Weihnachten: Das Fest der Liebe oder der Logistik?

Alle Jahre wieder verwandeln sich besinnliche Wohnzimmer in Kommandozentralen. Pünktlich zum ersten Advent fängt die große Strategieplanung an: Wer bekommt was, wer besucht wen, und – am allerwichtigsten – wie überlebt man das Fest der Liebe ohne bleibende Schäden? Die friedliche Vorweihnachtszeit? Ein Mythos, geboren aus der Sehnsucht nach Ruhe und Harmonie, und doch so fern wie der Nordpol.

In der Hauptrolle: der Weihnachtsbaum. Ein Nadelwerfendes Ungetüm, das jedes Jahr aufs Neue beweist, dass Natur und Wohnzimmer zwei grundverschiedene Konzepte sind. Der Baum muss nicht nur perfekt sein, nein, er soll auch die familiäre Harmonie widerspiegeln, die spätestens beim Schmücken auf die Probe gestellt wird. „Mehr Lametta!“ – „Nein, zu kitschig!“ – ein Dialog so traditionell wie der Streit um das letzte Stück Stollen.

Dann die Geschenke. Eine Odyssee durch überfüllte Kaufhäuser und Online-Shops, in der Hoffnung, das perfekte Geschenk zu finden, das sagt: „Ich kenne und liebe dich“, aber gleichzeitig auch: „Ich habe nicht mein letztes Gehalt dafür geopfert“. Das Einpacken der Geschenke ist dabei ein Kunstwerk für sich, bei dem mehr Klebeband und Papier verbraucht wird als bei jeder Grundschul-Bastelstunde.

Das Festmahl? Eine logistische Meisterleistung, die mit einem einfachen „Wir machen was Leckeres“ beginnt und in einem Fünf-Gänge-Menü endet, das mehr Planung benötigt als eine Mondmission. Jedes Familienmitglied hat dabei eigene Vorstellungen und Diäten, die berücksichtigt werden müssen – vegetarisch, vegan, laktosefrei, glutenfrei, geschmackfrei?

Doch wenn dann alles geschmückt, verpackt und zubereitet ist, wenn der letzte Streit beigelegt und der Baum endlich steht, dann, ja dann kann es vielleicht, eventuell, unter Umständen etwas weniger stressig werden. Vielleicht. Denn am Ende ist Weihnachten trotz all des Trubels ein Fest der Liebe, der Familie und der Zusammenkunft – ein kleines Wunder in der hektischen Welt, das jedes Jahr aufs Neue zeigt: Wir sind zusammen, wir stehen das durch. Und nächstes Jahr? Da fangen wir alle fröhlich von vorne an. Frohe Weihnachten!


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