von Guitator. Nun ist es wieder soweit. Die Faschingszeit neigt sich dem Ende: Vielerorts wird heute ausgelassen der Rosenmontag gefeiert und langsam aber sicher nähern wir uns Aschermittwoch, womit dann die vierzigtägige Fastenzeit bis Ostern beginnt. Doch leider wissen immer weniger Leute, die so ausgelassen an den täglichen Umzügen und Feierlichkeiten teilnehmen, um den Ursprung dieser Tradition.
Dass sich die Fastenzeit nahtlos auf Fasching folgt, ist kein historischer Zufall, sondern der Übergang von „Feiern“ hin zu einer Zeit der Demut, Vorbereitung und des Gedenkens an das Osterereignis bis hin zur Wiederkunft Christi. Zum einem geht es beim Fasten um Identifikation mit dem leidenden Christus. Doch die theologische und anthropologische Tragweite umfasstvor allem zwei essentielle Punkte unseres christlichen Glaubens.
Im Evangelium nach Markus 2,18-22 wird dieser Sachverhalt sehr deutlich auf den Punkt gebracht.
Jesus wird gefragt, warum seine Jünger nicht fasten, während die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasten. Jesus antwortet darauf, dass man nicht fasten könne, solange er – der Bräutigam –anwesend sei. Er fügt jedoch hinzu, dass Tage kommen werden, an dem er uns weggenommen wird: dann hätten wir Anlass zum Fasten. Mit der Botschaft im Evangelium ist klar, dass Jesus uns zwar am Kreuz genommen wurde und zum Vater aufstieg, er jedoch wiederkommen wird.
Kurzum: In der Fastenzeit sollen wir vertiefen, dass uns Jesus Christus, der Bräutigam, am Kreuz genommen wurde und zum Vater aufstieg. Solange fasten wir, d.h. bereiten uns im Glauben darauf vor,dass er wieder kommt und wir uns freuen dürfen. Denndann ist die Zeit des Fastens vorbei und wir werden an den reich gedeckten Tisch mit unserem Herrn Hochzeitsmahl feiern. Fasten ist also immer ein Ausdruck dessen, dass wir uns in einer Zeit befinden, in der der irdische Jesus nicht anwesend ist, aber wiederkommen wird. Nach unseren vierzig Tagen des Fastens wird dieses Wiederkommen an Ostern in der Auferstehung widergespiegelt, denn der Herr wurde uns zwar genommen, abersiegte und lebt weiter. Natürlich gehört auch besonders der Advent zu dieser Zeit der Erwartung der Wiederkunft. Die beiden Feste gehören natürlich unabdingbar zueinander, denn man kann weder Weihnachten ohne Ostern verstehen, noch kann man Ostern ohne Weihnachten richtig einordnen.
Doch was soll und kann man fasten? Da es Jesus stets um das Wohl der Menschen und nicht um ein penibles Befolgen von Riten ging, ist davon abzuraten, sich für das Fasten von Dingen zu entscheiden, die einem körperlichen und geistigen Schaden zufügen. Vielmehr sollen wir auf unsere Überflüsse schauen, die uns am geistlichen Leben und dem lebendigen Glauben an Jesus Christus behindern bzw. ablenken. RichtigesFasten trägt zur Wertschätzung scheinbar alltäglicher und selbstverständlicher Dinge bei. Richtiges Fasten hilft uns zu erkennen, was überflüssig ist, was wirklich zählt und vor allem hilft es, sich mit dem in der Wüste fastenden Jesus Christus und seinem Leidensweg, mit Blick auf Ostern, zu identifizieren, ihn zu erfahren, ja wieder neu im Glauben aufzuerstehen.Somit wird klar, dass das Fasten kein von Gott auferlegten Ritus ist, der wie ein Despot uns sinnlose Gesetze auferlegt, um deutlich zu machen, dass wir zu gehorchen haben. Nein! Das Fasten im christlichen Verständnis hat eine anthropologische Dimension: Die Fastenzeit ist für uns da und nicht wir für die Fastenzeit. Sie ist Geschenk Gottes an uns, um Erkenntnis zu gewinnen und wir schenken uns dabei Gott, indem wir an diesem Prozess als Menschen teilnehmen. Die Vorbereitung für Ostern geschieht nicht über unsere Köpfe hinweg, sondern mit uns.
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Bild:Berwis,pixelio.de



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