
Es brodelt mal wieder gewaltig hinter den Kulissen des Weißen Hauses. US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj trafen sich, und Berichten zufolge flogen ordentlich die Fetzen. Es soll lautstarker Streit stattgefunden haben, Trump habe geflucht und angeblich sogar die Abtretung des gesamten Donbass gefordert – eine Idee, die verdächtig nach den Wünschen klingt, die Wladimir Putin ihm wohl kurz zuvor am Telefon eingeflüstert hat. Trump dementiert das natürlich. Öffentlich ruft er jetzt lieber zu einem Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinien auf. Das Töten müsse aufhören.
Fangen wir mal positiv an: Der Drang, das Blutvergießen zu beenden, ist ja erst einmal ein lobenswertes Ziel. Wer will schon Krieg? Trump sieht sich als der große „Dealmaker“, derjenige, der einfach ins Zimmer kommt und sagt: „Geht nach Hause, stellt die Kämpfe ein, stoppt das Töten.“ Das klingt wunderbar simpel. Fast zu simpel für einen Krieg, bei dem es um die nationale Existenz der Ukraine geht.
Und genau hier fangen die Schwierigkeiten an. Es scheint, als habe Trump zwar den Willen, aber nicht die passenden Werkzeuge – oder er benutzt sie falsch.
Erstens kann man Frieden nicht herbeischreien. Berichte, wonach Trump Selenskyj angeschrien und ihm quasi die Pistole auf die Brust gesetzt hat, sind, gelinde gesagt, keine gute Verhandlungsbasis. Die ukrainische Delegation war Berichten zufolge „ziemlich übel“ enttäuscht. Statt der erhofften Tomahawk-Marschflugkörper gab es wohl widersprüchliche „Sicherheitsgarantien“ für beide Seiten und eine klare Abfuhr bei wichtigen Waffenlieferungen. So gewinnt man keinen Verbündeten für einen schmerzhaften Kompromiss.
Zweitens scheint das Problem tiefer zu liegen. Wenn Berichte stimmen, dass Trump Landkarten der Ukraine beiseite fegte mit den Worten: „Diese rote Linie, ich weiß noch nicht einmal, wo das ist. Ich war noch nie dort“, dann zeigt das eine erschreckende Oberflächlichkeit. Man kann keinen Friedensvertrag für eine Region aushandeln, deren Geografie man offenbar nicht einmal kennt oder die einen schlicht nicht interessiert.
Drittens, und das ist vielleicht das größte Hindernis: Trump wirkt nicht wie ein neutraler Vermittler. Laut den Berichten soll er Putins Argumente fast wortwörtlich übernommen haben. Es ist die Rede davon, er habe von einer „Spezialoperation“ gesprochen – das ist die Sprache des Kremls. Wenn er Selenskyj dann noch erzählt, Russlands Wirtschaft gehe es „großartig“ (eine klare Kehrtwende zu seinen früheren Aussagen), wirkt er weniger wie ein Makler als wie ein Sprecher der Gegenseite.
Trumps öffentlicher Vorschlag – ein Waffenstillstand an der aktuellen Front – klingt zwar nach „Einfrieren“ des Konflikts, ist aber de facto eine Belohnung für den Aggressor. Russland behielte die Gebiete, die es militärisch hält. Für die Ukraine ist das unannehmbar. Selenskyj hat das nach dem Treffen in seiner Videoansprache klargemacht: „Die Ukraine werde dem Aggressor nichts geben.“
Trumps Wunsch nach Frieden mag aufrichtig sein – oder auch nur der Wunsch nach einem schnellen „Win“ für seine Bilanz. Doch die Art, wie er es versucht, scheint zum Scheitern verurteilt. Er brüskiert den Verbündeten, dem er helfen will, ignoriert die Fakten vor Ort und argumentiert wie der Aggressor. Das Blutvergießen zu stoppen ist ein wichtiges Ziel. Aber die Möglichkeiten, die Trump dafür wählt, sehen eher wie ein Weg zur Kapitulation der Ukraine aus – und das ist kein Frieden.
Quelle: DIE ZEIT, Reuters, htg, mp (Aktualisiert am 20. Oktober 2025)



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