Abtreiben in Texas. Ein leicht frauenfeindliches Gesetz

In Texas ist das umstrittene Herzschlaggesetz wieder in Kraft, das es einer schwangeren Frau verbietet, einen Fötus abzutreiben, sobald der Herzschlag messbar ist, was normalerweise etwa in der 6. Schwangerschaftswoche der Fall ist, zu einem Zeitpunkt also, bei dem offensichtlich mehrere Frauen noch nicht wissen, dass sie schwanger sind. Und wenn sie es danach wissen, dürfen sie es nicht mehr. Dabei ist in dem Gesetz egal, welche Gründe die Frau für eine spätere Abtreibung hätte.

Zudem darf in Texas jede Privatperson, die irgendwie mitbekommt, dass eine Frau nach diesen sechs Wochen abtreiben will, zivilrechtlich gegen so eine Frau vorgehen.

Unklar ist bislang, ob beispielsweise jemand, der vermutet, dass seine Nachbarin eine Hexe sein könnte, diese ebenfalls zivilrechtlich verfolgen kann, um ihr die Möglichkeit zu geben, ihre Unschuld auf dem Scheiterhaufen zu beweisen.

Aufgrund der Natur der Sache gilt das Herzschlaggesetz natürlich zunächst einmal nur für schwangere Frauen. Männer hingegen, die in ihrem Körper irgendwas entdecken, was dort nicht sein sollte, brauchen nicht innerhalb von sechs Wochen darauf zu reagieren, zumal sie ohnehin in aller Regel nur sehr sporadisch zum Arzt gehen, sondern können sich auch irgendwann später diesbezüglich behandeln lassen.

Es ist nun die Frage, ob ein gewisser Tourismus von Texas in andere Länder einsetzt, wenn Frauen schwanger geworden sind, aber aus nachvollziehbaren und gewichtigen Gründen die Schwangerschaft abbrechen müssen, oder ob es nun vermehrt Todesfälle von schwangeren Frauen (und ihrer ungeborenen Kinder) gibt, die sich von irgendwelchen Quacksalbern in geheimen Hinterzimmern behandeln lassen.

Des weiteren ist die Frage, ob Kinder, die komplett ungewollt zur Welt kommen, beispielsweise, weil die Frauen mit ihnen überfordert sind, weil sie kein Geld haben und somit keine Zeit, sich um die Kinder zu kümmern, oder weil sie vielleicht vergewaltigt worden und nun schwanger geworden sind, ob diese Kinder dann irgendwo in einem liebevollen Umfeld aufwachsen, oder vielleicht doch in der Anonymität eines Waisenhauses, wo sie möglicherweise, wenn die Pädagogik dort nicht allzu gut ist, zu einer Generation heranreifen, die in vielerlei Hinsicht problematisch sein könnte.

Nun ist der Gedanke, ungeborenes Leben im Körper zu schützen, natürlich prinzipiell ein zutiefst unterstützenswerter und ethischer Gedanke, allerdings darf er nicht komplett gegen die Würde und Selbstbestimmung der Frau ausgespielt werden. Wenn eine Frau sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entscheidet, dürfte das in aller Regel keine leichtfertige Entscheidung sein, zumal einem solchen Vorgehen ja noch eine verpflichtende psychologische Beratung vorgeschaltet werden könnte. Aber wenn eine Frau dann aus verschiedenen und gewichtigen Gründen zu dem Schluss kommt, dass sie mit dieser Schwangerschaft überhaupt nicht zurechtkommt, ist es auch wichtig, die Frau und ihr Recht über ihren eigenen Körper zu respektieren.

Das Hauptproblem an dem texanischen Gesetz ist also nicht, das es Schwangerschaftsabbruch verbietet, sondern dass es ihn nach so kurzer Zeit verbietet, die für viele Frauen zu kurz sein dürfte.

In Deutschland kann eine schwangere Frau nach gesetzlich vorgeschriebener Beratung bis zur 12. Schwangerschaftswoche eine Abtreibung vornehmen lassen, unter besonderen Bedingungen sogar bis zu 22. Schwangerschaftswoche.

Genaueres kann man hier nachlesen.

2 Gedanken zu “Abtreiben in Texas. Ein leicht frauenfeindliches Gesetz

  1. je konservativer eine Regierung, je frauenfeindlicher scheinen ihre Gesetze zu sein. Deshalb stelle ich mir immer wieder die Frage, warum die Konservativen sich so gern an den Frauen „abarbeiten“ um sich die Kraft und die Macht zu beweisen.

    In der DDR aufgewachsen. musste ich mich nicht damit auseinander setzen. Anfang oder Mitte der 70iger Jahre konnte man schon über Abtreibung, ja oder nein, entscheiden und solch eine Entscheidung ist wirklich nicht einfach. In einer ehelichen „Schieflage“ entschied ich mich auch gegen ein Kind. es sollte nicht in ein Scheidungschaos hinein geboren werden. Und weil ich auch spirituell veranlagt war und bin, glaubte ich das Richtige zu tun. Das ungeborene Kind wird es mir verzeihen, so hoffte ich. Und siehe da, als Kinder gar nicht mehr auf meinem Lebensplan standen, erschien noch ein Nachkömmling, den ich mir offenen Armen empfing 😁😍. Mein Leben hatte ich nach der Schieflage wieder neu ausgerichtet und ich konnte Liebe für das Kind aufbringen, die es wie Essen und Trinken auch zum wachsen und gedeihen braucht. Zum Glück hatte ich jedes mal die Wahl

    Ums so mehr finde ich es schlimm, dass in manchen Ländern die Frauen nicht die Wahl per Gesetz haben. Kinder, die nicht in Liebe geboren und aufgezogen werden können, sind latent in Gefahr, selber im Leben zu straucheln oder zu verrohen. Sicher trifft es nicht für alle ungewollten Kinder zu, doch für viele schon.

    Ich glaube, Polen zieht das auch durch und die Frauen dürfen nicht abtreiben. Wahrscheinlich werden sie sich, wie du schon schreibst, illegal von der ungewollten Schwangerschaft befreien und das unter Gefahr für ihr eigenes Leben. Wer keinen Ausweg sieht, geht auch gefährlich Wege.

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    1. Vielen Dank für deinen Beitrag! Ja, ich denke auch, es ist für eine Frau ohnehin eine schwere Entscheidung und auch in aller Regel sicherlich gut durchdacht. In Deutschland ja zudem mit einer verpflichtenden psychologischen Beratung kombiniert, die möglicherweise noch neue Aspekte oder Wege aufzeigen kann. Und wenn sich eine Frau dann aber trotzdem für einen Schwangerschaftsabbruch im Rahmen der gesetzlichen Gegebenheiten entscheidet, dann liegt diese Entscheidung auch in der Selbstbestimmung und Würde der Frau. Es ist wirklich schwierig, wenn Regierungen wie in Texas hier versuchen, Frauen in dieser Art und Weise zu behandeln. Oder scheinbar auch in Polen, wobei ich über die dortige Diskussion gerade nicht allzu gut informiert bin.

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