
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass man für das Amt des Verteidigungsministers die Bibel tatsächlich gelesen haben muss. Es reicht völlig aus, wenn man die Tätowierungen hat und gelegentlich so klingt, als würde man am Sonntagvormittag nicht nur die Golfschläger polieren. Pete Hegseth hat nun bewiesen, dass seine theologische Ausbildung primär in den Lichtspielhäusern der 90er-Jahre stattfand.
Statt sich mit den eher drögen Originaltexten der Propheten herumzuschlagen, zitierte er lieber Ezekiel 25:17. Das Problem: Er nutzte die Fassung von Samuel L. Jackson aus Pulp Fiction.
Theologie für Fortgeschrittene
Für alle, die in Religion nicht aufgepasst haben: Der echte Ezekiel ist im Vergleich zu Quentin Tarantino eher ein Kindgeburtstag. Während die biblische Vorlage sich kurz und bündig hält, fügte Tarantino Sätze über den „Pfad der Gerechten“ und die „Tyrannei böser Männer“ hinzu, die zwar im Kino hervorragend klingen, bevor man jemanden erschießt, aber leider nie den Weg in den kanonischen Text gefunden haben.
Dass Hegseth diese Nuance übersehen hat, ist nur konsequent. Wer braucht schon die Heilige Schrift, wenn er ein Drehbuch haben kann? Es ist die ultimative Form des modernen Christentums: Man glaubt nicht an das, was geschrieben steht, sondern an das, was auf einem Poster im Studentenwohnheim cool aussah.
Die Absolution vom heiligen Donald
Natürlich brach sofort das übliche Gezeter der „Faktenchecker“ aus – dieser lästigen Spezies, die immer noch glaubt, dass Realität eine Rolle spielt. Doch Hegseth muss sich keine Sorgen machen. Sein oberster Dienstherr, der „Holy Trump“, wird ihm diesen kleinen Fauxpas zweifellos vergeben.
Trump selbst hat die Bibel bekanntlich so oft gelesen, dass er sie als sein zweitliebstes Buch bezeichnet (direkt nach seinem eigenen), auch wenn er auf Nachfrage kein einziges Zitat nennen konnte – außer vielleicht: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, was er vermutlich für eine Verhandlungstaktik von Immobilienmaklern hielt.
Ein göttlicher Plan
Am Ende passt alles zusammen. Ein Verteidigungsminister, der Hollywood-Monologe für das Wort Gottes hält, ist die perfekte Besetzung für eine Regierung, die ohnehin mehr Wert auf Einschaltquoten als auf Exegese legt. Wir sollten dankbar sein. Es hätte schlimmer kommen können: Er hätte auch aus Star Wars zitieren können.
Obwohl – „Möge die Macht mit dir sein“ klingt in einer Pentagon-Sitzung eigentlich auch nicht falscher als ein falscher Prophet mit einer Vorliebe für Royals mit Käse.



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