Wer will Waldkindergärten?

Wenn ich selten mit dem Fahrrad mal durch diesen Wald fuhr, mit ein paar Freunden, wusste einer immer zu berichten von einem Waldkindergarten, der dort beheimatet ist.

Gestern hörte ich von einer Mutter, allerdings um ein paar Ecken, deren Nachbarn ihren Sohn in einen sogenannten Waldkindergarten gegeben hatten.

In der Früh fuhren sie ihn mit dem Fahrrad dorthin, in einem Anhänger, wenn sie ihn gegen 17 Uhr wieder abholten, schlief er sofort ein und schlief bis zum nächsten Morgen durch. So erschöpft war er.

Im Waldkindergarten ist man, wie schon vermutet, immer draußen, meistens im Wald. Man sieht es den Kindern dort an, sie sind irgendwie etwas zerzaust. Ruhe haben sie nicht, offenbar deswegen, weil sie dort draußen ständig unterwegs sind. Feinmotorische Fähigkeiten haben sie auch nicht entwickelt, weil sie ja nie Zeit haben, beispielsweise mit Papier mal etwas zu basteln. Und auch keine Möglichkeit dazu. Wenn es kalt ist, – 10 Grad oder -20 Grad, unternehmen sie irgendetwas in der Stadt, um in einen warmen Raum gehen zu können, vielleicht einen Museumsbesuch. Denn im Wald gibt es nur den Wald, aber keinen Rückzugsort. Zudem muss man den Kindern meistens eine zweite und eine dritte Garnitur Schuhe bzw Stiefel mitgeben, wenn die erste und zweite nämlich nass geworden ist. Und Regenhosen dürfen die Kinder auch nicht tragen, denn sonst könnten sie nicht alleine auf die „Toilette“ gehen, im Wald. Denn die Erzieher dürfen die Kinder ja nicht anfassen, um sexuellem Missbrauch vorzubeugen. Wobei, im Wald, wer wäre schon dort, um zu sehen, was dort läuft? Man muss schon ziemliches Gottvertrauen haben und ziemliches Vertrauen in das Gute im Menschen, um sein Kind dort mit hinauszuschicken. Tagein, tagaus.

Ein Leben mit Pilzen, Bäumen, Vögeln, Füchsen und Zecken. Mit Sonne, Regen, Nebel und Schnee.

Wer sein Kind in den Wald schickt, ist vielleicht kein Waldschrat. Vielleicht ist er aber verklärt von der Vorstellung einer scheinbar wunderbaren und harmonischen Natur, in welcher das kleine Kind, 3-jährig, 4 jährig, 5 jährig vielleicht, dann tagein, tagaus, ungefragt und bei jedem Wetter leben und überleben muss. Während er im trockenen Büro sitzt und von der unverfälschten Natur träumt. Und sich die Heizung aufdreht.


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