Mutterglück mit 64 Jahren

oma-baumeister-ing-engelbert-hosner.jpgGrund zur Freude, oder Grund für eine Ethikdebatte ? Eine 64 – Jährige hat durch künstliche Befruchtung ein Kind zur Welt gebracht. Wie schön. Wie schön für die Mutter, den Vater. Und auch für das Kind ? Ein Kind, dessen Eltern vielleicht schon tod sein werden, wenn es 10 ist, oder 20 ? Andrerseits ein Kind, das leben darf, ein Kind, das es nicht gäbe, wenn die Eltern diese fragliche Prozedur nicht auf sich genommen hätten ?

Die Frage ist: wie weit darf man in die Natur eingreifen, wie weit soll man es ? Soll ein Arzt nur heilen, oder soll er das Machbare machen ? Hier lesen.

Dazu ein paar Gedanken, die schon recht alt sind, aber dennoch nur als Denkanstoß dienen können, keineswegs aber bitte als „Moralkeule“ mißbraucht werden sollten: hier lesen.

.

Lesen Sie auch:
> Kirche und Grüne kritisieren CDU-Votum zur Stammzellenforschung

Bild: Baumeister Ing. Engelbert Hosner,pixelio.de


Entdecke mehr von god.fish

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

1 Arbeit Architektur Bayern Berlin Beziehung Beziehungen Bibel Bilder blau Blumen Christen Christentum Corona Coronavirus demokratie Details Deutschland Donald Trump EKD Essay Essen Ethik EU Europa Evangelisch Farben Flüchtlinge Fotografie Fotos frieden funny.casa Gedanken Gedichte gelb Gemeinde Geschichte Gesellschaft Gesundheit Glaube Gott grün Herbst Highlight Hoffnung Humor Impressionen italien Jesus Jesus.casa Katholisch kinder Kirche Klimaerwärmung krankheit Krieg Kultur Kunst Leben Lebenshilfe Liebe Medien menschen Menschenrechte Musik Musikgeschichte münchen München inside Nachgedacht Nato Natur neu Olaf Scholz Ostern Pandemie philosophie photography Politik Psychologie Putin Religion Russland Satire Sprache sunshine.casa Theologie Tod Toleranz Ukraine Universum Urlaub usa verantwortung video Weihnachten winter Wirtschaft yellow.casa Zivilcourage Zukunft


Kommentare

7 Kommentare zu „Mutterglück mit 64 Jahren“

  1. ich habe wenig verständnis für solche eltern. es heisst immer so schön, dass alles dem wohl des kindes dienen soll.
    wurde das kind geboren, um sich selbst einen wunsch zu erfüllen? gut, bei kinderlosigkeit kann ich nicht mitreden, weil wir welche haben durften.
    aber dem einen kind mit so alten eltern stehen tausende gegenüber, die hätten leben können, aber dann abgetrieben wurden.
    wo ist da die moralische und ethische grenze? wer legt eigentlich fest, inwieweit ich einem kind zumuten kann, grosseltern als eltern zu haben. sicher wird es das kind zum beispiel in der schule nicht so leicht bei seinen kameraden haben usw.
    wie gesagt, ich halte so ein verhalten für sehr fragwürdig.

  2. Finde ich auch recht schwierig, das Ganze. Vielleicht sollte man als Ansatzpunkt das nehmen, was von Natur aus gegeben ist. Andrerseits gerät man zb dann in Konflikte, wenn es darum geht, dass man irgendwann einmal Leben verlängern kann, zb dass Menschen 200 Jahre werden könnten mit Hilfe von Medikamenten. Das wäre wünschenswert für viele Menschen. Andrerseits wäre es also nicht der Natur entsprechend.
    Wieder andererseits: sind wir nicht auch so etwas, wie ein Teil der Natur, also ein Teil dessen, der sich quasi selbst verbessert ? Ein schwieriges Thema.
    Bin morgen wieder im Netz…

