
Wenn die Diplomatie den Nachbrenner zündet
An diesem Morgen des 28. Februar 2026 ist die Welt eine andere, oder zumindest eine deutlich lautere. Während man in Europa noch den ersten Kaffee aufsetzte, starteten die USA und Israel eine konzertierte Militäroperation gegen Iran, die in ihrem Ausmaß alles in den Schatten stellt, was die Region seit Jahrzehnten gesehen hat. Wie The Guardian und die Associated Press übereinstimmend berichten, sprach US-Präsident Donald Trump von einem „massiven und andauernden“ Schlag, um eine „existenzielle Bedrohung“ auszuschalten. Theologisch gesehen ist der Begriff der „existenziellen Bedrohung“ natürlich dehnbar – meistens meint er, dass jemand anderes die gleichen Spielzeuge im Sandkasten haben möchte wie man selbst. Doch für die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu, so zitiert die Times of Israel, geht es um das nackte Überleben angesichts eines iranischen Nuklearprogramms, das die Schwelle zur Bewaffnung längst überschritten hat.
Die ethische Debatte über den „Präventivschlag“ wird hier auf die Spitze getrieben: Darf man das Feuer eröffnen, bevor der Funke überspringt? In Jerusalem und Washington scheint man sich einig zu sein, dass Warten in diesem Fall keine Tugend, sondern ein strategischer Suizid wäre. Der Jerusalem Post zufolge wurden gezielt Einrichtungen des Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) sowie Drohnenfabriken und Raketensilos angegriffen. Dass dabei auch Stadtteile in Teheran unter Beschuss gerieten, in denen die Führung residiert, verleiht der Operation eine Note von „Regime Change“, die man in Washington offiziell zwar mit einem Augenzwinkern quittiert, die aber de facto die neue Marschrichtung vorgibt.
Iran reagierte prompt und weniger subtil. Die IRGC feuerte laut Al Jazeera und Ynet Wellen von ballistischen Raketen auf US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten ab. Auch über Jerusalem und Nordisrael heulten die Sirenen, während die Luftabwehrsysteme versuchten, das Schlimmste zu verhindern. Es ist ein bizarrer Tanz der Technologie über einem Boden, der eigentlich für seine heiligen Stätten bekannt ist. Man könnte fast meinen, die beteiligten Parteien hielten das biblische „Auge um Auge“ für eine verbindliche Bauanleitung für Zielerfassungssysteme. Trocken betrachtet ist es jedoch eher ein „Auge um eine ganze Raketenbatterie“.
Europas Schockstarre und der deutsche Spagat
In Europa löste der Angriff eine Mischung aus hektischer Betriebsamkeit und tiefer Besorgnis aus. Das Auswärtige Amt in Berlin forderte alle deutschen Staatsangehörigen zur sofortigen Ausreise aus Iran auf und warnte vor einer „äußerst volatilen Sicherheitslage“. Bundeskanzler Friedrich Merz, der erst kürzlich einen Sicherheitspakt mit Israel unterzeichnete, steht nun vor der moralischen Zwickmühle: Die FAZ und die Süddeutsche Zeitung berichten von Krisensitzungen, in denen man versucht, die uneingeschränkte Solidarität mit Israel gegen die Angst vor einer globalen Energiekrise und einer neuen Fluchtbewegung abzuwägen. Ethisch ist das ein Drahtseilakt ohne Netz – während man das Selbstverteidigungsrecht Israels betont, mahnt man gleichzeitig zur „maximalen Zurückhaltung“, was in etwa so effektiv ist wie ein „Bitte nicht schubsen“-Schild bei einer Kneipenschlägerei.
Auch die Europäische Union zeigt sich gespalten. Während die Außenbeauftragte Kaja Kallas laut Euronews das „mörderische Regime“ in Teheran scharf verurteilte und die Einstufung der IRGC als Terrororganisation vorantrieb, mahnen Länder wie Frankreich und Italien zur Vorsicht. Le Monde und der Corriere della Sera reflektieren die Sorge, dass ein Flächenbrand im Nahen Osten die ohnehin fragile Stabilität in Europa untergraben könnte, insbesondere da Iran bereits massiv durch die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung und die Unterstützung Russlands (unter anderem mit Drohnen gegen Kyjiw) diskreditiert ist.
Strategischer Ausblick: Das Ende der Schattenkriege
Strategisch gesehen befinden wir uns am Ende der Ära der Schattenkriege. Was jahrelang durch Stellvertreter wie die Hisbollah oder die Huthi-Rebellen ausgetragen wurde, ist nun ein direkter, konventioneller Schlagabtausch zwischen den Großmächten der Region geworden. Die USA haben laut Military Times die größte Armada seit der Irak-Invasion 2003 im Persischen Golf zusammengezogen. Mit zwei Flugzeugträgern, der USS Abraham Lincoln und der USS Gerald R. Ford, ist die Botschaft klar: Abschreckung durch schiere Masse.
Doch die Geschichte lehrt uns – und hier kommt der theologische Fatalismus ins Spiel –, dass man Kriege zwar mit Überlegenheit beginnen, aber selten mit Logik beenden kann. Wenn Teheran den „Abnutzungskrieg“ wählt, wie es die Miliz Kataib Hisbollah bereits ankündigte, könnten die USA und Israel zwar die militärische Infrastruktur zerstören, aber eine ideologisch gefestigte Macht nicht allein durch Luftschläge in die Knie zwingen. Für die Gegenwart bedeutet dies eine massive Unsicherheit an den globalen Märkten und die ständige Gefahr einer Eskalation, die auch den Libanon und Syrien vollends mitreißt. Für die Zukunft zeichnet sich ein Szenario ab, in dem entweder ein völliger Kollaps des iranischen Systems steht oder eine dauerhafte Militarisierung des Nahen Ostens, bei der Frieden nur noch als die kurze Pause zwischen zwei Raketenstarts definiert wird.
Man könnte sagen, die Menschheit hat im Jahr 2026 viel gelernt, außer vielleicht, wie man Konflikte löst, ohne dass danach jemand den Schutt wegräumen muss.
Verwendete Quellen:
- Israel: The Times of Israel, The Jerusalem Post, Haaretz, Ynet/ILTV News.
- USA: The Guardian (US Edition), The Washington Post, Associated Press (AP), Military Times.
- Deutschland: Auswärtiges Amt (Reise- und Sicherheitshinweise), Bild, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Süddeutsche Zeitung (SZ).
- Europa/International: Euronews, Al Jazeera, Le Monde (Frankreich), Corriere della Sera (Italien), El País (Spanien), Ahram Online.



Kommentar verfassen