
Morgen wird es vier Jahre her sein, seit der Wahnsinn Methode wurde und die Welt ein Stück weit ihre Unschuld verlor, sofern sie diese nach Jahrhunderten des russischen Imperialismus überhaupt noch besaß. Wenn wir heute auf die Nachrichtenlage blicken, stellt sich ein beklemmendes Gefühl der Redundanz ein. In den frühen Morgenstunden des 24. Februar 2022 begann der Überfall, der seither Millionen in die Flucht getrieben hat. Heute, am 23. Februar 2026, lesen wir in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von den Analysen des Slawisten Riccardo Nicolosi, der sich immer noch die Frage stellt, was Putin „eigentlich will“. Man möchte fast trocken anmerken: Wahrscheinlich will er einfach nur alles, und das möglichst gestern. Diese intellektuelle Suche nach dem „Warum“ wirkt angesichts der Realität fast wie ein theologisches Ringen um die Theodizee – nur dass hier nicht Gott schweigt, sondern der Anstand.
Die Kinder von Kyjiw und der Preis der Freiheit
In der Region Kyjiw und in der gesamten Ukraine ist das Grauen längst statistisch erfasst. Laut Berichten von nv.ua und UNICEF hat sich die Zahl der getöteten und verstümmelten Kinder im letzten Jahr sogar noch vervierfacht. Über 20.000 Kinder wurden nach Russland entführt, zwangsweise in fremde Familien eingegliedert – ein ethischer Abgrund, der so tief ist, dass man sich fragt, ob das Wort „Menschlichkeit“ in Moskau mittlerweile auf der Verbotsliste steht. Während die Front laut ZDF heute militärisch weitgehend statisch bleibt, was vor allem an der Dominanz der Drohnen liegt, meldet General Syrskyi auf nv.ua immerhin die Befreiung von 400 Quadratkilometern im Oleksandriwer Raum. Es ist ein zähes Ringen, ein „Palimpsest der Zerstörung“, wie es die FAZ nennt. Man kämpft um jeden Meter Erde, als wäre es das letzte Stück Paradies, während der Rest der Welt in den sozialen Medien darüber debattiert, ob Wikipedia nun Links zu bestimmten Archiven verbieten sollte. Man muss Prioritäten setzen.
Europa zwischen Mahnwachen und Reparationsforderungen
In Deutschland herrscht derweil eine fast schon rührende Geschäftigkeit. In Städten wie Leipzig, Trier und Potsdam bereitet man sich laut Bündnis für Brandenburg und dem Lüne-Blog auf Mahnwachen vor. Es werden Kerzen angezündet und Flaggen gehisst. Das ist ethisch wertvoll, erinnert aber auch an den Versuch, einen Waldbrand mit einer Wasserpistole zu löschen. Währenddessen bereitet Polen laut nv.ua eine Klage gegen Russland wegen Reparationen aus der Sowjetära vor. In einem Anflug von trockenem Humor könnte man sagen: Wenn man schon dabei ist, kann man die Rechnung für die letzten vier Jahre gleich beilegen. Die Ukraine wiederum drängt laut prm.ua auf eine europaweite Raketenabwehr, während man im kroatischen Zagreb gegen ukrainische Investoren protestiert. Solidarität ist eben ein dehnbarer Begriff, besonders wenn er den eigenen Geldbeutel berührt.
Amerikanische Stürme und die Rückkehr des Großen Namensgebers
Über den Atlantik geblickt, zeigt sich ein gewohnt turbulentes Bild. Während der Nordosten der USA laut USA Today und CNN von einem gewaltigen Blizzard heimgesucht wird, der den Flugverkehr lahmlegt, weht im Weißen Haus ein ganz anderer Wind. Die Trump-Administration – man hat sich fast schon wieder an den Namen gewöhnt – lässt laut New York Times (zitiert via nv.ua) Militäroperationen gegen den Iran prüfen. Gleichzeitig hat der Präsident angekündigt, das Kennedy Center für Renovierungen zu schließen – nur um sicherzugehen, dass sein eigener Name danach an prominenter Stelle prangt. Das ist konsequent: Wenn man die Weltbühne schon nicht kontrollieren kann, benennt man sie wenigstens nach sich selbst. Ethisch gesehen ist das die Krönung des Narzissmus, aber theologisch betrachtet zumindest eine Form von Ewigkeitshoffnung, wenn auch eine sehr irdische.
Die Endlichkeit der Moral in der Unendlichkeit des Krieges
Während die USA sich über Kernbrennstoffe und Zölle streiten, wie die NPR und die internationale Presseschau des Deutschlandfunks berichten, bleibt in der Ukraine die bittere Realität der Zahlen. Zaxid.net meldet, dass die russischen Verluste mittlerweile die Marke von 1,2 Millionen überschritten haben. Das ist kein Krieg mehr, das ist eine industrielle Vernichtung von Existenz. Und während Opel laut prm.ua weltweit fast eine Million Fahrzeuge wegen defekter Takata-Airbags zurückrufen muss, weil diese „unkontrolliert Metallfragmente“ schleudern können, wirken die Nachrichten von der Front fast wie eine makabre Parallele: Überall fliegen Fragmente, überall herrscht Lebensgefahr, nur dass es für die Ukraine keinen Rückruf gibt. Der russische Imperialismus sitzt tief, in den russischen Köpfen und in der Geografie. Europa wird sich weiterhin fürchten müssen, denn solange die Statik des Schreckens anhält, bleibt der Frieden ein frommer Wunsch, der in den Ruinen von Kyjiw und Charkiw verhallt.
Verwendete Quellen:
- Deutschland: faz.net (Frankfurter Allgemeine Zeitung), sz.de (Süddeutsche Zeitung), Zeit.de, welt.de, heute.de (ZDF), dw.com (Deutsche Welle).
- USA: nytimes.com (The New York Times), cnn.com, nbcnews.com, npr.org, usatoday.com.
- Ukraine: nv.ua (The New Voice of Ukraine), zaxid.net, prm.ua (Pryamiy Channel).



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