  3. Avatar von Fritzi

    Entschuldigung – ich finde die Vorstellung einer 64-jährigen frischgebackenen Mutter auch bedenklich und alles andere als optimal, aber das „Was-von-der-Natur-gegeben-ist“-Argument ist ein sehr gefährliches: Das verbietet nämlich letztlich jede Art von medizinischer Lebenserhaltung und Hilfe, nicht nur im hohen Alter, sondern bei jeglicher Operation, Medikation, Organspende, künstlichen Befruchtung etc. Übrigens haben (unter anderem) mit dem Natur-Argument die Nationalsozialisten ihr Euthanasie-Programm begründet: Behinderte Menschen seien ohnehin von der Natur her nicht lebensfähig und daher sei ihre medizinische oder pflegerische Lebenserhaltung widernatürlich. Ich will damit natürlich hier überhaupt niemandem solcherlei Tendenzen unterstellen, auf keinen Fall. Aber man sollte mit solchen Argumentationen sehr vorsichtig sein.

    Zum Thema „Alte Eltern“ zurück: Wie gesagt, ich finde die Sache auch sehr fragwürdig. Allerdings gebe ich zu bedenken: Vielleicht doch lieber ein geliebtes und geborgenes Wunschkind alter Eltern als vernachlässigtes Kind junger (oder überhaupt irgendwelcher) Eltern…???

  4. @Fritzi

    Ja, das mit der „von Natur aus gegeben“-Argument ist ein gefährliches, wenn man es in den falschen Hals kriegt und Fundamentalisten hatten es dort bereits.
    Natürlich soll Leben verlängert werden, weil es einfach das kostbarste ist, was es gibt.
    Aber wo wäre bei der obigen Diskussion sonst der Ansatzpunkt ? Sagte Gott, man solle nicht künstlich Menschen erschaffen ? Okay, vielleicht kann man auch diesen Weg zur Argumentation wählen, vielleicht irgendwie einen, der zb mit dem Turmbau von Babel in Verbindung gebracht werden kann: dass man sieht, was passieren kann, wenn der Mensch über seine Grenzen hinaus wachsen will. Vielleicht auch ein Ansatzpunkt.
    Aber die Frage ist: wo tritt der Mensch über seine Grenzen ? Wie legt man diese Grenzen fest ?

  5. @Fritzi

    Habe was Vergleichbares (oder zumindest Ähnliches ) zum Thema gefunden:
    http://www.ekd.de/bioethik/pm26b_2002_wochefuerdasleben_lehmann.html

    Allerdings wird auch hier mehr oder minder aus dem Bauch heraus argumentiert, selbst, wenn ein Psalm angegeben ist.
    Es ist wohl einfach eine Frage des Menschenbildes, die Grundlage der jeweiligen Ethik ist:
    ist es ethisch vertretbar, ein Kind in die Welt zu setzen, ohne dass dies auf normalem Wege möglich ist ? Die Welt sagt heutzutage ja, wenn die Mütter jung sind.
    Dies ist jedoch gegen die natürlichen Möglichkeiten des Menschen, wird aber willkommen geheißen – und ich habe auch nichts dagegen.
    Wo aber liegt der Unterschied, wenn die Mutter alt ist ? So groß ist er nämlich vielleicht doch gar nicht: denn ob man nun bei einer jungen oder einer alten Frau diesen Eingriff vornimmt, ist letztich dann nur noch Geschmackssache.
    Man kann zwar im Fall der alten Frau sagen, dass das Kind womöglich als Waise aufwachsen wird, also die Folgen direkter auftreten, als bei einer jungen Mutter. Aber ob das als Begründungszusammenhang ausreicht, ist fraglich. Ganz unabhängig davon, dass ich nichts davon halte, was hier geschah mit dieser 64 jährigen, ich finde es ethisch nicht richtig. Schon des Kindes wegen.
    Aber wie gesagt: wo soll man ansetzen mit der Argumentation ? Ich denke, das ist recht schwierig.

  6. Avatar von Fritzi

    Letztlich ist die ethische Grenze für mich immer die Hybris des Menschen. Seine Selbstherrlichkeit und sein Egoismus (der ja oben, „um sich selbst einen Wunsch zu erfüllen“, schon angesprochen wurde). Komisch, in den Urgeschichten tauchen so viele Varianten von ihr auf, aber der Mensch erfindet immer nochmal eine neue.

