Kann man einem Fremden vertrauen?

Vielleicht kaufen Sie gerade ein Auto. Den Verkäufer kennen Sie nicht, er gibt sich aber sehr leutselig und sagt, Sie können mir auf jeden Fall vertrauen! Auch Ihnen sieht der Verkäufer irgendwie vertrauenswürdig aus. Sollen Sie also?

Oder eine andere Situation. Sie sind im Urlaub und jemand bietet Ihnen an, Ihnen den Weg zu zeigen und geht Ihnen vor. Die Gassen werden immer enger und dunkler und die Gegend immer schlechter. Sie fragen sich, wie konnte ich ihm bloß vertrauen? Komme ich hier heil wieder raus? Denn er sagte doch, ich könnte ihm vertrauen.

Was ist Vertrauen? Psychologisch betrachtet meint Vertrauen eine Zukunftsprognose des Verhaltens eines Menschen aufgrund seines bisherigen Verhaltens.

Das bedeutet, vertrauen kann man nur jemandem, dessen Verhalten man kennt, und zwar über lange Zeit. Dann erst kann man eine Zukunftsprognose abgeben, die auch treffsicher ist, wie er sich in Zukunft verhalten wird.

Einem Fremden kann man nicht vertrauen. Wenn man sagt, man vertraut ihm, dann ist dies eine Zukunftsprognose in sein Verhalten, die auf tönernen Füßen steht.

Wenn Sie sagen, Sie vertrauen einem Fremden, dann meinen Sie das Ganze volitativ, also als Absichtserklärung. Sie wollen ihm dann vielleicht vertrauen, obwohl Sie ihn nicht kennen und sein Verhalten auch überhaupt nicht einschätzen können, zumindest nicht über den Moment hinaus. Können tun Sie es aber nicht.


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Kommentare

6 Kommentare zu „Kann man einem Fremden vertrauen?“

  1. wenn man hin und wieder kein Vertrauen hätte, dann würde ja gar nichts mehr klappen

  2. Ja, das stimmt natürlich. Und meistens geht es ja auch gut.

  3. Ein ängstlicher Fisch sagt: „Einem Fremden kann man nicht vertrauen.“

    Quark. Denn nur so macht der Begriff „Vertrauen“
    überhaupt erst einen Sinn: Dem Fremden gegenüber.

    Einem Vertrauten gegenüber vertraulich sein hat
    mit Erfahrung und mit Sicherheitsdenken zu tun.

    Sicherheitsdenken ist das
    Gegenteil… von Vertrauen.

  4. Du sprichst dann hier aber von blindem Vertrauen – unüberlegtem Vertrauen.

  5. Fisch: „Du sprichst dann hier aber von blindem Vertrauen – unüberlegtem Vertrauen“

    Ich spreche von Vertrauen
    und nicht von Absicherung.

  6. Ich finde, dass Vertrauen und Verstand auch zusammengehören. Nicht nur, aber auch.

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