Was ist los in Kansas?

In der unendlichen Weite von Kansas, wo der Horizont so flach ist, dass man heute schon sieht, wer morgen zum Tee kommt, vermischen sich im April 2026 das Absurde, das Heilige und das ganz profane Scheitern. Man könnte meinen, Dorothy Gale hätte recht behalten, als sie feststellte, dass es keinen Ort wie die Heimat gibt – doch ob sie dabei an Kakerlaken im Schnaps oder an ausgestopfte „Bunnicorns“ dachte, darf bezweifelt werden.

​Von diebischen Farmern und kulinarischen Abgründen

​Während die spirituelle Suche nach Wahrheit oft steinig ist, wählte ein Farmer aus Kansas den Weg der kreativen Fiktion, um seine Bilanzen aufzubessern. Wie der Wichita Eagle berichtet, behauptete der Mann kühn, Wind und Hagel hätten seine gesamte Maisernte vernichtet, nur um das Getreide heimlich an der Steuer vorbei zu verkaufen. Es ist eine fast schon biblische Parabel über Gier und die Unfähigkeit, die Natur als Zeugin der Wahrheit zu respektieren – dumm nur, wenn das Bundesgericht das elfte Gebot „Du sollst dich nicht beim Schwindeln erwischen lassen“ konsequenter auslegt als die örtliche Kirchengemeinde.

​Die ethische Frage nach der Reinheit stellt sich indes dringender in den Küchen von Wichita. Dort förderte eine Inspektion laut dem Wichita Eagle in mehreren Restaurants Zustände zutage, die man wohlwollend als „biodivers“ bezeichnen könnte: Mäusekot, Kakerlaken und Insekten, die in Spirituosenflaschen ihr letztes Bad nahmen. Wenn Sauberkeit tatsächlich der Frömmigkeit am nächsten steht, dann befinden sich einige Gastronomen der Stadt derzeit in einem Zustand tiefster spiritueller Verwahrlosung. Es bleibt die Hoffnung, dass die betroffenen Wirte Buße tun, bevor die nächste Heuschreckenplage – oder das Gesundheitsamt – sie endgültig heimsucht.

​Die Revolution im Kinosessel und auf dem Rasen

Etwas weiter östlich, in Lawrence, bereitet man sich auf eine Form der Gastfreundschaft vor, die fast schon neutestamentarische Ausmaße annimmt. Das Lawrence Journal-World kündigt an, dass das Free State Festival im Juni unter dem Motto „Die Revolution findet im Kino statt“ steht. Besonders: Die algerische Nationalmannschaft wird während der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in Lawrence ihr Quartier aufschlagen. Dass nun ausgerechnet Filme über die algerische Geschichte gezeigt werden, zeugt von einem tiefen kulturellen Respekt, der weit über das bloße Servieren von Hummus hinausgeht. Es ist die säkulare Version des „Fremden, den man aufnimmt“, auch wenn der Fremde in diesem Fall Stollen an den Schuhen trägt und vermutlich mehr für den lokalen Einzelhandel tut als jeder Wanderprediger.

​Das Schweigen der Schüler und die Magie des Morbiden

​In der Hauptstadt Topeka hingegen scheint man das Konzept der Redefreiheit eher als optionales Extra zu betrachten. Wie Kansas Public Radio (in Kooperation mit dem Topeka Capital-Journal) berichtet, hat das Repräsentantenhaus von Kansas ein Veto der Gouverneurin überstimmt, um Schülerproteste massiv einzuschränken. Künftig müssen Eltern schriftlich zustimmen, wenn ihre Kinder während einer Demonstration das Schulgelände verlassen wollen. Schlimmer noch: Den Distrikten drohen Geldstrafen in Höhe des Tagesgehalts eines Superintendenten, falls Lehrkräfte die Proteste unterstützen. Es ist eine faszinierende ethische Gymnastik, jungen Menschen beizubringen, dass sie eine Stimme haben, solange sie diese bitte nur in der Mittagspause und unter Aufsicht der Erziehungsberechtigten benutzen. Hier wird die „Accountability“ (Verantwortlichkeit) so hochgehalten, dass sie fast schon den Geruch von Zensur annimmt – ein theologisch schwieriges Terrain, wenn man bedenkt, dass schon die biblischen Propheten selten um Erlaubnis fragten, bevor sie lautstark Missstände anprangerten.

​Wer von diesen politischen Grabenkämpfen genug hat, findet Trost im Skurrilen. Die Kansas City Star weist auf die World Oddities Expo hin, die kürzlich in Kansas City Station machte. Dort konnten Interessierte in Workshops lernen, wie man ein „Bunnicorn“ (ein Kaninchen mit Horn) präpariert oder die Skelette von Ratten fachgerecht zusammensetzt. In einer Welt, die nach Perfektion strebt, ist die Verherrlichung des Makabren eine fast schon heilende Erinnerung an unsere eigene Vergänglichkeit (Memento Mori). Es ist schließlich auch eine Form der Wertschätzung der Schöpfung, wenn man einem verstorbenen Nagetier durch Taxidermie zu einer zweiten, wenn auch etwas steifen Karriere verhilft.

​Kein Ort wie Liberal

​Schließlich führt uns der Weg nach Liberal, der offiziellen Heimat von Dorothy Gale. Das Städtchen, das so oft als Sinnbild für die Sehnsucht nach Beständigkeit herhalten muss, blickt laut Travel Taste and Tour Magazine einer hochmodernen Zukunft entgegen. Ein taiwanischer Hersteller plant dort den Bau einer riesigen Batteriefabrik, was 80 neue Arbeitsplätze verspricht. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Region, die Dorothy einst durch die zerstörerische Kraft des Windes verließ, nun zum Zentrum für die Speicherung sauberer Energie wird. Vielleicht ist das die moderne Antwort auf die Frage nach dem Weg nach Hause: Er ist nicht mehr mit gelben Ziegeln gepflastert, sondern mit Lithium-Ionen-Zellen. Man muss nur fest genug an die wirtschaftliche Entwicklung glauben und die Absätze dreimal zusammenschlagen – oder zumindest die richtigen Fördermittel beantragen.

Verwendete Quellen:

  • The Wichita Eagle
  • Kansas Public Radio (KPR) / Topeka Capital-Journal
  • The Kansas City Star
  • Lawrence Journal-World
  • Travel Taste and Tour Magazine (März/April 2026 Ausgaben)


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