Geschäftsmäßige Sterbehilfe in Deutschland. Ein problematischer Denkansatz.

Vor etwa einem Jahr entschied das Bundesverfassungsgericht, dass in Deutschland prinzipiell geschäftsmäßige Sterbehilfe zulässig ist. Allerdings müsse die Politik dafür entsprechende Regelungen auf den Weg bringen.

Auf dem Weg gebracht wurden diese Regelungen von der Politik bisher offensichtlich nicht.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland, die evangelische und die katholische Kirche, lehnen zurecht eine geschäftsmäßige Sterbehilfe ab, so wie auch generell Sterbehilfe. Sie verweisen darauf, dass stattdessen mit palliativen Maßnahmen Sterbebegleitung geleistet werden soll und muss.

In der Tat ist die Diskussion eine seltsame. Denn wozu braucht man eine offizielle Regelung, wenn schwerkranke Menschen sich in aller Regel theoretisch selbst töten könnten? Sofern Menschen, die eine sehr schwere Erkrankung haben und vielleicht unheilbare Schmerzen, die auch durch Palliativmedizin nicht beseitigt werden könnten, was aber normalerweise palliativ durchaus möglich ist, könnten sich beispielsweise selbst durch das Aufschneiden der Blutadern relativ unproblematisch und wohl auch ohne großes Leiden vom Leben in den Tod befördern. Sie würden aufgrund des Blutverlusts einfach einschlafen. Allerdings wäre die Unordnung im Krankenbett, überall das rote Blut, natürlich erschreckend, nicht zuletzt für denjenigen, der sich dort aus dem Leben in den Tod bringen wollte.

Stattdessen besteht aber offensichtlich der Wunsch dieser Menschen, lieber eine tödliche Pille oder Injektion zu erhalten, nach welcher man dann einschläft.

Hier ist die Sichtweise derjenigen Menschen, die eine solche Vorgehensweise bevorzugen, nicht ganz ehrlich. Denn Einschlafen ist ein Euphemismus für Sterben. Wer eine tödliche Pille oder Injektion erhält, schläft primär nicht ein, zuvörderst stirbt sie oder er.

Sich dagegen auf dem zuvor beschriebenen Weg selbst aus dem Leben zu befördern macht demjenigen Menschen, der dies vorhat, hingegen deutlich, dass es um etwas völlig und absolut Existenzielles geht, was er dort vorhat. Nicht einfach ein Einschlafen, sondern ein Schritt in den Tod, ein Schritt ins Ungewisse, ein Schritt in eine mögliche Nicht-Existenz. Und es ist die Frage, ob man diese Dramatik durch eine Pille oder eine Injektion kaschieren und beseitigen sollte, denn dadurch wird eigentlich eine Art heile Welt vorgegaukelt, die so überhaupt nicht existiert, man schlafe ja nur ein, obwohl man in der Tat in den Tod schreitet.

Sterbehilfe ist somit ein Euphemismus für den Tod und auch in dieser Hinsicht durchaus problematisch. Der Tod ist nach wie vor das große existenzielle und finale Drama des Menschen, der auch durch eine Pille oder Injektion nicht viel von seinem Schrecken verliert. Wenn ein Mensch stirbt, schläft er nicht einfach nur ein, sondern es stirbt mit ihm ein ganzes Universum an Erinnerungen und Beziehungen. Der Tod ist eine Unverschämtheit, eine Unglaublichkeit, ein essentieller Schrecken, und keine Pille oder Injektion dieser Welt kann daran etwas ändern. Wer anderes behauptet oder postuliert, argumentiert wahrheitswidrig.

Zwar gibt es die christliche Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, aber solange man im Leben ist, sollte man das Leben befürworten, nicht den Tod. Gott ist es, der das Leben schenkt und der es nimmt, nicht der Mensch.


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