Trump macht Chaos. Anleger hassen Chaos.

Das Kapital ist ein scheues Reh – dieser alte Börsenspruch ist heute aktueller denn je. Doch während die Finanzmärkte nach Berechenbarkeit, Kontinuität und stabilen Rahmenbedingungen lechzen, agiert die größte Volkswirtschaft der Welt zunehmend wie ein Casino, in dem der Croupier ständig die Regeln ändert. Wer glaubt, dass politische Eskapaden lediglich Futter für die Abendnachrichten seien, ignoriert die knallharte ökonomische Quittung, die solche Instabilität nach sich zieht.

​Die Chaos-Steuer: Warum Unberechenbarkeit das Fundament des Wohlstands untergräbt

​Es ist eine gefährliche Illusion zu glauben, dass ein Mann, der in seiner Karriere sechs Unternehmen in den Bankrott geführt hat, eine komplexe Volkswirtschaft wie die USA mit dem Fingerspitzengefühl eines erfahrenen Staatsmannes lenken könnte. Donald Trump hat die Unberechenbarkeit zu seinem Markenzeichen erhoben. Doch was er als „Verhandlungstaktik“ verkauft, ist für Anleger und Unternehmen pures Gift. Denn Geld hasst das Unwägbare.

​Wenn Erwartungen zu wirtschaftlichen Schocks werden

​Eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) verdeutlicht das Ausmaß dieses Problems. Mit dem neu entwickelten Weltindex politischer Instabilität (WIPI) weisen die Forscher nach, dass politische Krisen nicht im luftleeren Raum stattfinden. Sie wirken wie ein Virus auf das wirtschaftliche Immunsystem.

​Der Mechanismus ist dabei so simpel wie verheerend:

  1. Die Psychologie der Angst: Sobald die politische Lage instabil wird (man denke an den Sturm aufs Kapitol 2021), verschlechtern sich zuerst die Erwartungen.
  2. Konsumverzicht und Produktionsstopp: Verunsicherte Menschen sparen mehr, Unternehmen halten Investitionen zurück.
  3. Die harte Landung: Zeitverzögert sinken die Industrieproduktion und schließlich das Wirtschaftswachstum.

Der Sturm aufs Kapitol mag wie ein lokales Ereignis gewirkt haben, doch die RWI-Ökonomen schätzen, dass allein dieses Ereignis die US-Produktion rund 2,9 Milliarden US-Dollar gekostet hat. Das ist kein theoretischer Wert – das ist eine „Chaos-Steuer“, die jeder Bürger und jeder Anleger mitbezahlt.

​Die Erosion der Zuverlässigkeit

​Anleger, die heute konsequent auf „Ex-USA“-ETFs setzen, handeln nicht emotional, sondern zutiefst rational. Sie reagieren auf den Umstand, dass Trump das demokratische System nicht stabilisieren, sondern disrumpieren will. Während ein gesundes Wirtschaftssystem auf dem Vertrauen in Institutionen und Rechtssicherheit fußt, setzt das System Trump auf personenkultartige Willkür.

​Es ist ein ökonomisches Paradoxon: Trump verspricht „America First“, doch durch die permanente Erzeugung von Instabilität sorgt er für „America Risk“. Die Studie zeigt deutlich, dass die Industrieproduktion selbst zwei Jahre nach einem politischen Schockereignis oft noch um 0,3 Prozent unter dem Niveau liegt, das ohne die Krise möglich gewesen wäre. In einer Weltwirtschaft, die am Tropf der US-Nachfrage hängt, schwappt diese Instabilität heute schneller über Grenzen hinweg als jemals zuvor.

​Ein geschwächtes Immunsystem

​Besonders kritisch ist, dass diese Instabilität auf eine Welt trifft, die ohnehin bereits entzündet ist. Auch in Deutschland ist das politische Klima nach dem Ende der Ampel-Koalition und dem Regierungswechsel zu Friedrich Merz im Jahr 2025 zwar auf Konsolidierung ausgerichtet, doch die globalen Erschütterungen aus Washington lassen sich nicht einfach an der Grenze stoppen. Wenn die USA als stabilisierender Anker ausfallen, erhöht das die Risikoprämien weltweit.

​Wer die Bilanz von Trumps unternehmerischen Misserfolgen kennt, weiß: Er ist kein Sanierer, sondern ein Hasardeur. Für den Staatshaushalt und die globale Handelsordnung bedeutet das nichts Gutes. Die Flucht aus US-lastigen Portfolios ist daher die logische Konsequenz einer Analyse, die erkennt, dass man auf einem Vulkan keine Fabriken baut.

Politische Instabilität ist kein bloßes Hintergrundgeräusch für die Wirtschaft. Sie ist der Sand im Getriebe, der am Ende den Motor zum Stillstand bringt.

Die Unfähigkeit, morgens zu wissen, was abends getwittert oder dekretiert wird, macht eine langfristige Kapitalallokation nahezu unmöglich. Wer sein Vermögen schützen will, muss die Unberechenbarkeit als größten Risikofaktor unserer Zeit begreifen.

Quellen:

  • Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Studie zum Weltindex politischer Instabilität (WIPI), Februar 2026.
  • Analysen zur US-Industrieproduktion und den ökonomischen Folgen des 6. Januar 2021.
  • Wirtschaftsberichte zur Entwicklung der globalen Erwartungshaltung bei politischer Volatilität.

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Kommentare

2 Kommentare zu „Trump macht Chaos. Anleger hassen Chaos.“

  1. Avatar von Agricola
    Agricola

    Sein Geld in Ex-USA“-ETFs zu investieren, ist ganz schön tapfer. Die strukturellen Vorteile des Wirtschaftsstandorts USA gegenüber Europa sind so gravierend, daß sich die Wachstumsschere immer weiter öffnen wird.
    Als Beispiel mag da die aktuell heiß diskutierte KI-Technologie dienen. Ob diese Technologie die Wunder bringt, die sie verspricht, kann ich nicht beurteilen. Ich sehe aber, daß dafür in den USA eine Menge Knete lockergemacht wird und Europa mit großen Augen dabei zuschaut. Das Geld, das in den USA ein Elon Musk in vielversprechende Technologien investiert, hätten ihm die Sozialisten in Europa längst abgeschröpft und umverteilt. Die Kraftwerke, die man für diese Technologien benötigt, werden in den USA neu gebaut und in Europa gesprengt.
    Da würde ich doch eher die Finger von Investments in Europa lassen …

  2. ETFs Ex USA bedeuten nicht, dass sie nur in Deutschland oder Europa investieren. Sie sind viel breiter gestreut, haben allerdings die USA nicht mit drin.

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