
Es ist eine typisch menschliche Angewohnheit: Wir wissen immer ganz genau, was andere Menschen in schwierigen Situationen tun sollten. Kaum berichtet jemand von einem Problem, schon startet unser innerer Hobby-Psychologe sein Programm. Ratschläge sprudeln förmlich aus uns heraus – ungefragt, aber überzeugt von ihrer Brillanz.
Doch wehe, die Rollen vertauschen sich: Plötzlich stecken wir selbst in Schwierigkeiten. Und was passiert dann? Wir entdecken spontan unsere Abneigung gegen kluge Kommentare und Hilfestellungen anderer. Die weisen Ratschläge, die wir zuvor großzügig verteilt haben, empfinden wir plötzlich als zusätzliche Belastung. „Danke, aber ich brauche jetzt keine Belehrungen!“, denken oder sagen wir gereizt, während wir insgeheim hoffen, dass alle um uns herum schweigen mögen.
Selbstironischer Nachsatz gefällig? Vielleicht sollten wir uns angewöhnen, jeden Satz mit „Also, ich an deiner Stelle…“ einfach konsequent wegzulassen. Denn wie schön wäre die Welt, wenn wir alle nur genau so weise wären, wie wir es von anderen immer erwarten. Oder zumindest halb so weise. Oder ehrlich gesagt: zumindest stiller.



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