Die Pandemie und die Schicksalsgemeinschaft

Am Mittwoch kommt der Lockdown bzw Shutdown in Deutschland. Die Infektionszahlen sind nach wie vor sehr hoch und die Frage steht im Raum, warum.

Im November bis jetzt hatte einen sogenannter leichter Lockdown gegolten, der aber nicht die gewünschten Resultate gebracht hatte. Zwar ist die Zahl der Neuinfektionen nicht exponentiell gewachsen, aber sie ist auf hohem Niveau in etwa gleich geblieben. Und hohe Infektionszahlen bedeuten, dass die Pandemie jederzeit außer Kontrolle geraten könnte, zumal die Gesundheitsämter in Deutschland mit der Nachverfolgung der Neuinfektionen ohnehin nicht mehr hinterher kommen.

In Deutschland spürt man nun, was man in anderen Ländern vermutlich auch schon gespürt hatte, dass man eine Art Schicksalsgemeinschaft bildet, ob man nun will oder nicht. Zwar kennt man auch in Deutschland dieses Gefühl vom Frühjahr schon, als die erste Welle der Pandemie über das Land rollte, aber nun ist die Möglichkeit zu einer Expansion der Pandemie in erhöhtem Maße gegeben, so dass einzelne Menschen sich dieser Gewalt viel stärker ausgeliefert fühlen können.

Auf der einen Seite gibt es diejenigen Menschen, die sich verantwortlich verhalten. Oder genauer gesagt, die sich verantwortlich verhalten können. Denn nicht jeder kann das. Viele Menschen müssen die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen, viele Menschen müssen in öffentlichen Bereichen arbeiten, viele Menschen können es sich nicht aussuchen, wie viele andere Menschen sie um sich herum sehen, zumindest nicht, wenn sie in der Arbeit sind.

Dann aber gibt es noch diejenigen Menschen, die offiziell und lauthals die Pandemie leugnen und ignorieren, auch wenn dies verhältnismäßig wenige Menschen sind. Zu dieser Gruppe gehören Menschen, die auf Demonstrationen gehen, dort keinen Mund-Nasen-Schutz tragen und den Mindestabstand nicht einhalten. Man muss davon ausgehen, dass dort eine ganze Menge von Neuinfektionen stattgefunden haben könnte.

Die Schicksalsgemeinschaft besteht nun also aus denjenigen Menschen, die aufgepasst haben und aufpassen, und aus denjenigen, die sich, wissentlich oder unwissentlich, rücksichtslos verhalten. Und sie besteht aus Menschen, die bereits Opfer zu beklagen haben, bei denen also Menschen, mit denen sie vertraut waren, an den Folgen einer Covid-19 Erkrankung gestorben sind.

Diese Schicksalsgemeinschaft dürfte einerseits ein gewisses Gemeinschaftsgefühl hervorrufen, wie auch schon im Frühjahr. Andererseits steht aber auch eine gewisse Wut als Folge von Verzweiflung im Raum, die Wut derjenigen Menschen, die aufpassen, sich selbst und anderen Menschen nicht zu Schaden, auf diejenigen Menschen, die das vermeintlich oder realiter nicht tun.

Wenn man nun gedanklich also andere Menschen in die eine oder andere Gruppe einordnet, sollte man jedoch im Hinterkopf haben, dass nicht jeder Mensch verantwortlich handeln kann, weil die Umstände es eben manchmal nicht zulassen. Denken wir beispielsweise an die Nahverkehrsmittel. Von daher ist die Wut eine, die sich gegen eine imaginäre Gruppe von Menschen richtet, welche man nicht genau fassen kann. Denn selbst, wenn jemand auf einer Anti-Corona-Demo anwesend gewesen sein sollte, muss er nicht unbedingt in das Raster passen, das man ihm gerne überwerfen würde. Andererseits kann er aber auch genau in dieses Raster passen.

Die Schicksalsgemeinschaft in Deutschland aus Menschen, die acht geben und aus Menschen, die das nicht tun oder tun können, geht nun in den Shutdown. Möglicherweise sinken nun tatsächlich die Infektionszahlen und die teilweise aufgeheizte Stimmung kann sich etwas beruhigen. Denn beide Gruppen dürfte letztlich ein und dieselbe Angst einen, die Angst nämlich, der Pandemie ausgeliefert zu sein. Die eine Gruppe reagiert darauf vernünftig und hält sich an die Hygieneregeln, die andere Gruppe versucht, ihre Angst durch Ignoranz zu beseitigen, was psychologisch gesehen nur so lange klappt, solange man selbst und die Menschen, die einem wichtig sind, nicht erkranken. Der Leugnung der Pandemie sind also Grenzen gesetzt.

Hoffen wir, dass die Vernunft und die Nächstenliebe, die auf die Mitmenschen achtet, weiterhin die Überhand im Land behalten. Und hoffen wir, dass die Infektionszahlen durch den Shutdown tatsächlich sinken werden.

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