Ja, natürlich dürfte man. Denn eine Spende ist etwas Freiwilliges. Sie verpflichtet einen zu nichts.
Dennoch würde einen eine solche Spende sicher innerlich verändern, man würde wohl große Dankbarkeit empfinden. Und man würde sich vielleicht in der Folge überlegen, auch Organspender zu werden, wenngleich das dann wahrscheinlich überhaupt nicht mehr möglich wäre, weil man ja selber nicht mehr bei bester Gesundheit wäre, wenn man erst einmal ein Spenderorgan braucht.
Und ja, man kann natürlich ebenso gut aus prinzipiellen Gründen sagen, dass man ein potenzieller Organspender sein möchte für Andere, aus Gründen der Nächstenliebe beispielsweise.
Dennoch muss es genauso legitim sein, wenn jemand, der stirbt, es nicht möchte, dass dann schon die Ärzte und Geräte bereitstehen, um irgendwann, wenn der Hirntod eingetreten ist, Organe zu entnehmen. Es muss in Ordnung sein, wenn jemand einfach in Ruhe sterben möchte, ohne daran denken zu müssen, dass seine Organe danach vielleicht irgendwie anderweitig verwertet werden. Glücklicherweise ist es ja nach wie vor legitim, so zu sterben, wie man möchte und über seinen Körper so zu verfügen, wie man selber es will. Denn es ist ja der eigene Körper, auf den der deutsche Staat nicht durch einen Automatismus einen Zugriff hat.
Aus ethischer Sicht ist also beides völlig in Ordnung, dass man sich einerseits vielleicht für die Organspende entscheidet, andererseits sagt, man möchte dies nicht machen. Denn man soll den Nächsten lieben wie sich selbst, so sagte es Jesus. Das bedeutet einerseits, dass man den Nächsten liebt. Das bedeutet andererseits aber genauso, dass man sich selbst liebt.



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