Wenn man die Brutalität des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sieht, wenn man sieht, wie die russische Armee bewusst gegen zivile Ziele immer wieder vorgeht, wenn man sieht, wie beispielsweise Mariupol fast vollständig von der russischen Armee zerstört wurde und die Menschen dort fast nichts mehr zum Essen und zum Trinken haben, gleichzeitig aber auch die Stadt nicht verlassen können, weil Russland zwar immer wieder humanitäre Flugkorridore zusagt, die dann aber so nicht zustande kommen, bekommt man eine Ahnung davon, dass der Hass von Ukrainerinnen und Ukrainern über Generationen hinweg auf die Russen gewaltig sein dürfte.
Aber es ist nicht nur das. Auch die Bürgerinnen und Bürger westlicher Staaten dürften starke Ressentiments gegen Russinnen und Russen im Allgemeinen aufbauen. Zwar wissen hier im Westen viele Menschen, dass man differenzieren muss, dass nicht jede Russin und jeder Russe automatisch verantwortlich ist für das, was das faschistische System Putins treibt, sicher wird man aus westlicher Sicht immer wieder den einen oder anderen Russen treffen, den man aus menschlicher Sicht integer findet, aber das Ressentiment gegen Russinnen und Russen im Allgemeinen wird auch im Westen lange bleiben, wahrscheinlich auch über Generationen. Man kennt dieses Ressentiment und diese Angst noch, weil sie sich in dem Spruch manifestiert haben: „Die Russen kommen!“
Aber worüber reden wir eigentlich? Noch ist der Krieg nicht einmal zu Ende, noch ist kein Ende in Sicht. Auch im Westen kann aus dem Ressentiment letztlich Hass werden, je nachdem, wie schlimm dieser Krieg nun noch wird. Und die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Krieg noch viel schlimmer wird, ist durchaus nicht so klein.
Ja, man soll und muss zwischen Menschen differenzieren, jeder Mensch ist einzigartig. Aber je größer das Leid, je größer die Brutalität, je größer das Unrecht und je größer die unglaubliche Rücksichtslosigkeit und die Verachtung menschlichem Leben gegenüber, desto schwerer ist es für viele Menschen, noch zu differenzieren. Putins Hass wird so auf das Volk, in dessen Interesse er vorgibt, angeblich zu handeln, zurückfallen. Jahrelang, jahrzehntelang. Vielleicht sogar eingebrannt im kollektiven Gedächtnis der Ukraine und auch des Westens über Jahrhunderte: „Die Russen kommen!“
Und ja, die Geschichte wird sich an Putin erinnern. Aber nicht so, wie er sich das vorstellt, sondern so, wie man sich auch an Stalin oder Hitler erinnert. Man wird sich an den Namen Putin erinnern, aber viele Menschen werden ihn mit Gruseln und innerer Abscheu aussprechen, sofern sie ihn überhaupt noch aussprechen möchten. Putin hat „seinem“ Land und „seinem“ Volk in diesen acht Wochen Krieg bereits mehr geschadet, als irgendein äußerer Feind ihm hätte jemals Schaden zufügen können. Der Krieg geht, der Name Putin bleibt, der Schaden bleibt. Vielleicht für immer.



Kommentar verfassen