
Wir schreiben das Jahr 2026, und während die Menschheit eigentlich damit beschäftigt sein sollte, die Klimaziele von gestern zu retten, steckt sie tiefer im fossilen Morast als je zuvor. Es ist eine bittere Ironie der Geschichte: Wir wissen, dass die Sucht nach Öl und Gas die Kassen derer füllt, die unsere Werte mit Füßen treten, und dennoch hängen wir an der Zapfsäule wie ein Junkie am Tropf. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine geht nun in sein fünftes Jahr, und wie die Länder-Analysen treffend beschreiben, hat sich die Situation in ein „New Normal“ verwandelt, das vor allem durch eines finanziert wird: russische Rohstoffe. Trotz zahlreicher Sanktionen fließen die Erlöse aus fossilen Exporten weiterhin in die Moskauer Kriegskasse, während in Kyjiw die Angst wächst, dass die westliche Aufmerksamkeit und Munition durch neue Brandherde aufgezehrt werden.
Das Nadelöhr des Zorns: Die Straße von Hormus
Inmitten dieser festgefahrenen Fronten im Osten ist im Nahen Osten ein zweiter, brandgefährlicher Krisenherd voll entflammt. Der aktuelle Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran hat die Weltwirtschaft an ihrem empfindlichsten Punkt getroffen: der Straße von Hormus. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, gilt diese Meerenge als das wichtigste Nadelöhr für den globalen Öltransport. Aktuelle Meldungen des Tagesspiegels bestätigen, dass der Iran begonnen hat, die Passage zu verminen und Frachtschiffe unter Beschuss zu nehmen. Die Folgen sind drastisch: Ein Gaspreisanstieg von 45 Prozent innerhalb kürzester Zeit und Rohölpreise, die an den Tankstellen für Fassungslosigkeit sorgen.
Ethisch betrachtet gleicht unser Handeln einem Tanz auf dem Vulkan, bei dem wir uns darüber beschweren, dass die Sohlen schmelzen, während wir fleißig Lava nachgießen. Wir finanzieren die Raketen, die auf Kyjiw fallen, mit unserem Hunger nach billigem Gas, und gleichzeitig zittern wir vor den Konsequenzen eines Konflikts im Iran, den wir durch unsere Abhängigkeit erst zur globalen Erpressungswaffe gemacht haben. Man könnte fast meinen, die Menschheit leidet unter einer kollektiven Amnesie, die nur durch den Geruch von Diesel kurzzeitig unterbrochen wird. Es hat fast etwas Theologisches – eine Art moderne Erbsünde, bei der wir die Bewahrung der Schöpfung für ein paar Cent weniger pro Liter am Altar der Bequemlichkeit opfern.
Die große Vergesslichkeit der Energiewende
Dabei schien die Lektion zu Beginn des Ukraine-Krieges 2022 doch so klar: Unabhängigkeit durch Erneuerbare. Doch wie der Spiegel analysiert, ist der Elan von einst verflogen. Zwar hat die EU beschlossen, bis Ende 2027 vollständig auf russisches Gas zu verzichten, doch der Weg dorthin ist steinig und von politischem Gezänk gepflastert. In Deutschland zeigt sich ein besorgniserregendes Bild: Laut der Bayerischen Staatszeitung sinkt der Rückhalt für die Energiewende in der Bevölkerung spürbar. Der Photovoltaik-Boom, der uns vor zwei Jahren noch hoffen ließ, schwächt sich laut aktuellen Daten der Tagesschau deutlich ab.
Es ist, als hätte die deutsche Seele nach der ersten großen Angst vor dem kalten Winter 2022 beschlossen, dass Klimaschutz ein Luxusgut ist, das man sich nur bei Sonnenschein und niedrigen Zinsen leisten möchte. Trocken betrachtet könnte man sagen: Wir sind wie jemand, der sich vornimmt, das Rauchen aufzugeben, weil die Lunge pfeift, aber beim ersten Stress an der Bushaltestelle den Kiosk plündert. Die Süddeutsche Zeitung weist in ihren Analysen darauf hin, dass Deutschland nun sogar über eine Beteiligung an der Seeminenräumung im Persischen Golf nachdenkt, um den Ölfluss zu sichern – ein militärischer Kraftakt, um eine Abhängigkeit zu schützen, die wir eigentlich längst hinter uns lassen wollten.
Zwischen Ohnmacht und Ölhahn
Am Ende stehen wir vor einem Trümmerhaufen aus guten Vorsätzen und geopolitischen Realitäten. Wir wissen, dass jede Kilowattstunde aus Sonne und Wind uns ein Stück weit aus den Klauen autokratischer Herrscher befreit. Und doch verharren wir in einer Schockstarre, während die Preise steigen und die moralische Integrität sinkt. Vielleicht ist es an der Zeit, den Erneuerbaren nicht nur aus ökologischer Liebe zu begegnen, sondern aus purem Selbsterhaltungstrieb. Denn solange unser Wohlstand an einem Ölhahn hängt, den jemand anderes jederzeit zudrehen kann, bleibt unsere Freiheit nur eine Illusion, die beim nächsten Raketeneinschlag zerplatzt.
Verwendete Quellen:
- Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): Berichte zur Sperrung der Straße von Hormus und den Auswirkungen auf die Energiesicherheit.
- Der Spiegel: Analysen zur Finanzierung des russischen Krieges und zum geplanten Gas-Ausstieg der EU bis 2027.
- Tagesspiegel: Aktuelle Meldungen zur militärischen Eskalation im Iran und der Bedrohung der Schifffahrtsrouten.
- Tagesschau (ARD) / ZDFheute: Daten zum Rückgang des Photovoltaik-Ausbaus und zur aktuellen Preisentwicklung bei Kraftstoffen.
- Süddeutsche Zeitung (SZ): Geopolitische Einordnungen zum Handeln der Bundesregierung und dem Dilemma der fossilen Abhängigkeit.
- Bayerische Staatszeitung: Studien zur schwindenden Akzeptanz der Energiewende in der deutschen Bevölkerung.
- Länder-Analysen: Prognosen und wirtschaftliche Einschätzungen zum Verlauf des Krieges in der Ukraine für das Jahr 2026.



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