Als Christen identifizierbar leben?

Salz der Erde. Wie oft habe ich das gehört. Kann ich es noch hören? Und wenn nein: könnte es vielleicht daran liegen, dass ich mir eingestehen müsste in Wirklichkeit doch kraftlos zu sein, eher die Made im Speck anstatt das Salz in der Suppe?Wo ist denn der gesellschaftliche Einfluss der Christen? Macht es wirklich etwas aus, dass es uns gibt?

Ja. Da ist einerseits unser „Erbe“. Diakonie-Krankenhäuser, kirchliche Kindergärten, etc.
Und gerade auch bei bio-ethischen Themen haben sich diverse Christen immer wieder lautstark zu Wort gemeldet, auch wenn man über die Methoden im Einzelnen manchmal unterschiedlicher Ansicht sein kann.

Und ich selbst? Mache ich einen Unterschied in meiner Umwelt? In wie weit unterscheide ich mich von anderen aufgrund meines Glaubens?

Ich glaube, allzuoft gibt es Ersatzverhalten. John Ortberg schreibt dazu:

„Wenn wir uns nicht von innen nach außen verändern, sind wir der Versuchung ausgesetzt, uns äußerliche Methoden zu suchen, mit denen wir unser Bedürfnis befriedigen können, uns anders als die Menschen zu fühlen, die unseren Glauben nicht teilen.“

Wie oft habe ich die „Identity marker“ von Juden oder Moslems bewundert. Aus ihrem religiösem Bewusstsein heraus verhalten sie sich in manchen Dingen augenfällig anders. Sie fallen auf wegen ihres Glaubens.

Irgendwann kam ich auf den Trip, ich bräuchte das auch. Nach gut katholischer Sitte wollte ich ab sofort am Freitag kein Fleisch mehr essen (und das obwohl Fleisch mein Gemüse ist). Naja, man kann sich ja ausrechnen, wie lange ich das durchgehalten hab….
Und warum? Weil es nur ein äußerliches Ersatzverhalten war ohne eine innere Haltung dazu. Es bedeutet mir in meinem Glauben nichts. Die emotionale Bedeutung war höher als die theologische. Und dieses Gefühl ist verpufft.

Gebote und Gehorsam gehören zwar zum Glauben dazu, aber doch sind Christen darüber nicht als solche identifizierbar. Und nun ist interessant, was Jesus sagte, als er nach dem wichtigsten Gebot gefragt wurde.

Lieben hoch 3: Gott, Dich selbst, Deinen Mitmenschen.

Und da fällt mir mindestens ein Beispiel ein, wie Christen doch durch ihre Liebe auffällig wurden: Die ersten Christen in der Kampfarena. Die wilden Tiere wurden auf sie losgelassen. Und wenn einer angefallen wurde, halfen sie sich gegenseitig. Ein Römer soll dann gesagt haben:

„Seht nur, wie lieb sie sich haben.“

Genau das hat Jesus auch gesagt:

„Daran wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr jeden Freitag Fisch esst euch liebt untereinander.“

Joh 13,35
> Originalbeitrag im Blog des Autors
Foto: M. Ahrendts | pixelio.de

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Kommentare

11 Kommentare zu „Als Christen identifizierbar leben?“

  1. Hmm – Salz der Erde. Ich glaube das kann man auch praktischer sehen. Ein Kollege wollte mich überreden etwas „Schmu“ mit Amazonpartnerseiten zu treiben.

    Ich lehnte ab. Er konnte nicht begreifen, wieso ich hier „Gewissensbisse“ habe. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es Sünde sei, wenn man betrügt – ganz egal wie klein der Gewinn dabei ist.

    Aber ehrlich: das Wort das mir als aller erstes auf der Zunge lag war: Weil ich das Salz der Erde bin!

    Ich hab es nicht gesagt – ich denke er hätte es nicht verstanden oder mir für arrogant gehalten.

  2. Guter Beitrag!
    „Salz der Erde“ ist außerdem ein Fachterminus. Das versteht man außerhalb christlicher Kreise nicht unbedingt.

    Und klar kann es praktischer aussehen! Doch ich glaube, dass das erst die Folgen der Liebe (zu Gott, Menschen und mir). Wenn die Gottesliebe „stimmt“, tue ich Ihm zuliebe nichts, was Ihm nicht gefällt.
    Deshalb glaube ich, müssen wir uns mehr mit der Liebe beschäftigen, und die Konkretionen kommen dann vielleicht von selbst.

  3. […] der theolounge habe ich einen interessanten Artikel von achti gelesen, der sich mit der Frage beschäftigte, wie man als Christ identifizierbar sein soll und […]

