Ein Vortrag, nach dem das Konzept des Intelligent Design nicht direkt das zu treffen scheint, was es eigentlich erreichen will – weil es womöglich das, was Gott ist, zu sehr einengt und ihn so dennoch nicht fassen kann, …auch, wenn es für die philosophische-theologische Auffassung des Intelligent Design durchaus Raum gibt. Nehmen Sie sich etwas Zeit für den Artikel, es lohnt sich.
Aber auch, wenn in diesem Artikel eine etwas andere Linie gefahren wird, als die des Intelligent Design, so hat diese Bewegung vielleicht dennoch eine gewissen Wirkung: sie bringt vielleicht die Diskussion darum, was Wirklichkeit und was Gott ist, in neuer und recht dynamischer Weise in Gang.
Da es schwer ist, den Artikel zusammenzufassen, habe ich hier einige Zitate gewählt, die Lust auf das Lesen machen können:
„So können wir Gott auch nicht auf der naturwissenschaftlichen Ebene als Designer ins Spiel bringen wollen. Die Rede vom „intelligent design“ ist als physikalische oder biologische Hypothese unbrauchbar. Sie sagt entschieden mehr, als Physiker oder Biologen sagen können, und läßt sich weder theoretisch noch experimentell überprüfen. Gerade harte Wissenschaft bleibt bescheiden: sie verzichtet auf Sinn- und Wozu-Fragen. Man muß aber deshalb die Idee eines „intelligent design“ nicht pauschal ablehnen.
Hilfreich kann diese Auffassung für die theologische Deutung, aber möglicherweise auch für die philosophische Interpretation des Prozesses der Evolution werden. Denn auf theologischer und auch auf philosophischer Ebene sind Sinn- und Wozu-Fragen sehr wohl zulässig, auch wenn man am Ende vielleicht nur zu dem Ergebnis kommt, daß man an diesen Fragen scheitert. Auf der Linie des biblischen Schöpfungszeugnisses ist die Rede von einem dem Willen des Schöpfers entspringenden Plan ebenso legitim wie die Rede, daß solch ein Plan die Prozesse der Selbstorganisation der Materie durchwaltet. Und auch dies ist sagbar, daß Gott nicht einfach nur die Basisinformationen für „Big Bang“ zur Verfügung stellte, sondern den Weg der Evolution bis zum heutigen Tage beeinflußte und begleitete, wie er jeden einzelnen von uns durch unsere Eltern ins Leben rief und wie er Himmel und Erde der Verheißung des neuen Himmels und der neuen Erde entgegenführt, indem die uns bekannte Schöpfung – von allem Leiden und Sterben befreit – zu unvorstellbarer Schönheit verwandelt werden wird.
Solcher Perspektive werden dann die atomaren Urbausteine des Kosmos und die molekularen Urbausteine des Lebens zu einem einzigen Loblied auf die Herrlichkeit des Schöpfers, der spielend den Weg durch Milliarden Zeit- und Lichtjahre findet, um jedem einzelnen Lebewesen näher zu sein, als es sich selbst nahe sein kann. Ernesto Cardenal hat seine Übertragung von Psalm 150 überschrieben: „Das Weltall ist sein Heiligtum“:
Lobet den Herrn des Kosmos,
das Weltall ist sein Heiligtum
mit einem Radius von hunderttausend Millionen Lichtjahren.
Lobt ihn
den Herrn der Sterne
und der interstellaren Räume,
Lobt ihn
den Herrn der Milchstraßen
und der Räume zwischen den Milchstraßen,
Lobt ihn
den Herrn der Atome
und der Vakuen zwischen den Atomen,
[…].“
„Ich spitze das zu: Es kommt vielen Menschen in unserem Kulturkreis unwahrscheinlich vor, daß es Gott gibt und daß er die Welt geschaffen haben kann. Ebenso unwahrscheinlich ist es aber, daß es keinen Gott gibt und daß er die Welt nicht geschaffen haben kann. “
„Es entspricht nicht den Tatsachen, wenn behauptet wird, die moderne Wissenschaftsentwicklung habe maßgeblich den modernen Atheismus vorangetrieben oder gar hervorgebracht. Der moderne Atheismus speist sich aus anderen Wurzeln. Bei Lichte besehen löst der Vorstoß in kosmische Dimensionen, die unseren Vorfahren gänzlich verschlossen waren, eher das Staunen und das religiöse Interesse aus, als daß es Menschen in den Atheismus treibt.“
„Gleichwohl ist das Geheimnis des Kosmos damit nicht durchschaut. Vor allem ist es zutiefst rätselhaft, warum die ganze Evolution des Alls den uns erkennbaren Verlauf genommen hat. Schon minimalste Abweichungen und Variationen im Material des Urknalls hätten zu ganz anderen Entwicklungen führen müssen. Es ist theologisch plausibel und verantwortbar, an dieser Stelle von einem die Evolution prägenden und treibenden Konzept zu sprechen. Und auch als Naturwissenschaftler kann man durchaus etwas vom Geheimnis göttlichen Wirkens erahnen. Die Annahme, daß das ganze Universum im Anfang dessen, was wir Zeit nennen, auf einer Nadelspitze Platz gehabt habe, überschreitet, transzendiert alles, was wir auf Grund unserer Erfahrungen für möglich halten würden.“
„Das gilt ebenso für die Bedingungen, die zur Entstehung von Leben führten. Die von Darwin vorgebrachten Erklärungen für bestimmte Abläufe der biologischen Evolution scheinen noch ein Kinderspiel im Vergleich mit der Frage zu sein, wie es zu den Informationskonzepten für die Organisation aller Lebensstrukturen auf molekularbiologischer Ebene gekommen ist.“
„Ein Physiker wie Stephen Hawking hat sich am Ende seiner „Kurze[n] Geschichte der Zeit“ (218) zu der Vermutung vorgewagt, daß wir – Philosophen, Naturwissenschaftler und Laien – mit einer vollständigen Theorie über die Entstehung des Universums zu der Frage vorstoßen würden, warum es das Universum gebe, und dann den Satz gewagt: „Wenn wir die Antwort auf diese Frage fänden, wäre das der endgültige Triumph der menschlichen Vernunft – denn dann würden wir Gottes Plan kennen.“



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