„Ich hätte nie gedacht, dass mir das passieren kann.“ Und plötzlich ist man mitten in einer Krise. Um einen herum türmen sich die Gefühle wie Gefängnismauern auf. Was jetzt? Warum passiert mir das? Ich habe doch keine Schuld daran. Und trotzdem fühle ich mich so schuldig. Was soll ich nur tun? Das alles macht mich einfach wütend. Wie kriege ich das alles nur sortiert?
Die Gefühle oben erinnern mich an die Mutter des fünfjährigen Kindes, von dem ich gestern gehört habe. Das Kind ist jetzt tot. Kaum war die Krankheit entdeckt worden, war es vorbei. Sie erinnern mich auch an eine andere Person, von der ich neulich gehört habe. Sie hat die Diagnose „Krebs“ erhalten.
Bei anderen sind es der verlorene Arbeitsplatz, die Schulden oder der Ehepartner, der einen verlassen oder betrogen hat. Oder man entdeckt plötzlich, dass man mit seinen Süchten und Ängsten nicht mehr fertig wird.
Anderen geht es eigentlich gut. Nennen wir sie einmal die Sunnyboys. Dennoch scheitern und verzweifeln sie an selbst gesteckten Zielen. Plötzlich entdecken sie sich in einem Loch der gefühlten Wertlosigkeit wider und wissen nicht mehr, wie sie aus diesem tiefen Loch herauskommen sollen.
Jeder der beschriebenen Fälle ist unterschiedlich. An dem verlorenen Arbeitsplatz tragen wir vielleicht eine gewisse Mitverantwortung während wir gegen einen Schicksalsschlag sicherlich nichts tun können. Doch das Ergebnis ist das gleiche: Wir sind in der Krise. Ein Gewirr aus Gefühlen und Dingen, die zu tun und erledigen sind, bedrängen uns. Die Krise stellt, ob laut oder kaum hörbar, die folgenden Fragen an uns:
- Wer bist du eigentlich? Was ist deine wirkliche Identität ?
- Was willst du (jetzt noch) ?
- Wo ist mein Platz, mein Halt und meine Sicherheit in diesem „Universum“ ?
Diese Fragen können uns helfen, eine gewisse Ordnung in unser Durcheinander zu bringen. Eigentlich sind es Fragen, die nach dem Sinn des Lebens fragen. Eine Krise kann uns also „helfen“ diese Frage neu zu beantworten.
Ausgehend von diesen Fragen hier ein paar praktische Schritte, wie wir mit einer Krise aus christlicher Sicht umgehen können.
- Eine Auszeit nehmen: Sich einfach fallen lassen, um das Wirrwarr etwas zur Ruhe kommen zu lassen. Vielleicht Gott oder Freunden einfach mal alles völlig unkontrolliert erzählen und so Ballast abwerfen.
- Seine eigene Identität neu festigen: Suchen Sie sich Aussagen in der Bibel, was Gott über sie sagt und denkt. Vielleicht mit Karteikarten ein paar dieser Aussagen notieren und täglich mehrmals durcharbeiten.
- Lobpreis machen: Beten Sie Gott an. Danken sie ihm für wer ER ist und lösen sie sich von ihrer aktuellen Situation. Machen Sie sich Gottes Charaktereigenschaften bewußt. Lassen Sie sich in diese Anbetung wie in ein tiefes Loch hineinfallen. Fangen Sie an, Gott inmitten dieser Situation zu danken, auch wenn es wie ein Irrschein erscheint. (Danket Gott in allen Dingen). Erinnern Sie sich an Dinge, wo Gott ihnen schon geholfen hat und wo kleine „Wunder“ in ihrem Leben geschehen sind oder wo Sie oder „Wunderschönes“ erlebt haben.
- Wieder aktiv werden: Egal wie sie sich fühlen, übernehmen sie wieder die Verantwortung für die kleinen Dinge in ihrem Leben. Vielleicht hilft es ihnen, ihre Wohnung aufzuräumen, vielleicht etwas anderes.
- Realistisch werden: Fangen Sie an, ihre Lage realistisch einzuschätzen. Was ist jetzt möglich? Trage ich eine Mitschuld, für die ich mich bei Menschen oder Gott entschuldigen kann. War es auch mein eigener Stolz? Wo muss ich mich verändern? Was ist jetzt praktisch möglich, wenn ich mitten in der Schuldenfalle sitze? Schönfärberei hilft nicht weiter. Vielleicht können auch Einschätzungen von Freunden zu einem realistischeren Bild der Situation führen. Vielleicht ist ja gar nicht alles so aussichtslos und die Lage in vielem viel besser als gedacht.
