Operation Epic Fury und bellum iustum

Zwischen notwendiger Härte und dem Risiko eines Flächenbrands

​Am Morgen des 28. Februar 2026 haben die USA unter Präsident Donald Trump gemeinsam mit Israel eine großangelegte Militäroperation gegen den Iran gestartet. Die unter dem Namen „Operation Epic Fury“ laufenden Angriffe zielen laut offiziellen Angaben darauf ab, die iranische Raketenindustrie zu zerschlagen und die Entwicklung einer Atombombe endgültig zu verhindern.

​Strategische und politische Dimension: Ein kalkulierter Vernichtungsschlag?

​Strategisch verfolgen Washington und Tel Aviv ein klares Ziel: Die operative Handlungsunfähigkeit des Mullah-Regimes. Donald Trump begründet das Vorgehen mit der jahrzehntelangen Aggression Teherans und der akuten Gefahr für die nationale Sicherheit der USA.

  • Zerschlagung der Infrastruktur: Die Angriffe konzentrieren sich auf Produktionsstätten für Drohnen, die der Iran massiv zur Unterstützung Russlands im Angriffskrieg gegen die Ukraine einsetzt. In Städten wie Kyjiw zerstören diese Waffen täglich zivile Leben.
  • Existenzsicherung Israels: Für Israel handelt es sich um einen Präventivschlag. Angesichts der iranischen Doktrin, Israel auslöschen zu wollen, sieht die Regierung in Jerusalem keine andere Möglichkeit, als die nukleare Bedrohung militärisch zu eliminieren.
  • Regimewechsel als Fernziel: Die Rhetorik von Trump, der das iranische Volk auffordert, „ihre Regierung zu übernehmen“, deutet darauf hin, dass es nicht nur um militärische Ziele geht, sondern um das Ende der theokratischen Diktatur.

​In Europa ist die Reaktion zwiegespalten. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte zwar das Selbstverteidigungsrecht Israels, warnte jedoch gleichzeitig vor einer unkontrollierten Ausweitung des Konflikts. Dennoch wird in Berliner Regierungskreisen hinter vorgehaltener Hand oft von der „Drecksarbeit“ gesprochen, die Israel hier stellvertretend für die westliche Welt leiste, um eine nukleare Aufrüstung des Irans zu verhindern.

​Der ökonomische Krieg: Das Öl-Dilemma und die Schattenflotte

​Ein entscheidender Punkt bei diesem Militärschlag ist die wirtschaftliche Basis des Irans. Trotz jahrelanger Sanktionen gelang es dem Regime bisher, enorme Summen durch den Verkauf von Erdöl einzunehmen. Dies geschieht jedoch weitgehend im Verborgenen.

  • China als Rettungsanker: Etwa 90 bis 95 % des iranischen Öls fließen nach China. Peking ignoriert die US-Sanktionen und nutzt das preiswerte Öl für sein eigenes Wachstum.
  • Die Geisterflotte: Der Iran betreibt eine sogenannte Schattenflotte (Ghost Fleet) aus über 200 veralteten Tankern. Diese Schiffe verschleiern ihre Position, fälschen Papiere und laden Fracht auf offener See von Schiff zu Schiff um.
  • Teapot-Raffinerien: In China wird das Öl oft an kleine, unabhängige Raffinerien verkauft, die keine Geschäfte im Westen haben und somit für das US-Finanzsystem nicht greifbar sind.

​Die aktuelle Militäroperation zielt nun auch darauf ab, diese finanzielle Lebensader endgültig zu kappen. Sollten zentrale Umschlagplätze wie die Insel Kharg zerstört werden, droht jedoch ein massiver Ölpreis-Schock auf dem Weltmarkt. Trump scheint dieses wirtschaftliche Risiko bewusst einzugehen, um die Handlungsfähigkeit Teherans dauerhaft zu brechen.

