
Es war ein geschichtsträchtiger Abend im MetLife Stadium. Die deutsche Nationalmannschaft hatte den Gruppensieg der Gruppe E bereits vor dem Anpfiff sicher in der Tasche. Entsprechend engagiert ging die Truppe von Julian Nagelsmann das bedeutungslose Gruppenfinale an. Und man muss neidlos anerkennen: In den ersten zwei Minuten war Deutschland absolut unschlagbar.
Nach exakt 120 Sekunden lag der Ball im Netz der Ecuadorianer. Leroy Sané hämmerte das Leder nach feiner Vorarbeit von Florian Wirtz unhaltbar ins Eck. Ein historischer Moment – das früheste deutsche WM-Tor seit 1934. Zu diesem Zeitpunkt dachten die optimistischen Fans vor den Fernsehern vermutlich an ein entspanntes Schützenfest analog zum vorherigen 7:1-Erfolg gegen Curaçao. Man hatte die Sache voll im Griff. Zumindest für die nächsten fünf Meter.
Die Ernüchterung folgte prompt in der 9. Minute. Weil Felix Nmecha im Mittelfeld auf charmant-lässige Art den Ball verlor, bedankte sich Nilson Angulo mit dem Ausgleichstreffer, indem er den Ball geschmeidig durch die Beine von Aleksandar Pavlović ins Netz rollte. Von diesem Schock erholte sich das deutsche Starensemble über die restliche Spielzeit im Grunde nicht mehr. Bundestrainer Nagelsmann sprach nach dem Abpfiff treffend von „zu viel Freestyle“ auf dem Platz. Böswillige Zungen würden es wohl eher als kollektive Orientierungslosigkeit im luftleeren Raum bezeichnen.
Zu Beginn der zweiten Hälfte keimte kurz Hoffnung auf, als die Schiedsrichterin auf Elfmeter für Deutschland entschied, nachdem Kai Havertz im Strafraum gelegt worden war. Der VAR schaltete sich jedoch ein und deckte gnadenvoll auf, dass Sané Sekunden zuvor ohnehin gefoult hatte. Also kein Strafstoß, sondern die nahtlose Fortsetzung des munteren Sommerkicks.
In der 77. Minute fand das Drama dann sein folgerichtiges Ende. Nach einer Ecke und einem klassischen Missverständnis zwischen Jonathan Tah und Manuel Neuer stupste Gonzalo Plata den Ball per Zehenspitze über die Linie – Bruchteile von Sekunden bevor Neuers Handschuhspitzen die Luft griffen. Ecuador gewinnt verdient mit 2:1 und rettet sich damit ins Sechzehntelfinale.
Was unterm Strich bleibt
Für Deutschland ist diese Pleite kein Weltuntergang, da das Ticket fürs Sechzehntelfinale ohnehin gelöst war. Die makellose Serie von elf Siegen in Folge ist nun zwar gerissen, aber man muss sich seine Kräfte in diesem aufgeblähten Mammut-Turnier ja auch gut einteilen. Kapitän Joshua Kimmich brachte es gewohnt trocken auf den Punkt: Der Gegner wollte gestern einfach mehr gewinnen. Bleibt zu hoffen, dass die DFB-Auswahl am Montag in Foxborough wieder länger als zwei Minuten Lust auf Fußball mitbringt.



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