Der Theologe Rudolf Bultmann (1884-1976) verzichtet auf „mythischen Wunderglauben“:
Er sieht es so: Jesus ist auferstanden – in die christliche Botschaft (Kerygma).
Die Auferstehung ist für ihn nicht ein wunderhaftes Geschehen, das nicht in unser Weltbild passt. Sondern: Jesus ist auferstanden in die Verkündigung von Gott als dem, dessen Macht in seiner Bereitschaft zu wehrloser Liebe bis in den Tod begründet ist.
Es ist damit gemeint, dass Jesus (und somit Gott höchstpersönlich) immer dann in besonderer Weise gegenwärtig ist, wenn Menschen die christliche Botschaft verkünden und nach ihr leben. Dann ist Gott ganz nah. Dann ist der “Himmel” schon ein Stück weit Realität auf der Erde.
Diese Vorstellung kann man gut nachvollziehen bei dem Bericht über die Emmausjünger. Zwei Jünger gehen nach Emmaus, ca. 2 Wegstunden von Jerusalem entfernt. Sie treffen einen Mann, der sich ihnen zugesellt und der ihnen die Botschaft Jesu auslegt:
27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in
der ganzen Schrift von ihm gesagt war.
28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich,
als wollte er weitergehen.
29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend
werden und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu
bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot,
dankte, brach’s und gab’s ihnen.
31 Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Und er
verschwand vor ihnen.
32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als
er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? (Quelle)
Die Jünger erkennen plötzlich, dass sich Jesus in diesem Mann zeigt, und zwar indem dieser Mann wie Jesus das Abendmahl vollzieht und ihnen zuvor die Heilige Schrift und die Geschehnisse um Jesus auslegt und erläutert.
Und: “er verschwand vor ihnen” plötzlich. Hier ist wohl nicht gemeint, dass er sich in Luft auflöste. Vielmehr geht es wohl darum, dass die Jünger Jesus in diesem Fremden erkennen,weil er handelt und spricht im Sinne der Botschaft Jesu. – Als er damit aufhört, verschwindet diese Wahrnehmung, dass Jesus gegenwärtig ist, wieder.
Dies heißt vermutlich nicht, dass Gott automatisch fern wäre, wenn man gerade mal nicht die christliche Botschaft kommuniziert.
Es heißt aber: Gott ist nah, wenn man im Sinne der christlichen Botschaft handelt und sie kommuniziert.
Jesus ist auferstanden – in die christliche Botschaft. Immer, wenn wir diese Botschaft verkünden, ist er ganz besonders nah bei uns, so nah, dass wir ihn fast spüren können – wenn wir genau hinspüren.




Kommentar verfassen