Putin etwas anbieten zur „Gesichtswahrung“?

Man liest derzeit manchmal, man müsse Putin irgendetwas anbieten, damit er „gesichtswahrend“ aus seinem Krieg aussteigen könne.

Das ist wohl falsch. Denn Putin kontrolliert die Medien in Russland. Er kann sich aus der Ukraine zurückziehen und das als Sieg zu Hause verkaufen. Putin kann sich „gesichtswahrend“ aus dem Krieg zurückziehen, wenn er das will. Sofern er das überhaupt will.

Umgekehrt kann er auch weiter den Krieg eskalieren. Ob nun Deutschland schwere Waffen liefert oder nicht, ob der deutsche Bundeskanzler versucht, möglichst nicht in die Schusslinie Putins zu geraten, letztlich liegt es nicht an Deutschland: alleine Putin entscheidet, wen er in seinen Krieg hineinzieht. Die offizielle russische „Begründung“ dafür liefert dann Herr Lawrow.

Man braucht nicht zu glauben, man hätte Hitler etwas anbieten können, damit er seinen Vernichtungsfeldzug stoppt. Auch das hätte nicht funktioniert. Und ebensowenig dürfte das bei Putin klappen, denn es gibt ja mittlerweile doch einige Parallelen zwischen Putin und Hitler. Faschistische Diktatur, Gleichschaltung der Medien, Repression im Inneren, vielleicht sogar mittlerweile auch der berechtigte Vorwurf des Völkermordes, der auf Hitler auf jeden Fall zutraf, bei Putin vielleicht auch zutrifft, wenn man sich einmal anschaut, wie russisches Militär bewusst zivile Ziele immer wieder bombardiert und wenn man sich anhört, dass aus Putins Sicht offenbar die Ukraine ja gar nicht existiere – und dementsprechend auch kein Recht habe, zu existieren.

Desweiteren, was sollte man Putin anbieten?

Der Westen kann ihm überhaupt nichts anbieten, zumindest nichts, was ukrainisches Land betrifft, kann er doch über die Ukraine nicht verfügen.

Und auch die Ukraine wird ihm sicherlich nichts anbieten. 2014 hatte sich Russland militärisch die Krim und Donezk und Luhansk angeeignet, aber das hieß nicht, dass damit Schluss gewesen wäre. Der Krieg ist neu aufgenommen worden von Russland, obwohl das russische Militär faktisch diese Regionen okkupiert hatte. Nun soll Putins Krieg offensichtlich die ganze Ukraine überziehen und erobern.

Und danach, so hörte man von Putin im Vorfeld des Krieges, sei Putin auch noch an Polen und dem Baltikum interessiert. Das Sprachrohr Putins, Medwedew, sprach kürzlich sogar davon, ein „offenes“ Eurasien von Wladiwostok bis nach Portugal zu realisieren. In diesen Zeiten, in denen Russland komplett isoliert ist durch westliche Sanktionen, muss man derlei Äußerungen wohl militärisch verstehen.

Nicht der Westen entscheidet, ob der Krieg eskaliert. Einzig Putin entscheidet darüber. Deswegen macht es Sinn, die Ukraine so zu unterstützen, dass der Krieg nach Möglichkeit über die Ukraine nicht hinausgeht. Einerseits der vielen ukrainischen Menschen wegen, andererseits auch, um einen gesamteuropäischen Krieg zu verhindern. Wenn das russische Militär in der Ukraine aufgerieben worden ist, dürfte Putins Appetit auf weitere Länder doch recht gering ausfallen.

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