
(Hiob 2,11-13 nach der Einheitsübersetzung)
Der erste Auftritt der Freunde Hiobs ist ein bewegendes Zeugnis des Mitleids. Man denkt ja immer schnell schlecht über die “vier selbsternannten Weisen”, aber zuerst einmal haben sich sehr menschlich verhalten.
Angesichts des Leids sind Menschen immer schnell mit Plattheiten dabei. Ich bin Buchhändler, ich muss das wissen denn ich habe in meinem Leben hunderte ultraplatter Beileidspostkarten verkauft… Im Grunde ist das der Hauptgrund, warum ich Hiob dieses mal durchstudiere, ich will einige der Flachheiten mit denen nicht zuletzt die Erkenntnis der Wahrheit Gottes aufgehalten wird, entlarven. – Doch das muss warten, denn zunächst verhalten sie sich vorbildlich: Sie schweigen Angesichts des Leides, setzen sich zu Hiob und bleiben eine ganze Woche da sitzen; unfähig etwas zu sagen, bleiben sie einfach bei ihm und helfen ihm durch ihre Gegenwart.
Das ist eine Haltung des Mit-Leidens, die uns charismatisch geprägten Christen leider oft fehlt. Vielfach gehen wir eher lieblos mit kranken oder leidenden Geschwistern um: Ein schnelles Gebet (”und: wirkt es schon?”), eine Phrase (”schau auf den Herrn!”) und damit hat sich die Sache für uns oft schon erledigt. Es fällt leichter für jemanden zu beten oder ihn zu beraten, als mit ihm auf dem Boden zu sitzen und ihm zuzusehen, wie er leidet. Dummerweise verlangt Liebe oft, dass wir füreinander da sind und nicht nur füreinander beten oder einander zu predigen… Wenn Glaube durch Liebe erst wirksam gemacht wird (Galater 5,6), dann fehlt zu dem übernatürlichen Wirken, das wir uns wünschen, vielleicht nur noch Bereitschaft aus Liebe mit den Leidenden zu sitzen statt sie mit Floskeln und schnellen Gebeten abzuspeisen.
Ich hatte vor Jahren mal einen Eindruck, der mir sehr lebendig im Gedächtnis geblieben ist: In einem Raum lag ein Kranker. Es war kein detailierter Eindruck, eher einer von diesen Träumen in denen man weiss, dass jemand krank ist. Das Zimmer, in dem er lag war weiss und kahl: Ein Bett, ein Schrank, ein Nachttisch. Nebenan war die Gemeinde und hat gebetet. Durchaus inbrünstig, nicht ohne Glauben. Dennoch ist der Kranke gestorben – ohne dass einer aus der betenden Menge bei ihm gewesen wäre.
Am Glauben hat es in dem Bild nicht gemangelt, aber an Liebe und der Bereitschaft mit dem Kranken nebenan zu reden, zu beten und bei ihm zu sein. Sicher wäre er glücklicher gestorben wenn nicht alle so intensiv mit beten beschäftigt gewesen wären.
Mich berührt das Bild immer noch und natürlich schreibe ich mit zehn Fingern – ich habe keinen Zeigfinger frei um ihn moralisch zu erheben. Aber ist das nicht oft der Zustand unserer Gemeinden, dass wir im einen Raum sind und beten, während die Welt in einem anderen Zimmer liegt und uns vermisst?
Bild: © Günter Havlena | pixelio.de



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