
An einem regnerischen Dienstagmorgen, gerade so grau und trüb, dass die Menschen schon wieder sehnsüchtig auf die nächste Wolkendecke starrten, fand Herr Samsa sich im örtlichen Einkaufszentrum wieder. Er war in tiefgründigen Gedanken versunken, während er eine Rolltreppe betrat, die er fälschlicherweise für den Weg zur Oberbekleidungsabteilung hielt.
Er hatte nicht bemerkt, dass sich die gewöhnlichen Rolltreppenstufen in bunte, schimmernde Farbbänder verwandelt hatten. Noch weniger bemerkte er, dass sich die Rolltreppe – oder das, was er dafür hielt – in die Höhe bewegte, immer weiter und weiter, weit über die Glasdecke des Einkaufszentrums hinaus.
Nach einigen Minuten kam ihm jedoch die anhaltende Steigung der Treppe merkwürdig vor. Schließlich befand er sich hoch über den Dächern der Stadt, schwebend auf einem Regenbogen, der in der klaren Luft glitzerte. Verwirrt blickte er nach unten und erkannte, dass er sich nicht auf einer Rolltreppe, sondern auf einem Regenbogen befand, der ihn in ungeahnte Höhen hinauf trug.
Herr Samsa war schockiert und fasziniert zugleich. Seine Beine fühlten sich seltsam leicht an und er musste zugeben, dass die Aussicht atemberaubend war. Aber in seiner typisch deutschen Manier konnte er sich nicht ganz von seinen Sorgen und Ängsten lösen.
Er machte sich Gedanken darüber, was die Leute wohl denken würden, wenn sie ihn so hoch oben am Himmel sehen. Könnten sie ihn überhaupt erkennen? Und wenn ja, würden sie sich fragen, warum dieser seltsame Mann den Regenbogen hinaufsteigt, anstatt seinen Einkauf fortzusetzen?
Darüber hinaus machte er sich Sorgen um mögliche Konsequenzen mit der Flugsicherung. Hatte er jetzt etwa eine Fluglizenz gebraucht? Würden sie ihm ein Bußgeld aufbrummen? Wäre es überhaupt legal, einen Regenbogen als Transportmittel zu nutzen?
Plötzlich hörte er ein lautes Rauschen und sah ein Flugzeug, das sich ihm mit hoher Geschwindigkeit näherte. Panisch versuchte er sich zu ducken, aber der Regenbogen bot keine Möglichkeit, auszuweichen. In letzter Sekunde bemerkte der Pilot ihn und änderte die Flugroute, um eine Kollision zu vermeiden.
Mit rotem Gesicht und zitternden Knien stieg Herr Samsa weiter aufwärts. Während er so dahinschritt, bemerkte er, dass die Leute am Boden tatsächlich auf ihn zeigten und Fotos machten. Er wusste, dass er nach seiner Rückkehr einige Erklärungen abgeben musste, aber zumindest würde er eine unglaubliche Geschichte zu erzählen haben.
Schließlich erreichte er das Ende des Regenbogens und stellte fest, dass es nicht zu einem Topf voll Gold führte, sondern direkt zur Herrenoberbekleidungsabteilung des Einkaufszentrums. Seine Erleichterung war enorm, und mit wackligen Beinen stieg er vom schimmernden Regenbogen auf den festen Boden der Tatsachen.
Als er einen Blick zurückwarf, war der Regenbogen verschwunden, als hätte er nie existiert. Aber Herr Samsa wusste, was er erlebt hatte, auch wenn es niemand glauben würde. Er hatte die Oberbekleidungsabteilung erreicht, und das auf eine Weise, die er nie vergessen würde.
In der folgenden Woche musste er tatsächlich eine Stellungnahme bei der Flugsicherung abgeben und erlebte einige unangenehme Momente mit neugierigen Nachbarn und sensationssüchtigen Journalisten. Aber letztlich fand er die ganze Erfahrung auf eine merkwürdige Weise bereichernd. Sie hatte ihm gezeigt, dass das Leben immer noch Überraschungen parat hält, selbst wenn man gerade dabei ist, einen neuen Anzug zu kaufen.
Herr Samsa war noch nie ein Mann gewesen, der die Dinge auf die leichte Schulter nahm. Aber diese Erfahrung hatte ihm beigebracht, dass manchmal auch die unmöglichsten Dinge wahr sein können. Und so, wenn er jetzt in das Einkaufszentrum ging, schaute er immer noch mit einem leisen Lächeln auf die Rolltreppe, erinnerte sich an seinen Ritt auf dem Regenbogen und fragte sich, was das Leben als nächstes für ihn bereithalten könnte.



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