Sollte ein Spitzenpolitiker Schlüsselqualifikationen haben?

Nicht erst seit Donald Trump stellt sich die Frage, ob es eine allzu gute Idee ist, dass in einer Demokratie jeder ohne weitere Vorbedingungen beispielsweise das höchste Amt im Staat übernehmen kann, nur, weil eine große Anzahl von Menschen denjenigen für geeignet hält.

Nun ist es natürlich ein demokratisches Prinzip, dass die Mehrheit entscheidet, und dieses Prinzip soll hier auch überhaupt nicht in Abrede gestellt werden. Die Demokratie ist natürlich die beste aller möglichen Staatsformen.

Sie kann jedoch auch konterkariert werden, wenn Menschen das jeweils höchste Amt in einem Land auf demokratischem Weg erhalten, dann dort aber ihr eigenes charakterliches Wesen so offenbaren, dass klar wird, dass sie fortan von der Demokratie nicht mehr allzu viel halten und wissen wollen.

Wenn man in einen Bus steigt, geht man davon aus, dass der Busfahrer einen Führerschein gemacht hat und tatsächlich den Bus auch verantwortlich steuern kann. Dasselbe erwartet man, wenn man zu einem Arzt geht oder sich im Krankenhaus operieren lässt. Ganz besonders dann, wenn man beispielsweise in ein Flugzeug steigt, ist dieses berechtigte Vertrauen unerlässlich.

Auch hier könnte es natürlich ein Indiz für die Eignung des jeweiligen Busfahrers, Arztes oder Piloten sein, dass viele Menschen ihn für kompetent halten. Eine Garantie für dessen tatsächliche Kompetenz ist das aber noch nicht. Deshalb muss ein Busfahrer einen Bus-Führerschein machen, ein Arzt eine lange Ausbildung, die er mit Examina abschließt und ein Pilot muss ebenfalls einen Pilotenschein machen und immer wieder Trainingseinheiten im Simulator absolvieren und auch bestehen, um weiterhin ein Flugzeug mit vielen Insassen steuern zu können und zu dürfen.

Nur Menschen, die als Spitzenpolitiker ein Land führen, brauchen derlei nicht. Weshalb eigentlich nicht?

Vielleicht wäre es eine gute Überlegung, wenn derlei Politiker auch in gewissen Kursen und möglicherweise wiederkehrenden Prüfungen daraufhin getestet werden würden, ob und dass sie dem Amt auch gewachsen sind. Dies würde implizieren, dass nach wie vor jeder Mensch, der in einer Demokratie lebt, jeder Bürger und jede Bürgerin, sich weiterhin zu jedem Amt wählen lassen könnte. Aber jeder müsste eine Qualifikation dafür nachweisen und für das Amt – vielleicht durch entsprechende Kurse – vorbereitet werden. Denn ein Busfahrer oder ein Pilot hat eine Verantwortung für vielleicht 30, 50, 100 oder 300 Menschen. Der Chef eines Landes aber übernimmt eine Verantwortung für Millionen Menschen.

Wenn wir nach Großbritannien schauen, sehen wir einen leicht erratisch wirkenden Boris Johnson, der seinem Volk immer noch zu verkaufen versucht, dass der Brexit ein Gewinn für das Land sei. Blicken wir in die USA, sehen wir einen scheidenden Präsidenten, der die Coronapandemie komplett verschlafen hatte, weil er sie möglicherweise intellektuell nicht begreifen konnte. Und das sind nur zwei Beispiele, weltweit gibt es sicherlich weitere.

Wer eine so große Verantwortung hat, dass er sich um Millionen von Menschen kümmert, sollte ähnlich wie ein Pilot oder Busfahrer auf eine entsprechende Qualifikation hin vorbereitet und immer wieder überprüft werden. Jeder Bürger dürfte weiterhin jedes Amt und jeden Posten im Land auf demokratischem Wege anstreben, aber die Bürger eines Landes müssten auch darauf vertrauen dürfen und können, dass derjenige, der diesen Posten dann irgendwann innehat, mit dem Land und den Menschen verantwortungsvoll umgehen kann, weil er gelernt hat, verantwortlich zu handeln.