​Ethische Einschätzung: Das Dilemma der Gewalt

​Die ethische Bewertung dieses Konflikts ist in hohem Maße vielschichtig. Einerseits steht die Ablehnung von Gewalt als politisches Mittel, andererseits die moralische Verpflichtung, massives Unrecht zu stoppen.

  1. Schutz der Zivilbevölkerung: Das iranische Regime hat bei den jüngsten Aufständen laut Berichten bis zu 30.000 Menschen getötet. Die moralische Frage lautet hier: Darf man tatenlos zusehen, wie eine Diktatur ihr eigenes Volk abschlachtet? Befürworter der Angriffe argumentieren, dass militärische Gewalt hier zum Schutz von Menschenleben (Responsibility to Protect) eingesetzt wird.
  2. Verhinderung eines nuklearen Infernos: Ein atomar bewaffneter Iran unter einer radikal-religiösen Führung wird als globales Sicherheitsrisiko eingestuft. Ethisch wird hier das kleinere Übel (begrenzter Krieg) gegen das größere Übel (nukleare Erpressung oder Vernichtung) abgewogen.

​Die Frage des Bellum Iustum (Gerechter Krieg)

​Die klassische Lehre vom Bellum Iustum bietet einen Rahmen, um die Legitimität dieses Krieges zu prüfen. Bezogen auf die Vorgeschichte des Iran lassen sich folgende Punkte anführen:

  • Iusta Causa (Gerechter Grund): Dieser ist durch die ständigen Drohungen gegen Israel, die Unterstützung des Terrors weltweit und die brutale Unterdrückung im Inneren gegeben. Die iranische Unterstützung für den Krieg in der Ukraine liefert zudem eine völkerrechtliche Brücke für ein Eingreifen des Westens.
  • Ultima Ratio (Letztes Mittel): Kritiker sagen, die Diplomatie sei noch nicht am Ende gewesen. Befürworter entgegnen, dass jahrelange Verhandlungen dem Iran lediglich Zeit verschafft haben, seine Nuklearpläne voranzutreiben.
  • Rechte Absicht: Geht es wirklich um die Freiheit der Iraner oder um geopolitische Vorherrschaft? Die Einbeziehung des Sohnes des letzten Schahs, Reza Pahlavi, in die politische Kommunikation deutet auf den Versuch hin, eine legitime Nachfolgeordnung zu schaffen.

​Globale Perspektiven und Ausblick

​Die kommenden Tage werden zeigen, ob der Iran zu einem koordinierten Gegenschlag fähig ist. Die Angriffe auf US-Basen in Bahrain, Kuwait und Katar zeigen bereits, dass Teheran bereit ist, den Preis für die gesamte Region in die Höhe zu treiben.

​Während die USA und Israel auf eine schnelle Entscheidung setzen, fürchtet Europa eine neue Flüchtlingswelle und explodierende Energiepreise. Dennoch scheint der Konsens zu wachsen, dass ein „Weiter so“ mit dem aktuellen Regime in Teheran keine Option mehr darstellte. Es bleibt abzuwarten, ob dieser radikale Schritt tatsächlich zu einer stabileren Ordnung führt oder die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht.

​Quellenverzeichnis

  1. ZEIT ONLINE Liveblog: Angriffe auf den Iran (Stand: 28. Februar 2026, 11:01 Uhr).
  2. Reuters / AP: Statements von Donald Trump und Benjamin Netanyahu zur „Operation Epic Fury“.
  3. Human Rights Watch / NetBlocks: Berichte über Opferzahlen im Iran und Internet-Blackouts (Januar/Februar 2026).
  4. Energy Intelligence: Berichte über die iranische Schattenflotte und Ölexporte nach China.
  5. ZDF heute live: Interview mit Bundeskanzler Friedrich Merz zum Selbstverteidigungsrecht Israels.
  6. Tagesspiegel: Berichte über Einschläge in Bahrain und Katar.

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