Markus, Kapitel 6

Nach den krassen Wundern am See Genezareth könnte man meinen, Jesus surft auf einer Welle des Erfolgs. Aber das nächste Kapitel zeigt die harte Realität: Es geht zurück nach Hause. Und dort wartet nicht Applaus, sondern Ablehnung. Es geht um das Aussenden der Freunde, um eine grauenhafte Party mit tödlichem Ausgang und um Wunder, die alle Dimensionen sprengen.

Kein Prophet gilt was im eigenen Land: Jesus wird in seiner Heimatstadt gedisst

Jesus kehrt zurück nach Nazareth. Seine Heimat. Der Ort, wo er aufgewachsen ist, wo jeder jeden kennt. Hier ist er nicht der Wundertäter, hier ist er nur „der Zimmermann, der Sohn von Maria“. Am Sabbat geht er in die Synagoge und legt los zu predigen. Die Leute sind erst mal baff. „Woher hat der das alles? Was ist das für eine krasse Weisheit? Was sind das für Wunder, von denen alle reden?“

Aber dann kippt die Stimmung. Statt Bewunderung kommt Skepsis und Neid. Sie tuscheln: „Moment mal. Das ist doch der Typ von nebenan. Wir kennen doch seine Brüder Jakobus, Joses, Judas und Simon. Und seine Schwestern wohnen auch noch hier.“

Ihre Vertrautheit wird zur Falle. Sie können einfach nicht glauben, dass einer von ihnen, ein normaler Handwerker, etwas Besonderes sein soll. Sie kennen seine Vergangenheit, also können sie sich seine Zukunft nicht vorstellen. Ihr Denken steckt in einer Schublade fest, auf der steht: „Kennen wir, kann nix sein.“ Und so nehmen sie Anstoß an ihm. Sie lehnen ihn ab.

Und Jesus? Er ist nicht wütend, er ist eher enttäuscht und bringt es auf den Punkt: „Ein Prophet ist nirgendwo so wenig geachtet wie in seiner Heimatstadt, bei seinen Verwandten und in seiner eigenen Familie.

Wegen ihres Unglaubens kann er dort kaum Wunder tun. Es ist, als ob ihre Ablehnung die Atmosphäre vergiftet. Er legt ein paar Kranken die Hände auf, heilt sie, aber die großen, lebensverändernden Dinger bleiben aus. Er wundert sich über ihren Unglauben und zieht weiter. Das ist eine harte Lektion: Manchmal ist es am schwersten, die Menschen zu überzeugen, die einem am nächsten stehen.

Die Jünger gehen auf Tour: Jesu Crew bekommt Superkräfte

Jesus schickt seine zwölf engsten Freunde los. Aber nicht einzeln, sondern immer zu zweit. Das ist Teamwork, Rückendeckung, gemeinsam durch dick und dünn. Und er gibt ihnen Vollmacht über die unreinen Geister. Er teilt quasi seine „Superkräfte“ mit ihnen.

Seine Anweisungen für die Tour sind radikal minimalistisch:

  • Nehmt nichts mit! Kein Geld, keine Tasche, kein extra Essen. Nur einen Wanderstab.
  • Tragt nur Sandalen und nehmt keine Wechselklamotten mit.
  • Seid komplett abhängig! Verlasst euch darauf, dass ihr versorgt werdet.

„Wenn ihr in ein Haus kommt, dann bleibt da, bis ihr weiterzieht. Kein Hotel-Hopping, um die beste Unterkunft zu finden. Und wenn ein Ort euch nicht aufnimmt und euch nicht zuhören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen. Das ist ein Zeichen für sie.“ Das ist quasi die damalige Version von „Okay, dann nicht. Eure Entscheidung, euer Verlust.“

Und die Jünger? Sie ziehen los. Sie predigen, dass die Leute ihr Leben ändern sollen. Sie treiben Dämonen aus. Und sie salben viele Kranke mit Öl und heilen sie. Die Mission ist ein voller Erfolg. Sie erleben, dass die Kraft Gottes auch durch sie wirkt.

