Kruzifixstreit: Ideologie versus Ideologie

Symbolbild

Freiheit FÜR oder FREI VON? Das Kreuz, die Schule und der logische Kurzschluss.

Aktueller Anlass für die wiederkehrende Debatte ist eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts München. Dieses hat geurteilt, dass ein Kruzifix, das im Eingangsbereich eines Gymnasiums in Dießen am Ammersee angebracht ist, die Glaubensfreiheit von Schülern verletzt. Die Begründung stützt sich auf die sogenannte negative Religionsfreiheit – also das Recht eines Einzelnen, von Religion und ihren Symbolen verschont zu bleiben. Diese Entscheidung befeuert nun erneut die grundlegende Auseinandersetzung.

Was hier als neutrale Position verkauft wird, ist in Wahrheit selbst eine knallharte Weltanschauung. Die Vorstellung, der öffentliche Raum – und sei es nur ein Schulhaus – müsse komplett frei von religiösen Symbolen sein, ist eine Ideologie. Und mal ganz provokant gefragt: Ist der Atheismus nicht auch eine Art Glaube? Der feste Glaube daran, dass es nichts Höheres gibt. Warum sollte ausgerechnet dieser Glaube zum Maßstab für alle erhoben werden?

Wenn wir die Logik der Kläger wirklich ernst nehmen, wird es geradezu paradox. Wenn die negative Religionsfreiheit bedeutet, von fremden Weltanschauungen verschont zu bleiben, dann müsste man konsequenterweise auch das Recht haben, von der Ideologie des radikalen Laizismus verschont zu bleiben. Wenn also jemand die Entfernung des Kreuzes fordert, weil es seine atheistische Überzeugung stört, dann könnte ein anderer mit genau demselben Recht fordern, das Kreuz wieder aufzuhängen, um sich der aufgezwungenen Ideologie der religionsfreien Zone zu entziehen. Merken Sie was? Das Karussell dreht sich im Kreis.

Diese ganze Debatte ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine Gesellschaft ihre eigenen Wurzeln kappt. Das Kreuz ist eben nicht nur ein Symbol für die Christen. Es ist ein tief verankertes Kulturzeichen unseres Abendlandes, das für Werte wie Nächstenliebe und Vergebung steht – Werte, die auch einem Atheisten gut zu Gesicht stehen dürften. Wer das ignoriert, ist nicht tolerant, sondern schlicht geschichtsvergessen.

Und seien wir doch mal ehrlich: Die Vorstellung, dass der Anblick eines Kirchturms, einer Moschee oder eben eines Kruzifixes eine unzumutbare Belastung darstellt, ist doch lächerlich. Es ist der Ausdruck einer hypersensiblen und intoleranten Haltung, die unter dem Deckmantel der Toleranz daherkommt. Es geht hier nicht um den Schutz von Minderheiten, sondern um den Triumph einer einzigen Weltanschauung über alle anderen.

Anstatt also unsere Schulen und öffentlichen Plätze in sterile, bedeutungslose Räume zu verwandeln, sollten wir die Stärke haben, diese Symbole und die damit verbundene komplexe Geschichte auszuhalten. Alles andere ist nicht nur ein Verrat an unserer eigenen Kultur, sondern auch ein logischer Kurzschluss.

Dieser logische Kurzschluss wird umso deutlicher, wenn man einen Blick auf das wirft, was eigentlich die Grundlage allen schulischen Handelns in Bayern sein sollte: die Verfassung des Freistaates und der daraus abgeleitete Lehrplan.

Wer hier von einer zwingend erforderlichen Neutralität der Schule fabuliert, ignoriert geflissentlich Artikel 131 der Bayerischen Verfassung. Dort sind die obersten Bildungsziele des Landes festgeschrieben. Und was steht da an erster Stelle? „Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen“. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ehrfurcht vor Gott.

Die bayerische Schule ist also per definitionem und Verfassungsauftrag alles andere als ein neutraler Raum. Sie soll und muss Werte vermitteln. Sie hat einen expliziten, in ihrem Fundament verankerten Bezug zu Gott. Das Kreuz an der Wand ist somit kein Fremdkörper in einem ansonsten sterilen Raum, sondern der sichtbare Ausdruck des verfassungsmäßigen Bildungsauftrags.

Man kann also nicht das Kreuz als Symbol dieses Auftrags entfernen wollen und gleichzeitig die Verfassung, auf der dieses Schulsystem fußt, unangetastet lassen. Das ist inkonsequent und intellektuell unredlich. Die Debatte um das Kruzifix ist daher in Wahrheit ein Angriff auf das Fundament der bayerischen Werteerziehung. Wer das Kreuz entfernt, greift nicht nur ein Symbol an, sondern stellt den gesamten verfassungsmäßigen Bildungs- und Erziehungsauftrag infrage.

Quelle: ZEIT


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