
Da sage noch einer, internationale Politik sei langweilig. Derzeit erleben wir einen Schlagabtausch, der mehr an einen Schulhofstreit erinnert als an Diplomatie auf höchster Ebene – wären da nicht Atom-U-Boote im Spiel. US-Präsident Donald Trump und Dmitri Medwedew, Putins treuester Vasall und verbaler Scharfrichter, liefern sich auf Social Media eine Fehde, die es in sich hat. Der Anlass? Trumps Plan, saftige Zölle zu erheben, die auch Russland empfindlich treffen würden. Medwedew poltert, droht und beleidigt Trump als „Opa“. Trump, ganz der Showman, lässt sich nicht lumpen, kontert mit scharfen Worten und der demonstrativen Verlegung von zwei Atom-U-Booten in „geeignete Regionen“ – also näher an Russland. Ein Schauspiel, das bei oberflächlicher Betrachtung wie das gefährliche Geplänkel zweier impulsiver Egomanen wirkt. Doch blickt man genauer hin, offenbart sich dahinter ein kalkulierter und potenziell vernichtender Schachzug gegen Wladimir Putin.
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Machen wir uns nichts vor: Die USA sind die größte Wirtschafts- und Militärmacht der Welt. Wenn Washington beschließt, seine Zollpolitik zu ändern, dann tut es das. Punkt. Ob das einem Land wie Russland gefällt oder nicht, ist dabei herzlich irrelevant. Die Vorstellung, dass der Kreml, dessen Bruttoinlandsprodukt kaum das von Italien übersteigt, den USA in wirtschaftlichen Fragen Vorschriften machen könnte, ist schlichtweg absurd. Medwedews hilfloses Wutgeheul ist nichts weiter als das Eingeständnis der eigenen Ohnmacht. Er kann drohen und schimpfen, so viel er will – an der ökonomischen Realität ändert das nichts. Die USA halten die Fäden in der Hand, und Trump scheint nun gewillt, daran zu ziehen.
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Warum also die ganze Aufregung im Kreml? Warum reagiert Medwedew so hysterisch auf eine Zoll-Ankündigung? Ganz einfach: Weil Trumps Plan direkt ins Schwarze trifft. Russland finanziert seinen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine aus den Einnahmen seiner Rohstoffexporte und einer auf Hochtouren laufenden Kriegswirtschaft. Diese finanzielle Lebensader ist jedoch fragil. Harte, umfassende Zölle, wie Trump sie nun ins Spiel bringt – und das nicht nur gegen Russland, sondern auch gegen Handelspartner wie Indien, die Russland noch unterstützen –, würden die Einnahmequellen des Kremls drastisch versiegen lassen. Die Reaktion Medwedews ist somit der beste Beweis dafür, wie effektiv diese Maßnahme wäre. Es ist die Angst vor dem finanziellen Kollaps, die ihn zu solch undiplomatischen Ausbrüchen treibt.
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Für Wladimir Putin persönlich wird die Lage damit extrem ungemütlich. Er hat das gesamte Land auf eine Kriegswirtschaft umgestellt. Die gesamte russische Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sind auf den Konflikt ausgerichtet. Was aber passiert, wenn das Geld für diesen Krieg plötzlich ausgeht? Die Produktion von Panzern und Raketen lässt sich nicht mit Patriotismus bezahlen. Ohne den ständigen Kriegszustand, ohne den äußeren Feind und die damit verbundene Repression nach innen, bröckelt Putins Machtfundament. Er hat sich in eine Ecke manövriert, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Ein Ende des Krieges aus Geldmangel wäre eine beispiellose Demütigung und würde seine Position als starker Mann, der alles im Griff hat, pulverisieren. Die Eliten und die Bevölkerung könnten anfangen, unangenehme Fragen zu stellen. Ein Szenario, das für Putin lebensgefährlich werden könnte. Trumps Zollhammer zielt also nicht nur auf die russische Wirtschaft, sondern direkt auf das persönliche Machtzentrum von Wladimir Putin.
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Lange Zeit schien es, als hätte Putin den ehemaligen US-Präsidenten fest im Griff, ihn instrumentalisiert und international vorgeführt. Doch die Zeiten haben sich offenbar geändert. Trump, der sich in seiner Ehre als „Opa“ gekränkt sieht und die ständigen öffentlichen Provokationen leid ist, scheint erkannt zu haben, dass Putin ihn monatelang an der Nase herumgeführt hat. Sein jetziger Vorstoß ist daher nicht nur ein wirtschaftspolitisches Manöver, sondern auch eine persönliche Abrechnung. Er dreht den Spieß um und nutzt die größte Stärke der USA – ihre Wirtschaftsmacht –, um Putins größte Schwäche auszunutzen: seine völlige Abhängigkeit von einer funktionierenden Kriegsmaschinerie. Es ist ein aus strategischer Sicht brillanter Zug, der zeigt, dass Trump, wenn es darauf ankommt, die Sprache der Macht fließend spricht.



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