Tag eins ohne Twitter | Wider Elon Musks Zensur

Gestern Abend habe ich mein Twitter-Account deaktiviert, nachdem ich über 10 Jahre bei dieser Plattform gewesen bin. Warum?

Man darf auf Twitter aufgrund der aktuellen Richtlinien, die im Dezember 2022 herausgekommen sind, nun weder in seinem Profil, noch als Tweet angeben, auf welcher sozialen Plattform man sonst noch ist.

Man darf also gewisse Dinge nicht mehr sagen, die aber völlig im legalen Bereich sind.

Es wäre durchaus verständlich, wenn man beispielsweise keine hate speech machen dürfte, keine Volksverhetzung und dergleichen. Aber nein, darum geht es ja gar nicht. Man darf auf Twitter nun einfach nicht mehr mitteilen, auf welcher anderen Plattformen man ist. Mastodon, Facebook. Dies darf man nicht mehr sagen.

Parallel dazu hat Elon Musk, dem ja Twitter mittlerweile gehört, aber Leute wie Donald Trump wieder eingeladen, auf der Plattform aktiv zu werden. Dessen Account war gesperrt worden, nachdem er immer wieder die demokratisch legitimierte US-Präsidentschaftswahl in Frage gestellt hatte und dies immer noch tut und dadurch und auch durch seine hetzerischen Tweets maßgeblich zum Sturm auf das US-Kapitols beigetragen, wenn nicht sogar implizit dazu aufgerufen hat. Donald Trump hat also fast die US-Demokratie zerlegt. Im Grunde war der Sturm auf das Kapitol der Versuch eines Staatsstreichs, angestachelt durch Donald Trump.

Leute wie Donald Trump dürfen unter Elon Musk also ihre Fake News und Lügen wieder in großen Maßstab auf Twitter in alle Welt verstreuen, normale Nutzer dürfen aber nicht einmal mehr sagen, auf welchen alternativen Plattformen Sie sonst noch schreiben.

Man kennt das aus autoritären Regimen. Beispielsweise in Deutschland, in der ehemaligen DDR-Diktatur im Osten Deutschlands, durfte man gewisse Dinge auch nicht sagen, durfte sich beispielsweise nicht kritisch gegen die einzige in der Politik vorhandene Partei aussprechen, ohne massive Strafen befürchten zu müssen. Und so darf man auf Twitter nun analog dazu nicht mehr sagen, woher man kommt und wo man sonst noch schreibt, ohne massive Strafen zu befürchten, also ohne, dass das eigene Twitter-Account dann gesperrt wird, im Wiederholungsfall sogar dauerhaft gesperrt.

Donald Trump darf seine Lügen auf Twitter in alle Welt verteilen, normale Nutzer jedoch werden zensiert.

Das ist der Grund für mich, mit dieser Plattform zu brechen.

Denn es ist doch so: Diejenigen Nutzer, die nun bleiben, machen dadurch deutlich, dass sie prinzipiell bei einem solchen System mitmachen. Sie eröffnen Elon Musk damit die Möglichkeit, nach und nach die Temperatur hochzudrehen, also nach und nach weitere, ähnliche zensierenden Reglementierungen schrittweise einzuführen. Denn wer bei diesem lauten Knall jetzt nicht Twitter verlässt, auf was will er sonst noch warten?

Twitter-User, die trotz dieses lauten Knalls weiterhin bei Twitter bleiben, laufen Gefahr, zu übersehen, wie Elon Musk die Struktur auf Twitter wohl immer autokratischer werden lässt. Es ist wie bei einem Frosch, der in einem Aquarium sitzt: Wenn jemand heißes Wasser über ihn kippt, merkt er das und springt sofort heraus. Wenn aber jemand ganz langsam die Temperatur immer weiter erhöht, merkt der Frosch das nicht, bis es irgendwann zu heiß für ihn ist und er stirbt.

Wer die Medien kontrolliert kontrolliert auch die Menschen. Deswegen ist Redefreiheit für eine Demokratie unerlässlich. Wer aber die Redefreiheit zensiert, positioniert sich klar gegen die Demokratie und für autokratische Strukturen.

Nicht unerwähnt darf bei dieser bedenklichen Entwicklung bleiben, dass Elon Musk mit seinem Unternehmen Starlink die Kommunikation in der von Russland angegriffenen Ukraine ermöglicht, die für die ukrainischen Bürger*innen und auch für das ukrainische Militär überlebenswichtig ist. Man darf gar nicht darüber nachdenken, in wessen Händen hier gerade die Kommunikation liegt.

Wie schon gesagt: Wer die Medien kontrolliert, kontrolliert auch die Menschen. Das Funktionieren des Internets in der Ukraine hängt in vielen Regionen nun von einem einzigen Mann ab, von Elon Musk. Und seit Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges auf die Ukraine weiß nun die ganze Welt, wie gefährlich es ist, wenn die Entscheidungen in wichtigen Dingen von einem einzelnen Menschen abhängen. Denn dieser braucht nur einmal seine Meinung zu ändern, schon nimmt die Welt einen anderen Verlauf. Hochgefährlich.

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5 thoughts on “Tag eins ohne Twitter | Wider Elon Musks Zensur

  1. Das passt gut. Habe mich aus meine schon vor einigen Tagen zunächstmal nur abgemeldet und die App von Handy entfernt.
    Deaktiviert ist er noch nicht.
    Auch Facebook und Instagram sind diesen Weg gegangen.
    Noch vermisse ich nichts.
    Deinen Beitrag finde ich sehr gut und umfassend erklärt. Würde ihn gern in meinem Blog teilen, wenn das erlaubt ist.
    Beste Grüsse
    Uli

  2. Facebook nutze ich noch verhalten, um Kontakt zu ein paar Leuten in den USA zu halten. Instagram nutze ich kaum noch. Aber Twitter habe ich eben deaktiviert – da war für mich das Maß übervoll.

    Ja, den Artikel darst Du gerne teilen. Gib als Autor bitte einfach god.fish an.

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