
Es ist ein Drama, das sich täglich in den Kommentarspalten und an den Stammtischen unserer Nation abspielt. Ein Kampf von epischem Ausmaß, bei dem tapfere Krieger der deutschen Sprache den drohenden Untergang des Abendlandes abwehren. Ihr Feind? Das sogenannte „Gender Gaga“. Ein monströses Gebilde aus Sternchen, Doppelpunkten und dem unverschämten Wunsch mancher Menschen, einfach nur respektvoll angesprochen zu werden.
Mal ehrlich: Wer sich heute lauthals darüber aufregt, verrät weniger über die Sprache und viel mehr über sich selbst. Es ist ein unbezahlbarer Einblick in die eigene Seele.
Was kostet es denn wirklich, jemanden so anzusprechen, wie er es sich wünscht? Rechnen wir es mal durch. Der Aufwand, statt „Sehr geehrte Damen und Herren“ vielleicht „Guten Tag zusammen“ zu sagen, ist nichts. Die geistige Anstrengung, ein „er“ durch ein „sie“ zu ersetzen, kostet keinen Cent und keine einzige Kalorie. Es ist eine winzige Mühe, ein winziges Kopfnicken in Richtung eines anderen Menschen, das sagt: „Ich sehe dich und ich respektiere dich.“ Aber für manche ist selbst das offenbar zu viel verlangt. Da wird das Recht auf die eigene Bequemlichkeit zur höchsten Tugend erhoben.
Besonders amüsant wird es, wenn sich die Kritiker auf christliche Werte berufen. Man muss in der Bibel schon sehr lange suchen, um das elfte Gebot zu finden: „Du sollst auf gar keinen Fall gendern, denn das ist Teufelszeug.“ Im Gegenteil, das zentrale Konzept ist die Nächstenliebe. Und was ist liebloser, als einem Mitmenschen eine kleine Geste des Respekts aktiv zu verweigern, nur weil es einem gegen den Strich geht? Das ist keine Verteidigung von Tradition, das ist schlicht und ergreifend Rücksichtslosigkeit im Sonntagsanzug.
Wer also von „Gender Gaga“ schwadroniert, besteht in Wahrheit einen simplen Charaktertest nicht. Es geht nicht um Grammatik. Es geht darum, ob man bereit ist, einen Millimeter von der eigenen Position abzurücken, um einem anderen das Leben ein kleines bisschen einfacher und angenehmer zu machen. Wer das nicht kann, sagt vor allem eines aus: Mein eigenes Ego und meine Gewohnheit sind mir wichtiger als deine Gefühle.
Und das, um es klar zu sagen, ist intellektuell und emotional klein und armselig.



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