UN Resolution: Russland habe ja gar keinen Angriffskrieg geführt

Wenn der UN-Sicherheitsrat beschließt, dass ein Angriffskrieg keiner ist, dann ist das wohl die neue Definition von Frieden.

Ein historischer Moment: Der UN-Sicherheitsrat hat beschlossen, dass der russische Angriffskrieg nicht existiert – zumindest nicht in der neuesten völkerrechtlich bindenden Resolution.

Die USA, sonst für ihre wertegeleitete Außenpolitik bekannt, haben die Resolution eingebracht. Darin wird die Ukraine höflich gebeten, sich mit dem Frieden abzufinden, den Russland großzügig anbietet. Das Wort „Aggressor“ taucht darin nicht auf – ein starkes Zeichen für die neue Diplomatie: Wenn das Problem nicht benannt wird, existiert es einfach nicht mehr.

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja ist begeistert: „Ein großer Schritt in Richtung Frieden – für alle, die ohnehin schon kapituliert haben.“ China applaudierte höflich. Die EU-Staaten im Sicherheitsrat enthielten sich lieber – man wolle sich ja nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen.

Einziger Wermutstropfen: Die UN-Vollversammlung hat am selben Tag mit großer Mehrheit für den sofortigen russischen Rückzug gestimmt. Ein Beschluss, der nur leider nicht völkerrechtlich bindend ist – ein Glück für den Kreml. Denn bindend sind nur Entscheidungen, die Russland gefallen.

Donald Trump versteht die Resolution als Bestätigung seiner grandiosen Friedenspläne. Wolodymyr Selenskyj dürfte das anders sehen – doch was zählt schon die Meinung eines angegriffenen Staates, wenn die großen Mächte längst entschieden haben?

Das Fazit: Völkerrecht ist, was der UN-Sicherheitsrat unter Druck von Donald Trump, Russland und China daraus macht. Und wenn er behauptet, ein Angriffkrieg sei ja überhaupt kein Angriffkrieg, dann ist er das nicht – zumindest auf dem Papier.

Das wäre selbst George Orwell ein bisschen zu dick aufgetragen gewesen. Sowas glaubt einem doch keiner.


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Kommentare

3 Kommentare zu „UN Resolution: Russland habe ja gar keinen Angriffskrieg geführt“

  1. Avatar von Medienbeobachter
    Medienbeobachter

    Muß der Kampf bis zum letzten Ukrainer geführt werden, nur damit die Europäer ihre moralische Überlegenheit zelebrieren können?
    Wer seine Maximalforderungen als unverhandelbar deklariert, wird keinen Frieden, kein Ende des Blutvergießens erhalten, auch wenn die Forderungen noch so moralisch vollkommen sind.
    Trump will den Frieden, an den die Europäer und sein Vorgänger drei Jahre lang nicht interessiert waren. Trump möchte das Schlachten im Donez und in der ganzen Ukraine beenden. Wenn diese Resolution dazu beiträgt, why not?

  2. Die Behauptung, der Kampf werde „bis zum letzten Ukrainer“ geführt, verkennt die Realität: Die Ukraine verteidigt sich gegen die russische Aggression, weil die Alternative die Besetzung und Zerstörung ihres Staates wäre. Es geht nicht um eine „moralische Überlegenheit“ Europas, sondern um das Völkerrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine.

    Verhandlungen können nur dann zu einem dauerhaften Frieden führen, wenn sie nicht auf erzwungenen Kapitulationen basieren. Russland zeigt jedoch bislang keine ernsthaften Verhandlungsbereitschaft, sondern fordert faktisch die Anerkennung der völkerrechtswidrigen Annexionen. Friedensverhandlungen erfordern Kompromisse, aber sie dürfen nicht bedeuten, dass ein angegriffenes Land zur Selbstaufgabe gezwungen wird.

    Trump behauptet, er könne den Krieg schnell beenden, hat aber bisher keine realistische Strategie vorgelegt, die nicht auf der Schwächung oder Aufgabe der Ukraine beruht. Eine Friedenslösung, die auf erzwungenen Zugeständnissen basiert, würde vermutlich nicht zu einem stabilen Frieden führen, sondern weitere russische Aggressionen begünstigen.

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