
Wer kennt es nicht? Der Montag ist geschafft, man schleppt sich motiviert wie eine Scheibe Toastbrot in den zweiten Werktag der Woche und denkt sich: „Dienstag? Klar, kommt von Dienst. Schließlich muss ich hier heute wieder ordentlich malochen!“
Doch halt! Ich muss dich enttäuschen (oder erlösen): Der Dienstag hat mit deinem Arbeitseifer absolut nichts am Hut. Er ist kein kleiner Diener des Montags und auch nicht der bucklige Verwandte des Wochenendes. Die Ähnlichkeit zum Wort „Dienst“ ist ein etymologischer Zufall, der uns seit Jahrhunderten in die Irre führt.
Ein einarmiger Gott am Werk
In Wirklichkeit ist der Dienstag ein echter Bad Boy der Mythologie. Die Namensherkunft leitet sich nämlich vom germanischen Gott Tiw (im Althochdeutschen Ziu) ab. Dieser Herr war nicht etwa für das Kaffeekochen im Büro zuständig, sondern der Gott des Krieges und – was noch viel wichtiger ist – der Gerechtigkeit sowie der Thing-Versammlungen.
Die Römer nannten den Tag ursprünglich „dies Martis“ (Tag des Mars). Als die Germanen das hörten, dachten sie sich: „Mars? Der Typ mit dem Speer? Das ist bei uns Tiw!“ Und schwupps wurde aus dem Tag des Mars der „Ziestag“.
Vom „Thing“ zum „Dienst“
Aber wie wurde aus Tiw/Ziu nun der Dienstag? Hier kommen die Niederländer und die Friesen ins Spiel (und ein bisschen juristischer Klatsch). Tiw wurde auch als „Mars Thingsus“ verehrt – also der Beschützer des „Things“, der germanischen Volks- und Gerichtsversammlung.
Aus dem „Thingstag“ wurde im Laufe der Zeit durch lautliche Verschiebungen im niederdeutschen Raum der „Dingstag“ und schließlich unser heutiger Dienstag. Er ist also eigentlich der „Tag der Gerichtsversammlung“.
Wenn dich dein Chef am nächsten Dienstag fragt, warum du so grimmig schaust, sag ihm einfach, du huldigst gerade dem Kriegsgott Tiw und bereitest dich mental auf ein Thing vor. Das klingt wesentlich heroischer als „Ich brauche mehr Kaffee“.
Was der Dienstag davon hat? Nun, zumindest das Wissen, dass er eigentlich ein Kämpfer ist und kein einfacher Angestellter.



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