Und falls Putin durchdreht? Eine Analyse und ethische Einschätzung

Was, wenn Putin sich durch die westlichen Sanktionen und Waffenlieferungen immer weiter in die Enge getrieben sieht, weil er merkt, dass er seine Machtposition, sein Präsidialamt in Russland nicht mehr wird halten können, dass er bald abgesägt werden dürfte?

Was, wenn er nuklear (re)agieren würde?

Dann muss man sagen: dann ist es eben so. Dann erfolgt der Gegenschlag der NATO ein paar Minuten später, sämtliche strategischen Ziele in Russland werden atomar pulverisiert werden. Eine schreckliche Vorstellung. Apokalypse. Das ist die fürchterliche Logik von Atommächten.

Aber was wäre die Alternative? Die Alternative wäre, all das, wofür der Westen steht, aufzugeben. Die Alternative wäre, Putin weiterhin Völkerrecht brechen und in der Ukraine wüten zu lassen, die Alternative wäre, zu akzeptieren, dass er auch in Polen und im Baltikum einmarschiert, vielleicht auch in Tschechien und Ungarn, und wenn er dann schon einmal so weit wäre, weil man ihn ja nicht reizen will, könnte er sich auch Deutschland nehmen. Eigentlich die ganze EU.

Wenn man einmal nachgibt, so die Erfahrung mit Hitler im letzten Jahrhundert, muss immer weiter nachgeben, bis man schließlich mit dem Rücken an der Wand steht und zerquetscht wird. Irgendwann muss man Widerstand leisten, irgendwann kann man sich nicht mehr neutral verhalten.

Drum: Es gibt keine Alternative zu den Sanktionen und der militärischen Unterstützung des Westens für die Ukraine. Manchmal muss man kämpfen für die Demokratie, den Rechtsstaat, das Völkerrecht. Manchmal muss man kämpfen, wenn man den Frieden will. Frieden gibt es nicht kostenlos, billig gab es ihn noch nie.

Und übrigens: Einige der Mitläufer Putins dürften sich bereits auch von ihm heimlich hinter seinem Rücken distanzieren und Überlegungen dahingehend stellen, wie sie dieses gewaltige Problem für Russland mit Namen Putin loswerden können. Und ja, wir sind nun alle im Krieg. Denn Krieg bedeutet auch immer: Psychokrieg.

Auf jeden Fall bereitet Putin durch seine Aktionen, die Russland komplett in die Isolation geführt haben, vermutlich gerade einen Staatsstreich gegen sich selbst vor. Seine Tage dürften gezählt sein.

Aber zur Beruhigung: Putin, ehemaliger KGB-Offizier, Machtmensch, der sich seit 22 Jahren mit äußerst brachialen und repressiven Mitteln an der Macht hält, gibt nicht einfach klein bei und will auch seinen Reichtum und seine Macht nicht verlieren. So jemand kämpft bis zum Schluss und stirbt dann in den Stiefeln. Oder wird dem internationalen Gerichtshof übergeben. Aber alles, was ihn ausmacht, atomar zu vernichten, das dürfte selbst für ihn unlogisch erscheinen.

Lesen Sie auch: Putins atomare Drohung – Die Mad-Man-Theorie

Ein Gedanke zu “Und falls Putin durchdreht? Eine Analyse und ethische Einschätzung

  1. Der Kernfehler der deutschen Gesinnungsweltmeister besteht darin, Putin wie ein kleines Kind oder einen Wahnsinnigen einzuschätzen.
    Dieser Mann handelt hochgradig rational. Im Gegensatz zu unseren eigenen Politiker*:Innen.

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