Nach dem Beschluss, dass in Bayern künftig im Eingangsbereich von öffentlichen Behörden jeweils ein Kreuz hängen soll, gab es erstmal mächtig Wind von verschiedenen Seiten. Nicht zuletzt von der katholischen Kirche.
Ist aber irgendetwas schlimm an dem Symbol des Kreuzes?
Ursprünglich war es ein Folterinstrument der Römer, um unterworfene Völker einzuschüchtern. Es war auch trotz und wegen Jesu Tod am Kreuz immer noch ein Folterinstrument, einerseits. Doch durch Jesu Auferstehung wurde es das Zeichen der Hoffnung und das Zeichen dafür, dass Gott sich in der Welt gezeigt hatte. Und zwar nicht als mächtiger Imperator, sondern als zerbrechlicher Mensch, der von seiner göttlichen Macht keinen Gebrauch machte, sondern lebte, wie ein gewöhnlicher Mensch. Und litt und starb. Und dann allerdings wieder auferstand.
Das Kreuz wurde seitdem nicht mehr als Folterinstrument verstanden, sondern als Symbol für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod und als Symbol dafür, dass wir Menschen nun ein wenig mehr verstehen können, wer Gott ist und wie man ihm entsprechend sein Leben führen könnte oder sollte.
Am Kreuz hängen auch ethische Vorstellungen, die bereits im Buch Genesis, der jüdischen Tora also, grundlegend vorgestellt werden. Der Mensch wird dort als Ebenbild Gottes erschaffen. Im Laufe der biblischen Erzählungen gibt es auch immer wieder Menschen, die es vielleicht nicht immer schaffen, so zu leben, wie sie eigentlich sollten, die aber dennoch ihren Glauben an Gott nicht aufgeben und von ihm auch nicht im Stich gelassen werden. Paulus war zunächst einmal ein radikaler Christenverfolger, bevor er sich innerlich um 180 Grad drehte und einer der glühendsten christlichen Missionare wurde.
In Jesus findet sich schließlich eine Person, die sowohl als wahrer Mensch gesehen wird, deren Leben und Taten aber nur verständlich sind, wenn man in ihr auch den wahren Gott sieht. Jesus und das Kreuz sind eng verbunden.
Und natürlich haben diese Vorstellungen der Bibel, die christlich gesehen in Jesus ihren Höhepunkt finden, die Kultur geprägt. Seit der Entstehung des Christentums.
Das Kreuz steht für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tode, es steht für die Gleichberechtigung aller Menschen, die alle Ebenbilder Gottes sind, es steht für Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstannahme und sogar für die Feindesliebe.
Es ist religiöses Symbol, aber auch genauso mittlerweile und seit Jahrtausenden schon ein kulturelles Symbol. In Europa und weit darüber hinaus war und ist es stark kulturprägend.
Wenn man ein also Kreuz aufhängt, auch in öffentlichen Bereichen oder Institutionen, heißt das, dass man zu oben genannten Werten Ja sagt. Es ist eine Zielvorgabe für diese Werte, unabhängig davon, ob diese Werte momentan erreicht sind oder je völlig erreichbar sind. Und unabhängig davon übrigens, wer es aus welchen Gründen auch immer aufhängt. Ein Ja zum Kreuz ist ein Ja zu diesen Werten.
Gerade als Christ braucht man sich in diesen Tagen nicht in vermeintlicher Hyper-Toleranz zu üben und gegen das Aufhängen des Kreuzes sein. Normale Toleranz gegenüber anderen Religionen und Andersdenkenden reicht völlig. Aber die Werte, die mit dem Kreuz verbunden sind, darf man gerne weiterhin unterstützen und sich freuen, wenn sie auch im Staate Widerhall finden. Der Aufschrei gegen das Aufhängen des Kreuzes gerade auch von manch christlicher Seite ist mehr ein Zeichen der zeitgeistlichen Empörungskultur, als dass er inhaltlich gerechtfertigt wäre.



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