Die Demokratie ist die beste aller Staatsformen. Noch ein bisschen besser könnte sie werden durch eine garantierte Qualifikation der jeweiligen Akteure.

In Deutschland kann man von Glück reden, dass die jeweiligen politischen Akteure im Großen und Ganzen derzeit tatsächlich ihrer Aufgabe gewachsen zu sein scheinen. Und im Prinzip ist es natürlich auch eine Möglichkeit, wenn der Wähler nach ein paar Jahren einen Politiker, der sich als unfähig erweisen sollte, wieder abwählt. Allerdings sind dann ein paar Jahre ins Land gegangen, in welchem im Lande einiges schief gelaufen sein könnte. Besser als dieses try and error Spiel wäre es deswegen wohl, von vornherein auf die jeweilige Qualifikation zu achten und dafür zu sorgen, dass Menschen, die hohe Ämter übernehmen, zusätzlich – beispielsweise durch Kurse, an denen sie teilnehmen und die sie absolvieren müssen – auch qualifiziert werden.

Alternativ zu derartigen Kursen und Qualifikationen könnte auch eine gewisse mehrjährige politische Erfahrung in politischen Ämtern als Voraussetzung gelten.

Die Frage lautet also: soll jemand, der politisch eine große Verantwortung hat, qualifiziert sein, oder soll es ausreichen, dass er behauptet, er sei qualifiziert?

Denken Sie das nächste Mal darüber nach, wenn Sie im Flugzeug sitzen und der vermeintliche Kapitän sich aus dem Cockpit meldet und Sie begrüßt:

„Willkommen an Bord, ich fliege heute zum ersten Mal ein Flugzeug, ohne eine Ausbildung dafür zu haben, aber seien Sie ganz ohne Sorge! Ich habe ein gutes Gefühl dabei und bin absolut zuversichtlich, ich bekomme das bestimmt hin!“

2 Gedanken zu “Sollte ein Spitzenpolitiker Schlüsselqualifikationen haben?

  1. Fisch: „Nun ist es natürlich ein demokratisches Prinzip, dass die Mehrheit entscheidet“

    Hier liegt ein Mißverständnis vor. Wir leben hier
    in einer repräsentativen Demokratie. Das heißt:

    Das Parlament – also die von uns in die Parlamente
    ABGEORDNETEN entscheiden, nicht die Mehrheit.

    Die Mehrheit wählt die Abgeordneten, weiter nichts.

    🌿

    Fisch: „Die Demokratie ist natürlich die beste aller möglichen Staatsformen“

    Wieso „natürlich“?

    Keine Regierungsform ist eine natürliche.
    Alle derartigen Formen sind gesetzte, also auch modifizierbar.

    Die Gesellschaft, in der wir gerade leben,
    bevorzugt die Form, die uns aktuell vertraut ist.

    Doch alle Formen unterliegen einer ständigen Wandlung.

    Keine Regierungsform ist für alle Zeit in
    Stein gemeißelt. Alle Formen sind auf Zeit.

    Und nein, „die beste Staatsform“ gibt es nicht. Alle
    Staatsformen bedürfen gelegentlich der Modifikation.

    So sich die Reife der Gesellschaften verändert,
    müssen sich auch die Staatsformen verändern.

    Andernfalls gibt es Rebellion oder gar Revolution.

    Intelligent geführte Staatsformen
    passen sich sukzessive dem Bedarf an.

    In unserem Fall braucht es nun
    die Echte (!) Bürgerbeteiligung.

    Näheres dazu hier:
    https://nirmalo.wordpress.com/category/buergerbeteiligung/

    🌿

    Fisch: „soll jemand, der politisch eine große Verantwortung hat, qualifiziert sein, oder soll es ausreichen, dass er behauptet, er sei qualifiziert?“

    Zur Frage nach der Eignung der Politiker:
    https://nirmalo.wordpress.com/eignung/

    Liken

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