Dieser Beton-Koloss sollte gesprengt werden

…doch was dann geschah, prägt Berlin bis heute

Mitten in Berlin-Schöneberg, eingeklemmt zwischen Wohnhäusern und Alltagsleben, steht ein unübersehbarer Gigant aus grauem Beton. Er ist übersät mit Graffiti, von Efeu umrankt und strahlt eine abweisende Kälte aus. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein Fremdkörper, ein Relikt, das die Zeit vergessen hat. Und als wäre das nicht schon seltsam genug, wurde in den 70er Jahren einfach ein riesiges Wohnhaus direkt über ihn drüber gebaut. Doch die Geschichte dieses Kolosses ist noch viel verrückter, als man denkt.

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Alles begann in den dunkelsten Stunden des Zweiten Weltkriegs. Zwischen 1944 und 1945 wurde der Bunker von sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern hochgezogen. Er sollte eigentlich sensible Technik eines Fernmeldeamtes schützen, wurde aber nie ganz fertig. Ein unvollendetes Mahnmal, das stumm von unvorstellbarem Leid zeugte.

Nach dem Krieg stand fest: Das Ding muss weg. Die Amerikaner, die nun in diesem Sektor das Sagen hatten, versuchten mehrfach, den Bunker dem Erdboden gleichzumachen. Doch der Betonklotz lachte sie quasi aus. Er war einfach zu massiv. Jede Sprengung war zu riskant für die umliegenden Häuser. Der Bunker blieb – stur, unzerstörbar und ein ständiges Ärgernis.

Jahrzehnte vergingen, und mit dem Kalten Krieg kam eine völlig neue Idee auf. Wozu etwas abreißen, das so unglaublich stabil ist? Man funktionierte den ungeliebten Giganten einfach um. So wurde aus dem Nazi-Bauwerk in den 80er-Jahren der größte Zivilschutzbunker West-Berlins. Ein Schutzraum für über 4.800 Menschen, der im Falle eines Atomkriegs Leben retten sollte.

Heute ist der Hochbunker Pallasstraße beides: ein offizieller „Ort der Erinnerung“, der an das Schicksal der Zwangsarbeiter mahnt, und ein geschütztes Denkmal. Er wird manchmal für Kunstausstellungen genutzt und bleibt ein faszinierendes, wenn auch düsteres Kapitel der Berliner Geschichte – ein Beton-Koloss, der sich weigerte zu verschwinden und stattdessen zu einem einzigartigen Zeugen mehrerer Epochen wurde.

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