Jiddisch – für uns ganz selbstverständlich

Hinweis: In dem folgenden Artikel sind ausschließlich jiddische Wörter fett gedruckt.

Jiddische Wörter begegnen uns im deutschen Alltag ständig, ohne dass wir groß darüber nachdenken. Aber was ist Jiddisch eigentlich genau?

Es ist eine Sprache, die vor über tausend Jahren im mitteleuropäischen Raum entstanden ist. Sie basiert zum großen Teil auf dem Mittelhochdeutschen, wird aber traditionell mit hebräischen Schriftzeichen geschrieben. Im Laufe der Zeit hat sie viele hebräische, aramäische und slawische Elemente aufgenommen. Gesprochen wurde sie von jüdischen Gemeinden in Mittel- und Osteuropa.

Wer glaubt, das moderne Deutsch käme ohne diese Einflüsse aus, erzählt absoluten Stuss. Manche finden es vielleicht meshugge, wie tief diese Begriffe in unserer Sprache verwurzelt sind. Das Spektrum reicht vom Ganove, der nach einem Raub plötzlich pleite ist und tief im Schlamassel steckt, bis hin zum ehrlichen Arbeiter, der täglich seine harte Maloche erledigt. Selbst das Wort vermasselt gehört hierher, da es sich vom Begriff Massel für Glück ableitet – wer etwas vermasselt, hat also schlicht sein Glück verspielt.

Sogar in der eigenen Mischpoche nutzen wir diese Ausdrücke ständig. Man braucht gar nicht viel Chuzpe, um im Alltag einfach mal Tacheles zu reden oder nach einem langen Tag gemütlich mit den Liebsten zu schmusen. Doch die Liste geht noch viel weiter. Wenn man zum Beispiel auf dem Flohmarkt versucht, billigen Tinnef oder wertlosen Kram für viel Kies oder Moos loszuwerden, erhofft man sich insgeheim den großen Reibach. Wer dabei jedoch an einen abgebrühten Chochem gerät, scheitert oft kläglich – so ein gerissener Kerl durchschaut den Trick sofort und lässt sich keinen unbedeutenden Schmonzes aufschwatzen.

Nach so einem missglückten Deal zieht man sich vielleicht frustriert in ein kleines, abgelegenes Kaff zurück, um dem ganzen Zores und dem Stress der Großstadt zu entkommen. Wenn die Laune nach dem Misserfolg richtig mies ist, neigt man dazu, an allem herumzumeckern. Man sollte sich aber hüten, wegen jeder kleinen Macke gleich ein riesiges Geseire anzufangen. Sinnvoller ist es, in die nächste Kneipe zu gehen, sich ein wenig beschickert zu trinken und den Ärger zu vergessen. Wer dort den anderen Gästen beim Kartenspiel permanent über die Schulter schaut, wird allerdings schnell als lästiger Kiebitz verscheucht. Am Ende des Abends bleibt dann nur, müde ins Bett zu fallen, um endlich tief und fest zu pennen.

Lebendiges Kulturgut

Es ist faszinierend zu sehen, wie diese Begriffe über die Jahrhunderte gewandert sind und das Deutsche farbiger machen. Sie haben unsere Alltagssprache bereichert und sind ein wunderbares Beispiel dafür, wie lebendig Sprache durch den Austausch verschiedener Kulturen wird.


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