Es gibt gewisse Lebensberater in der Literatur, die meinen, man solle auf die Dinge verzichten, die einen nicht glücklich machen. Simplify your life, weniger sei mehr. Einerseits mag das stimmen. Andererseits ergeben sich dadurch gleich weitere Fragen. Deine Schuhe machen dich nicht glücklich? Dann weg damit! Deine Freunde machen dich nicht glücklich? Deine Familie? Dein Ehepartner? Deine Eltern? Hier merkt man, dass dieses Konzept im Grunde durchaus problematisch ist, wenn man es konsequent weiter denkt. Man sollte dem ein anderes Konzept entgegensetzen, welches wesentlich sinnvoller und näher am Leben dran ist. Deine Schuhe machen dich nicht glücklich? Dann kauf sie doch gar nicht. Überlege dir vorher, ob du sie haben magst. Deine Freunde machen dich nicht glücklich? Dann lernt sie doch erstmal kennen, bevor du sie als deine Freunde bezeichnest. Und überprüfe, ob es nicht etwas in dir selbst ist, was dich unglücklich werden lässt, ob es also wirklich die Freunde sind. Dein Ehepartner? Den hast du dir ebenfalls ausgewählt. Lerne, mit ihm zu leben und notfalls hol dir Hilfe in einer Psychotherapie. Dort kannst du lernen, wie du aus deinen bisherigen Verhaltensmustern ausbrechen kannst und neue Wege und neue Formen von Beziehung im Leben gehen kannst. Das Gleiche gilt für die Familie und die Eltern. Simplify your life klingt zu simpel, als dass dieses Konzept tragfähig wäre für das echte Leben. In Teilbereichen kann es natürlich sinnvoll sein, den Schreibtisch mal zu entrümpeln, den Kleiderschrank, vielleicht auch mal alte Schuhe wegzuschmeißen. Aber die Mentalität, die dem zugrunde liegt, sollte einmal gründlich hinterfragt werden. Die simplify your life Mentalität sollte nicht zu einem Götzen werden, die man künftig opfert.
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