Zwischen Epic Fury und der Stille von Kyjiw

Ein Kontinent im Griff der Giganten

​In einer Welt, die sich zunehmend wie eine schlecht geschriebene Fortsetzung der Apokalypse anfühlt, ist der heutige Samstag, der 28. Februar 2026, ein Tag, an dem die geopolitische Statik endgültig aus den Fugen geraten zu sein scheint. Während man in Europa noch über die Moral von Lieferketten philosophiert, haben die USA und Israel Tatsachen geschaffen, die selbst gestandene Theologen an der Geduld des Schöpfers zweifeln lassen. Unter dem Codenamen „Operation Epic Fury“ haben US-Streitkräfte zusammen mit der israelischen Armee, die ihre Angriffe passenderweise „Roaring Lion“ taufte, massive Schläge gegen das iranische Regime geführt. Ziel der Operation war laut dem Weißen Haus nicht weniger als die vollständige Zerschlagung der iranischen Raketenindustrie und, ganz nebenbei, ein Regimewechsel. Dass Donald Trump dabei auf die Zustimmung des Kongresses verzichtete, passt in das Bild eines Mannes, der Frieden dadurch stiften will, dass er die industrielle Basis eines Landes dem Erdboden gleichmacht. Es ist die theologische Paradoxie unserer Zeit: Der „Friedensfürst“ im Oval Office lässt Feuer regnen, um die Welt „sicher“ zu machen.

Vom Reich der Mitte ins Auge des Sturms

Mitten in diesem globalen Feuersturm versucht Deutschland, seinen Platz zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit und sicherheitspolitischer Relevanz zu finden. Bundeskanzler Friedrich Merz, der gerade erst von einem akribisch geplanten Antrittsbesuch bei Xi Jinping in Peking zurückgekehrt ist, sieht sich nun mit der unberechenbaren Dynamik seines nächsten Reiseziels konfrontiert: Washington. Während Merz in China noch die Vorzüge einer „verlässlichen Partnerschaft“ und das Potenzial für deutsches Wirtschaftswachstum pries, muss er nun gemeinsam mit Emmanuel Macron und Keir Starmer in einer Eilmeldung die iranischen Gegenangriffe auf Staaten in der Region verurteilen. Die deutsche Diplomatie wirkt hierbei fast wie ein verzweifelter Versuch, eine brennende Kerze bei Windstärke 10 zu schützen. Man verlangt nach Verhandlungen, während in Teheran die Residenz von Revolutionsführer Ali Chamenei in Trümmern liegt. Der iranische Außenminister kommentierte den Verlust einiger Kommandeure  zweckoptimistisch als „kein so großes Problem“ – eine stoische Ruhe, die man entweder als tiefen Glauben oder als vollkommenen Realitätsverlust interpretieren kann.

Kyjiw: Ein Mahnmal gegen die Stille

Während der Fokus der Weltöffentlichkeit gen Osten wandert, jährte sich vor einigen Tagen, am 24.02.2026, in der Ukraine der Beginn der großangelegten russischen Invasion zum vierten Mal. In Kyjiw ist die Stimmung eine Mischung aus Trotz und Erschöpfung. Die Stadt steht auch weiterhin unter ständigem Beschuss von Drohnen und Raketen, und dennoch betonten die EU-Spitzen Ursula von der Leyen und António Costa bei ihrem zehnten Besuch in der ukrainischen Hauptstadt, dass Europa unerschütterlich an der Seite der Verteidiger stehe. Es ist eine bittere Ironie, dass Russland und China nun eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates fordern, um über die Angriffe auf den Iran zu sprechen und die Wahrung der „territorialen Integrität“ anzumahnen. Dass Moskau seit vier Jahren die territoriale Integrität der Ukraine mit Panzern und Iskander-Raketen mit Füßen tritt, scheint in dieser moralischen Logik keine Rolle zu spielen. Die Heuchelei ist hier so dick aufgetragen, dass man sie fast physisch greifen kann.

Das Paradox der Integrität

​Es wirkt ja doch eher etwas scheinheilig, was man hier aus Russland und China hört. Denn diesen beiden Ländern geht es in der Regel nicht darum, territoriale Integrität irgendwie zu respektieren, sondern vielmehr darum, das eigene Machtgefüge zu stützen, solange es den eigenen Interessen dient. Aus ethischer Sicht stehen wir vor einem Trümmerhaufen der Werte: In der Ukraine sterben Menschen für das Recht auf Souveränität, während im Nahen Osten die Souveränität als Vorwand genutzt wird, um ein repressives System zu schützen, das selbst destabilisierend wirkt. Der trockene Humor der Geschichte zeigt sich darin, dass ausgerechnet die Mächte, die das Völkerrecht am effektivsten aushöhlen, dessen lautstärkste Verteidiger werden, sobald die Gegenseite zu drastischen Mitteln greift. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Gerechtigkeit oft nur der Name ist, den man dem Sieg der eigenen Waffen gibt. In Kyjiw wie in Teheran hoffen die Menschen derweil schlicht auf den Schutz ihres Lebens, ein Wunsch, der in den großen Strategiepapieren der Weltmächte oft nur eine Fußnote bleibt.

Verwendete Quellen:

Deutsche Medien: 1. ZEIT ONLINE

2. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)

3. Süddeutsche Zeitung (SZ)

4. WELT

5. Deutsche Welle (DW)

6. STERN

US-amerikanische Medien:

  1. ​The New York Times (NYT)
  2. ​CNN
  3. ​NBC News
  4. ​NPR
  5. ​USA Today

Ukrainische Medien:

  1. ​Zaxid.net
  2. ​NV.ua (The New Voice of Ukraine)
  3. ​Prm.ua (Priamyi TV)

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