten dem fauer ausgesetzt werden? Oder von bibeltreuen Christen gehe Gefahr aus? Ich zumindest habe es nicht verstanden…
– Der Eindruck, dass es so eine Art neue Mode sei, christlich fundamentiert zu leben sollte wohl so vermittelt werden (siehe Hinweis auf Ihren Artikel auf Ihrer Website zur Dokumentation auf amerikanische Christen). Aber die angeschnittenen Themen lehren Christen, die die Bibel ernst nehmen schon immer und versuchen sie, im praktischen Leben umzusetzen. Was sich geändert hat ist unsere Gesellschaft, die zunehmend freiere Lebensformen akzeptiert, ohne dass das Ende dieser Entwicklung in ethischen und sozialen Fragen abzusehen ist. Da sich die gesellschaftlichen Massstäbe gelockert haben, fallen natürlich die „Anderen“ plötzlich viel stärker auf.
– Mein Gesamtausdruck der interviewten und gezeigten Christen und Gruppen war eher negativ – ich hoffe, es war nicht beabsichtigt. Grösstenteils passten die Leute in das Klischee der etwas weltfremden, begrenzten, rückständigen Frommen, die keiner ernst nehmen kann und von denen – weil sie eine klare Übrzeugung kommunizieren – sogar möglicherweise eine Gefahr ausgehen könne. Das Abschieben in diese nicht ernstzunehmende Ecke fand ich nicht gut.
– Und ebenfalls die Titelwahl – ich finde, sie ist provokativ gewählt worden. Beabsichtigt? Wenn ja, sollte vielleicht der Vergleich mit islamistischen Fundamentalisten, die Bomben schmeissend über Leichen gehen, projiziert werden? Wenn ja, ist das sehr unglücklich, denn diese beiden Gruppen haben keine Gemeinsamkeit. Oder finden Sie, doch?
– Ich selbst finde es toll, dass sich Menschen vom Gruppendruck der allgemeinen gesellschaftlichen Überzeugung lösen und bereit sind, eigenständig zu denken und ihren Glauben auch klar zu leben. Bei all den moralischen, oft bedenklichen, Spielarten der ethischen Werte und dessen verfall kann sich doch eine Gesellschaft glücklich schätzen, eine Gegenströmung zu besitzen.
– Und was bitteschön ist so verwerflich daran, wenn junge Leute ihre Sexualität für ihren späteren Lebenspartner und die Ehe, die sie gerne führen wollen, aufsparen? Ich selber habe 5 Kinder grossgezogen und bin sehr froh, dass sie grösstenteils nicht in die Falle der heute allesübergreifenden Sexualisierung getappt sind.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber der Beitrag kam bei mir nicht positiv rüber. Fundamentalismus kann man ja auch in einer weitgehend orientierungslosen Gesellschaft als positiv betrachten: Die Leute haben ein Fundament, das sie trägt: Zum einen Jesus Christus und zum anderen seine Lehren, die in der Bibel aufgeschrieben sind. Ich habe Hochachtung vor Leuten, die für ihre Überzeugung und ihren Glauben einstehen…
Und noch ein Letztes: Ich erlebe in unserer Freien evangelischen Gemeinde am Ort eine Vielzahl von bereichernden, fröhlichen, nachdenklichen, ernsten, durchhelfenden Situationen, die ganz anders aussehen, als die mehrmals gezeigten Christen im gestrigen Beitrag.
Ich schlage Ihnen deshalb vor eine Fortsetzung zu drehen, wo die Lebensfreude von bibelanerkennenden Christen klarer zum Ausdruck kommt, wo gezeigt wird, wie vielfältige soziale Verantwortung in Projekten umgesetzt wird und wie viele zig Stunden ehrenamtlicher Arbeit Menschen in das Umsetzen der Lehren Jesu stecken. Ein Titel könnte zum Beispiel heissen: „Biblische Botschaft verändert Leben“ oder „Freude, die hindurchträgt“ oder ähnliches.
Für Ihre verantwortungsvolle Arbeit in den Medien wünsche ich Ihnen viel Erfolg, gelingen, immer wieder neue Sichtweisen und Gottes Segen.
Mit freundlichen Grüssen,
Andreas Meissner -
Ja, gar nicht schlecht geschrieben. Hab den Beitrag zwar nicht gesehen, hatte aber schon die Vermutung, dass er auch ins extreme Gegenteil abkippen könnte….was scheinbar teils tatsächlich geschehen ist…
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