Party, Rache und ein abgetrennter Kopf: Das grauenhafte Ende von Johannes dem Täufer

Mitten in diesem Kapitel macht Markus eine Rückblende. Er erklärt, warum wir von Johannes dem Täufer nichts mehr gehört haben. Es ist eine düstere, schmutzige Geschichte aus der Welt der Reichen und Mächtigen.

König Herodes hatte Johannes ins Gefängnis werfen lassen. Warum? Wegen Herodias. Herodes hatte seinem eigenen Bruder Philippus die Frau ausgespannt und sie geheiratet. Johannes der Täufer, der furchtlose Wüstenprediger, hatte ihm das knallhart ins Gesicht gesagt: „Das ist Ehebruch! Das darfst du nicht!

Das hat Herodias ihm nie verziehen. Sie hasste Johannes und wollte ihn tot sehen. Aber Herodes hatte irgendwie einen seltsamen Respekt und auch Angst vor Johannes. Er wusste, dass Johannes ein gerechter und heiliger Mann war, und er hörte ihm sogar manchmal zu, auch wenn ihn das total verwirrte.

Dann kommt die verhängnisvolle Nacht. Herodes feiert seinen Geburtstag. Eine riesige, protzige Party mit allen wichtigen Leuten. Es fließt Alkohol, die Stimmung ist aufgeheizt. Mitten in der Feier tritt die Tochter von Herodias auf (Salome, auch wenn ihr Name hier nicht genannt wird) und tanzt für die Gäste.

Herodes ist so begeistert und wahrscheinlich auch so betrunken, dass er ihr vor allen Leuten einen Eid schwört: „Wünsch dir, was du willst, ich geb’s dir! Und wenn es die Hälfte meines Königreichs ist!

Das junge Mädchen geht zu ihrer Mutter und fragt: „Was soll ich mir wünschen?“ Und Herodias sieht ihre Chance. Keine Sekunde Zögern. Keine Gier nach Geld oder Macht. Nur eiskalte Rache. Sie sagt: „Den Kopf von Johannes dem Täufer.

Das Mädchen geht zurück zum König und sagt: „Ich will sofort, auf einer Platte, den Kopf von Johannes dem Täufer.“

Der König ist entsetzt. Er ist schockiert und traurig. Aber er hat vor all seinen wichtigen Gästen einen Eid geschworen. Er will sein Gesicht nicht verlieren. Sein Stolz ist ihm wichtiger als das Leben eines unschuldigen Mannes.

Also schickt er einen Henker ins Gefängnis. Der enthauptet Johannes, legt den Kopf auf eine Servierplatte, gibt ihn dem Mädchen, und das Mädchen gibt ihn seiner Mutter.

Das ist das Ende des Mannes, der den Weg für Jesus bereitet hat. Ermordet als perverses Partygeschenk. Eine zutiefst tragische und abstoßende Geschichte über Machtmissbrauch, Rachsucht und menschliche Schwäche. Als die Jünger von Johannes das hören, holen sie seinen Leichnam und begraben ihn.

Fast Food für 5000 Leute: Die wohl größte Picknick-Party der Geschichte

Die Jünger kommen von ihrer Tour zurück, total erledigt, aber auch euphorisch. Sie erzählen Jesus alles, was sie getan und gelehrt haben. Jesus sieht, wie fertig sie sind und sagt: „Kommt, wir suchen uns einen ruhigen Ort, nur für uns, und ruhen uns ein bisschen aus.“

Aber der Plan geht nicht auf. Die Leute sehen, wie sie mit dem Boot ablegen, laufen am Ufer entlang und sind schon da, als das Boot anlegt. Der Rückzugsort wird zum Massenevent.

Als Jesus die riesige Menschenmenge sieht, ist er nicht genervt. Er hat wieder dieses tiefe Mitleid. Er sieht sie an und denkt: „Sie sind wie Schafe ohne Hirten.“ Verloren, orientierungslos, hungrig – nicht nur im Magen, sondern auch in der Seele. Und so nimmt er sich Zeit und lehrt sie stundenlang.