    Diese Feststellkung stellt natürlich, SO gesagt, auch noch keine konkrete Handlungsgrundlage her, völlig klar. Ich habe leider auch keine Lösung für das Problem, welch Wunder…
    Vielleicht geht es in der ganzen Diskussion weniger um einen ganz echten ethischen Konflikt im eigentlichen Sinne, sondern um das Erkennen, dass der Mensch manchmal Sachen macht, zu denen er „technisch“ in der Lage ist, die ihn aber eigentlich überfordern – und dann erschrickt, aber zunächst macht er sie einfach mal. Die Geister, die ich rief…
    Und bei anderen ist es vielleicht schlicht das Abweichen von alten Normen: „Das gehört sich nicht“. Das ist für mich noch kein ethisches Argument.

    Übrigens, nochmal: Ich bin auch erschrocken, als ich die Nachricht von der 64-jährigen Mutter las. Und kann mich entgegen meiner eigenen Argumentation auch nach wie vor nicht damit anfreunden. So ist der Mensch halt, er denkt und grübelt, und dann macht er’s doch anders.

  7. @Fritzi
    Ja, ich finds auch nicht richtig, und zwar deshalb, weil wohl Leid über das Kind kommen wird: Frühwaise, keine Eltern möglicherweise.
    Aber weiß mans ? Vielleicht wird dieses Kind einst die Welt retten, als Präsident, als Zünglein an der Wage, als stiller Bürger, der das Richtige im entscheidenden Augenblick tut. Oder es wird nur Menschen etwas von Gott erzählen, oder verquere Meinungen geraderücken oder ein Segen sein für andere Menschen in irgendeiner anderen Weise. Oder aber nicht.

    Drum ist die Frage, ob das Egoismus der Mutter sei, auch zweischneidig: wenn das Kind ein Segen sein wird für die Welt, oder wenn es selbst finden wird, dass es froh ist, zu leben, wird man geneigt sein, anders zu argumentieren, als wenn es kriminell wird, lebensüberdrüssig, depressiv.

    Nach was soll man aber dann urteilen ? Man ist hier wieder schnell auch bei der Frage des secundum naturam vivere oder des contra naturam vivere – so zu leben, wie es die Natur scheinbar vorgesehen hat, oder gegen sie zu leben ?

    Oder man schaut in die Bibel und argumentiert eben zum Beispiel damit, dass es dem Menschen nicht gut tut, sich an Gottes Stelle setzen zu wollen.

    Letzlich bleibt vielleicht aber zu vermuten, dass die Bewertung der Situation vielmehr auf einem Gesellschaftlichen Disput und vielleicht Konsens geschehen wird: wenn die Gesellschaft dies akzeptiert, dann wird es damit “legitim” – oder umgekehrt eben das Gegenteil.

    Wer aber ist die “Gesellschaft” ? Wir alle, mit all unseren Lebenswirklichkeiten, geprägt durch unsere Sozialisation, das christliche Menschenbild, oder auch andere Menschenbilder. Wir, die wir eigentlich auch nicht so genau wissen, was wir hier vielleicht sagen sollen, ohne gleich zb fundamentalistisch die Bibelkeule zu schwingen.

    Bleibt vielleicht die Frage: ist es okay, wenn dann alles gut ist, wenn das Leben des Kindes okay ist ?
    Ja ! Nein ! Beides vielleicht.

    Ganz abgesehen davon, dass Leben NIE NUR gut oder NUR schlecht ist – immer eine Dialektik zwischen beidem: in allem Übel gibt es stets auch das Gute, und in allem Glück hängt stets auch ein Hauch von Vergänglichkeit.

    Wollen wir mal sehen, wie die Gesellschaft entscheiden wird. Derzeit gibt es jedoch sicher ein paar sehr glückliche Menschen: die beiden Eltern. Und einen dritten Mensch, der erst noch sehen muss, wie diese Welt ihm so begegnen wird. Und wie er ihr.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von god.fish

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen