Überall um uns herum gibt es stille HELDEN. Einen solchen Helden möchte ich heute ehren. Einen Mann, der mit größter Selbstverständlichkeit, viel Gutes in seinem Leben getan hat. Er ist heute über achtzig Jahre alt. Vor kurzem ist seine Frau „Meta“ gestorben, die er vorher mit größtem Einsatz gepflegt hat. Ich habe diesen Mann vor zwanzig Jahren kennen gelernt. Obwohl er viel mehr Lebenserfahrung als ich hatte, hat er mich mit Selbstverständlichkeit mit in sein Leben genommen und mir daraus erzählt.
Nach dem Tod seiner Frau ist es ruhiger um ihn geworden. Deshalb möchte ich ihm heute diese Anerkennung für sein Lebenswerk zukommen lassen. Lassen Sie uns diesen Helden in der folgenden Geschichte „Rudolph“ nennen.
Keiner hätte gedacht, was für Wendungen in Rudolphs Leben kommen würden und welcher Segen auf seinem Leben liegen sollte. Er war Soldat im zweiten Weltkrieg und kam dann im Ruhrgebiet durch die Engländer in Kriegsgefangenschaft: Wochenlanges Leben auf einer offenen Wiese im Vorfrühling, demoralisiert in der Kälte, im Schmutz ohne Essen und sanitäre Anlagen. Als dann Essen kam starben viele Mitgefangene, weil sie zuviel auf einmal gegessen hatten. Die Verlegung nach Frankreich und die harte Straffarbeit in einem Kohlebergwerk waren ein großer Fortschritt für ihn. Dann wurde er in ein Kriegsgefangenenlager nach Russland gebracht. Tagsüber gab es harte Arbeit, nachts stundenlange und willkürliche Verhöre durch den KGB, zwischendurch wenig zu essen. Mit Zwiebelgemüse blieb er gesund. Übrigens ein Grund warum er in späteren Jahren sagte, dass er genügend solche Sachen gegessen habe und ihm jetzt der Sinn vor allem auf Süsses steht. Im Gegensatz zu seiner herzensguten Frau, die Salzgurken, Bortsch und alle Wurstsorten dieser Welt liebte. (Jedes Mal sagte sie: Wenn du mich das nächste Mal siehst, werde ich dünn wie eine Nadel im Heuhaufen sein 🙂
Vielleicht war es diese Süsse, die ihn zu einem sanften, liebevollen Mann machte. Jemanden, der sich nicht um Bitterkeit und Groll dreht. Erst Mitte der siebziger Jahre konnte Rudoplh dann mit seiner Familie, die er inzwischen gegründet hatte, nach Deutschland zurückkehren. Dort warteten viele Herausforderungen auf ihn. Den deutschen Führerschein mit fast 40 Jahren machen, Arbeit finden, die ganzen Behördengeschichten, ein Haus bauen.
Diese Erfahrungen halfen ihm, dem beständigen Strom an anderen Spätrückkehrern mit ähnlichen Problemen bis heute zu helfen. Mit großer Selbstverständlichkeit half (und hilft) er in seiner Umgebung. Nicht jeder zahlte es ihm mit Dank heim. Aber er ließ sich nicht beirren. Rudolph half weiter mit Papieren, mit seinem handwerklichen Geschick, mit Rat und vielem mehr. Er besuchte Kranke im Krankenhaus, Alte im Seniorenheim und wusste auch Hilfe bei Problemen mit den Kindern. Noch mit über siebzig Jahren half er einer jungen Familie ein großes Haus zu renovieren. Was wäre wohl die Jobbeschreibung für seine „ehrenamtliche Arbeit“? Halbtagssozialarbeiter, Kranken- und Altenpfleger, Community Manager, Seelsorger, Kinderpfleger, Handwerker?
Sicherlich hat Rudolph als Praktiker niemals über all diese Kategorien und Namen nachgedacht. Er ist bis heute fit geblieben. Wahrscheinlich ist das ein Lohn für sein stetes Wirken. Er ist auch nie einsam gewesen, sondern hatte immer einen großen Familien- und Bekanntenkreis um sich herum gehabt. Jeder konnte in sein Haus kommen und es gab auch immer etwas zum Essen oder Probieren. Und es wurde viel gelacht und erzählt in diesem Haus. Nun ist es ruhiger um Rudolph geworden. Doch auch jetzt halten Menschen ihm die Treue, bringen ihm sein Mittagessen, besuchen ihn oder rufen einfach mal zwischendurch an.
Seit dem Tod seiner Frau hat sich vieles geändert. Nur sonntags ist er als gläubiger Christ immer noch treu und regelmäßig im Gottesdienst seiner evangelischen Kirchengemeinde und wenn er es schafft, geht er weiterhin in seinen Hauskreis, den er seit vielen Jahren besucht.
Ich ziehe meinen Hut vor diesem Mann. Danke für das Vorbild! Auch seine Frau war eine wiedergeborene Christin. Rudolph wird seine Meta einmal also im Himmel wiedersehen.
Günther, www.inunsererstrasse.de
Lesen Sie mehr: Perle und Schatz – Finden und gefunden werden
Bild: Werner, pixelio.de



Kommentar verfassen