Kein Twitter ist auch (k)eine Lösung

Nachdem Elon Musk spontan vor kurzem die Twitter-Richtlinien so geändert hatte, dass man nicht mehr auf Twitter erwähnen darf, auf welchen anderen Plattformen man sonst noch tätig ist, hatte ich mein Twitter-Account deaktiviert. Auf mich wirkte das wie autokratisch willkürliches Handeln. Und es wirkt auch immer noch so.

In der Zwischenzeit hatte Elon Musk in einer, naja, eher weniger seriösen, spontan angesetzten und nur kurz laufenden Pseudo-Abstimmung auf Twitter seinen Abgang als Firmenchef absegnen lassen, den er offensichtlich ohnehin schon seit einiger Zeit vorhatte. Die Mehrheit der Twitter-Nutzer wollte demnach, dass er nicht mehr Twitter-Chef ist. Vermutlich war das Ganze der Versuch von Elon Musk, einigermaßen elegant aus dem Chaos, das er auf Twitter angerichtet hatte, herauszukommen.

Denn sein schlechtes Image, das er durch sein autokratisch erratisches Handeln auf Twitter gesamtgesellschaftlich bekommen hat, nicht zuletzt in Deutschland, hat auch Auswirkungen auf seine Automarke Tesla. In Deutschland ist aufgrund Elon Musks problematischem Handeln auch das Interesse an dieser Automarke deutlich geschwunden. Menschen, die früher einen Tesla potenziell kaufen wollten, wollen dies nun nicht mehr. Denn wer weiß denn schon, was Herrn Musk als Nächstes einfallen könnte, vielleicht ein spontanes Update für den Tesla, dem man zustimmen muss, ansonsten funktioniert das Auto nicht mehr? Ein Abo, das man auf einmal abschließen muss als Tesla-Fahrer? Einen blauen, kostenpflichtigen Haken auf Twitter, den man haben muss, um sein Auto weiterhin einschalten zu können? Alles denkbar.

Der hoffentlich zu erwartende Rücktritt von Elon Musk aus der Twitter-Chefetage jedenfalls war dann einer der Punkte, weshalb ich dachte, es vielleicht noch einmal mit dieser Plattform übergangsweise versuchen zu können. Ich habe in das Profil nun allerdings, so wie bisher auch, deutlich die Adresse von Mastodon eingefügt. Sollte Twitter mich deswegen sperren, dann sei es so. Ich liefere dieser Plattform doch nicht kostenlos Content, darf im Gegenzug dann aber über gewisse Dinge nicht mehr sprechen, die völlig im legalen Bereich sind.

Die Beiträge von god.fish habe ich deshalb nicht wieder mit Twitter verknüpft, sie erscheinen dort nicht mehr. Mein Misstrauen in diese Plattform ist mittlerweile zu groß.

Mastodon als Alternative zu Twitter ist prinzipiell schon gut, allerdings findet man dort fast nichts zur „Ukraine“. Vielleicht bin ich aber auch einfach in der falschen Domäne auf Mastodon beheimatet, oder wie man das nennt. Wenn ich nach dem Thema „Ukraine“ suche, finde ich dort Einträge vom November – wir haben jetzt aber fast Weihnachten.

Und das ist der Punkt, der mich doch noch einmal das Twitter-Account reaktivieren ließ, denn dort teilen eben viele Menschen auch aus der Ukraine ziemlich wesentliche Dinge. Von den russischen Massakern in Butcha beispielsweise hatte ich zuerst auf Twitter erfahren und dann auch davon berichtet, bevor hier in der deutschen Presse davon überhaupt die Rede war.

In dieser Hinsicht versuche ich, Twitter doch noch etwas zu nutzen, wenngleich auch in reduzierter Form. Selber aktiv werden möchte ich dort nicht mehr sonderlich, sondern stehe mit einem Bein auf Absprung. Notfalls kann man auch über den Google Reader oder YouTube oder gegebenenfalls vielleicht Facebook ähnliche Dinge mitbekommen, aber auf Twitter hat es bisher eben recht gut funktioniert.

Im Grunde ist es jedenfalls sehr fraglich, ob jemand wie Elon Musk eine derart große Plattform einfach nach Gutdünken so verändern kann, dass die Nutzer plötzlich dies und das und jenes nicht mehr schreiben und verlinken dürfen. Es müsste für solche Plattformen, die im Grunde ja unter das Mediengesetz fallen müssten oder sollten, gewisse Regeln geben, wonach es ein Recht auf freie Rede geben müsste, sofern diese im demokratischen Bereich beheimatet ist.

Nach europäischem Recht dürften Elon Musks unüberlegte, fast erratisch wirkende Spontanaktionen äußerst kritisch sein.

Aber das wird die Zukunft zeigen. Die Europäische Union hat Herrn Musk bereits zu einem Gesprächstermin geladen. Eine Antwort von ihm kam bislang nicht. Sollte sie ausbleiben, wird die europäische Union wohl eine Antwort formulieren – eine juristische. Das könnte dann für Elon Musk ziemlich teuer werden, sollte er sich mit seiner Plattform Twitter nicht an europäisches Recht halten. Und diese Sprache dürfte der Multimilliardär dann durchaus verstehen.

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