Irgendwann wird es spät. Die Jünger werden nervös. „Hey, schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich was zu essen kaufen können. Hier ist ja nichts.“

Jesus‘ Antwort ist eine krasse Herausforderung: „Gebt ihr ihnen zu essen.

Die Jünger sind fassungslos. „Was? Wir? Sollen wir losziehen und für 200 Denare Brot kaufen?“ Das war damals ein Vermögen, fast ein Jahresgehalt!

Jesus bleibt ruhig. „Wie viel habt ihr denn? Geht mal nachschauen.“ Sie kommen zurück mit dem Ergebnis: „Fünf Brote und zwei Fische.“ Ein Witz. Das reicht nicht mal für sie selbst.

Dann übernimmt Jesus das Kommando. Er lässt die Leute sich in Gruppen ins grüne Gras setzen. Er nimmt die fünf Brote und die zwei Fische, blickt zum Himmel auf, dankt Gott dafür. Dann bricht er das Brot und gibt es den Jüngern, damit sie es verteilen. Dasselbe macht er mit den Fischen.

Und dann geschieht das Wunder. Jeder isst. Jeder wird satt. Nicht nur ein bisschen, sondern richtig pappsatt. Und als sie am Ende die Reste einsammeln, füllen sie zwölf Körbe – mehr, als sie am Anfang hatten.

Es waren 5.000 Männer da, Frauen und Kinder nicht mitgezählt. Das ist nicht nur eine nette Geschichte über Teilen. Das ist ein Zeichen. Jesus zeigt: Ich kann aus dem Wenigsten, aus dem, was völlig unzureichend erscheint, eine Fülle schaffen, die für alle reicht. Er ist der Gastgeber, der für seine Leute sorgt.

Jesus, der Ghost-Walker: Ein nächtlicher Spaziergang auf dem See

Direkt nach dem Wunder schickt Jesus seine Jünger ins Boot, um schon mal vorauszufahren. Er selbst schickt die Menge weg und steigt auf einen Berg, um allein zu sein und zu beten.

In der Nacht, mitten auf dem See, geraten die Jünger wieder in Schwierigkeiten. Ein starker Gegenwind macht ihnen das Rudern zur Qual. Sie kommen kaum voran.

Und dann, mitten in der Dunkelheit, zwischen drei und sechs Uhr morgens, sehen sie etwas, das ihnen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Eine Gestalt kommt über das Wasser auf sie zu. Sie denken, es ist ein Gespenst, und schreien vor Angst.

Aber die Gestalt spricht sie an. Es ist Jesus. Er sagt: „Fasst Mut! Ich bin’s. Habt keine Angst.

Er steigt zu ihnen ins Boot. Und in dem Moment, als er da ist, legt sich der Wind.

Die Jünger sind nicht erleichtert. Sie sind, so schreibt Markus, „völlig außer sich vor Staunen„. Sie haben immer noch nicht wirklich kapiert, wer da bei ihnen ist. Selbst nach dem Wunder mit dem Brot war ihr Herz noch „verhärtet“, also verschlossen. Sie sehen die Wunder, aber die volle Bedeutung, die wahre Identität von Jesus, die sickert nur ganz langsam in ihre Köpfe und Herzen.

Heilung to go: Berühren genügt

Sie legen am Ufer in Gennesaret an. Kaum ist Jesus ausgestiegen, erkennen ihn die Leute. Eine Welle der Aufregung geht durch die ganze Gegend. Die Leute rennen los, holen alle Kranken, die sie finden können, und tragen sie auf Matten dorthin, wo sie hören, dass Jesus gerade ist.

Und jetzt kommt das Krasse: Es braucht keine langen Zeremonien mehr. Die Leute bitten ihn nur darum, dass die Kranken wenigstens den Saum seines Gewandes berühren dürfen. Und jeder, der ihn berührt, wird sofort gesund. Es ist wie eine Kettenreaktion der Heilung. Seine bloße Anwesenheit, die Berührung des kleinsten Teils seiner Kleidung, setzt eine unglaubliche Kraft frei, die alles wiederherstellt.


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