  4. hallo zusammen,
    ich habe – je älter, je mehr – immer wieder schwiergkeiten, richtiges salz (oder licht) zu sein. mann o mann, dieser druck, diese forderungen, diese erwartungshaltung, dass es immer besser und doller wird mit unserem christsein… – und die praxis? ihr mögt ja schon ein stück entrückt sein, aber mein alltag zeigt mir jede menge versagen. und kraftlosigkeit, die suppe der welt zu würzen.
    nein, keine bange, ich wandere nicht in eine ent-weltlichte zone aus und werde auch nicht von der brücke springen.
    aber was ich zunehmend lerne ist dies: nicht wir können (bei aller anstrengung) uns, geschweige denn die welt um uns herum, ändern, sondern nur „christus in uns“. wenn er in uns wohnt und auch das sagen hat, dann hat das auswirkungen auf alles rundherum.
    da taucht doch tatsächlich die nächste frage auf: wie kann jesus besser in uns wohnen bzw. zum zuge kommen. naja, darauf gibt es antworten: kontakt mit ihm, beten, bibel lesen, meditieren, in die stille gehen usw.
    und dann haben wir durch die kausalkette (gemeinschaft mit jesus – wachstum des glaubens – sichtbarwerden von christus in uns) tatsächlich tolle möglichkeiten, als salz zu fungieren.
    und das kann dann auf 1000 gebieten sein, auf denen wir uns unterscheiden, dinge nicht so mitzumachen wie andere, weil wir durch christus andere massstäbe haben…

  5. Solche „geistliche Übungen“ sind gut, wenn sie uns dabei helfen, Gott, uns selbst und die Menschen besser lieben zu können.
    Wenn sie es nicht tun, können sie uns unnötig lähmen.

    So wichtig ich persönlich auch „geistliche Übungen“ halte,
    a) wird Gott uns danach nicht beurteilen. Sie sind auch kein Indikator für Geistlichkeit.
    b) letztendlich muss Gott selbst uns diese Liebe ins Herz schenken. Machen können wir das nicht.

  6. @andy55

    Ich denke auch, dass Gott irgendwo auch selbst den Glauben schenkt. Wenn wir an Gott und Jesus glauben können, ist das nicht nur unser eigenes Verdienst, sondern auch ein Geschenk.

    In die Stille gehen etc… denke auch, dass das sehr hilfreich ist, damit man in dieser lauten Welt die Stimme Gottes vernehmen kann. Immer mal wieder eine kleine Rast von der Hetze dieser Welt machen und schauen, wo man eigentlich gerade selber steht.

    Ach, ich denke übrigens schon, dass wir der Welt etwas von unserem Glauben mitteilen…allein schon über unsere Artikel hier.
    Gedanken sind der Anfang aller Veränderung…und ich glaub, wir kommunizieren hier ganz hilfreiche Gedanken für andere Menschen….

    Schönes Wochenende 😉

  7. Hallo zusammen,

    da ich – wie unter http://www.thoelogie-der-vernunft.de, aktuell „Auf-verstehung“ nachzulsen – das Christentum für eine Höherführung des griechischen Monismus halte, wodurch der jüdische Monothesimsu neu begründet wurde, den Papst als Zeugen sehe, dass der christliche Glaube eine reale Grundlage in „schöpferischer Vernunft“ hat, frage ich mich natürlich, ob das was hier unter „Theologie“ im Namen Christus geschieht, worauf man sich bezieht…

    das Salz der Erde ist.
    Oder doch nur das Sandmännchen?

    Entschuldigung, aber ich bin gewiss, der chrislichter Glaube ist mehr als warme Wort, Ermahmung oder der vergebliche Versuche gottgerecht – was immer das dann auch ist – zu leben.

    Viele Grüße vom Paradigma der
    schöpferischen Vernunft

  8. Ich glaube auch, dass der christliche Glaube mehr ist warme Worte etc..
    Gerhard, was würdest DU denn sagen, worin dieses „Mehr“ besteht?

  9. Allein im neuen Vorspann zu „Auf-verstehung“ oder auch im Anschreiben an den Papst, zu finden unter http://www.theologie-der-vernunft.de sollte deutlich werden, worin ich das Wesen des christlichen Glaubens sehe, mich dabei auf die wissenschaftliche Auswertung von Papst Benedikt XVI. berufe.

  10. Diskutiert man mit Atheisten, gibt es schnelle und klare Abgrenzungen: Wenn Du nicht an Gott+ Jesus+ Himmel+ Hölle+ Bibel-als-direktes-Wort-Gottes glaubst, bist Du kein Christ. Das sit diese ehr technisch-rationale Sicht der Dinge.

    Wie wär’s denn mit einer praktischen, aber wenig sichtbaren Sache? Mit täglichen, vielleicht sogar unaufhörlichen Gedanken an Gott und seines Sohn Jesus, die dann auch wirksam werden, am besten in der Liebe zu meiner Umgebung, zu Freunden, Bekannten, Familie, Gemeinde…?

    Je länger ich auf der Suche bin, desto mehr entdecke ich das Gebet. Und ich merke, es tut meiner Umgebung gut, weil das innerliche Gebet doch immer mehr (gute) Folgen noch aussen zeigt! Und weil das gemeinsame Lobpreisen und Beten im Gebetskreis zusätzliche Kraft gibt!

    Es bleibt dann gar nicht aus, dass man von Zeit zu Zeit (hoffentlich immer öfter!) von anderen als ein Körnchen Salz dieser Erde erlebt wird.

    Betet, Freunde, betet! Und es wird euch geschenkt werden…

  11. Als Christ solltest Du nicht über Gott selbst nachdenken, sondern nur im Sohn den Vater verstehen.

    Und da der Sohn identisch mit den natürlichen Prinzipien allen Werdens ist, der Logik den aufgeklärten Weltbildes (auch wenn das in Materialismus abgedrängt wurde) bringt das Beten an alte Götzenbilder nicht weiter.

    Nein, im Gegenteil: So wird nur Opium für ewig Gestrige gesehen.

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