Hitze, Hysterie und Heimatschutz

Es ist wieder so weit. Das Thermometer klettert auf über 33 Grad, und das gesamte öffentliche Leben in Deutschland droht wegen akuter Schnappatmung zu kollabieren. Der gemeine Bundesbürger stellt fest: Sonne ist eigentlich ganz furchtbar. Man schmilzt auf dem Asphalt, das Bier wird zu schnell warm, und überhaupt hat uns niemand gefragt, ob wir diese subtropischen Zustände im Vorgarten wollen.

Kaum schlägt das Wetter jedoch um und es regnet drei Tage am Stück, setzt die kollektive Demenz ein. Plötzlich fragt man sich beleidigt, wo eigentlich der Sommer bleibt, und sehnt sich verzweifelt nach den exakt gleichen Temperaturen zurück, die man tags zuvor noch als Vorschau auf die Hölle deklariert hat. Das ist der ewige, unlösbare deutsche Wetter-Kreislauf.

Die Logik-Akrobaten der Hitzeperiode

Besonders unterhaltsam wird die Hitzewelle, wenn man den Blick auf eine ganz bestimmte politische Denksport-Gruppe lenkt. Hier läuft die Argumentation auf Hochtouren, auch wenn sie sich im Kreis dreht. Einerseits ist der Klimawandel eine Erfindung – oder zumindest völlig harmlos. Klimaschutz? Braucht kein Mensch, reine Schikane für den ehrlichen Autofahrer. Man hat ja schließlich schon immer im Sommer geschwitzt.

Gleichzeitig pflegt man in diesen Kreisen eine tiefe, leidenschaftliche Abneigung gegen Zuwanderung jeglicher Art. Bloß keine Migranten im Land, so lautet das Credo.

Dass sich diese beiden Kernpositionen völlig widersprechen, fällt im Eifer des Gefechts anscheinend niemandem auf. Wer den Planeten sehenden Auges aufheizt, sorgt schließlich höchstpersönlich dafür, dass weite Teile der Erde schlicht unbewohnbar werden. Und was machen Menschen, wenn ihnen das Trinkwasser verdampft? Sie ziehen um.

Wer den Klimaschutz blockiert, bastelt sich also die Fluchtursachen von morgen quasi im Alleingang zusammen. Aber vorausschauendes Denken ist in diesem Jahrhundert eben wie Schattenplätze im Freibad – absolute Mangelware.

Was am Ende übrig bleibt

Die deutsche Wohlfühltemperatur liegt historisch bedingt bei exakt 22,5 Grad, leicht bewölkt, mit der Garantie, dass alles genau so bleibt, wie es nie war. Wer den Klimawandel leugnet und gleichzeitig die Grenzen dichtsehen will, sollte sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden, dass es künftig noch viel heißer wird – und zwar in jeder Hinsicht.


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