- Planen Sie die Zukunft: Legen Sie ein neues Ziel fest und planen Sie konkrete Schritte, die zu diesem Ziel führen. Bitten Sie Gott um Weisheit, wie das geschehen soll.
- Tatsächlich Handeln und kleine Schritte gehen: Suchen Sie sich dazu alle Hilfe, die sie bekommen können. Handeln sie tatsächlich. Machen Sie einen ersten Schritt, wie klein er auch sein mag. Und dann gehen Sie den zweiten Schritt, dem dann ein weiterer Schritt folgt. Überfordern Sie sich nicht mit großen Schritten. Lieber langsam ankommen als schnell scheitern.
- Bleiben Sie kontinuierlich in folgenden Dingen: Sich mit den Karteikarten bewusst machen, wer Sie sind, im Lobpreis Gottes Charakter und Taten preisen und Schritt für Schritt weitergehen.
Wenn Sie bei alledem Beten wollen, hier eine wichtige Einschränkung: Beten hilft nicht immer. Es ist sogar möglich, sich in Depressionen hineinzubeten. Dies geschieht, wenn man stundenlang im Gebet um das Problem kreist und Gott Dinge vorschlägt, die er ganz anders sieht.
Hier ein paar kleine Beispiele: „Gott, keiner liebt mich.“ „Die anderen sind alle doof. Du siehst doch, dass ich immer im Recht war.“ „Ich bin nichts wert, ich kann nie etwas, lass du alles übernatürlich vom Himmel fallen, so wie bei der Schöpfung.“ „Herr, ich bin so schwach. Warum hilfst du mir nie, du hast mir noch nie geholfen.“
Es ist nicht schlimm, mit solchen Gebeten anzufangen. Aber Gebet ist keine Einbahnstraße, in der wir pausenlos vor Gott lamentieren ohne auch zuzuhören. Irgendwann sollte es Gott erlaubt sein, auch etwas zu sagen. Sei es, dass er direkt zu unserem Verstand spricht oder durch sein Wort in der Bibel.
Vielleicht sagt er dann: „Ja mein geliebtes Kind, ich verstehe dich. Aber ich habe auch deinen Stolz gesehen. Ach, ich habe dich so lieb und ich bin voller Wertschätzung für dich. Ich helfe dir und bringe dich liebevoll zurecht. Schau doch in mein Wort, wo ich Anweisungen für solche Zeiten gegeben kann. Habe ich nicht gesagt, dass der Schwache sagen soll, ich bin stark. Fange doch an, diese Worte zu sprechen: Ich bin stark in dem Herrn.„
Und so komisch es klingt. Die einzige angemessene Antwort auf ein solches Reden Gottes in einer Krise ist Vertrauen und Gehorsam.
Psalm 119 fasst den Prozess, den man im Gebet durchläuft wunderschön zusammen. Erst erzählen wir Gott unsere Sicht der Dinge. In einem zweiten Schritt öffnen wir uns dann bewusst für Gottes Reden. „Gottes Ordnung in unseren Gedanken und in unserem Leben führen aus der Krise.“
119,25 Am Staub klebt meine Seele. Belebe mich nach deinem Wort! 119,26 Meine Wege habe ich erzählt, und du hast mich erhört. Lehre mich deine Ordnungen! 119,27 Laß mich verstehen den Weg deiner Vorschriften. Sinnen will ich über deine Wunder. 119,28 Keinen Schlaf findet meine Seele vor Kummer. Richte mich auf nach deinem Wort! 119,29 Halte fern von mir den Weg der Lüge, und gewähre mir dein Gesetz! 119,30 Den Weg der Treue habe ich erwählt, ich habe vor mich gestellt deine Bestimmungen. 119,31 Ich halte an deinen Zeugnissen fest. HERR, laß mich nicht beschämt werden! 119,32 Den Weg deiner Gebote werde ich laufen, denn du machst mir das Herz weit. (Psalm 119,25-32)
Erkennen Sie die Schritte von oben in diesen Worten wider? – Loslassen und Gott alles erzählen (Auszeit nehmen), über Gottes Wunder nachsinnen (Anbetung), Ausrichten auf das Wort Gottes (vielleicht mit Hilfe von Karteikarten), den Weg der Lüge vermeiden (Realismus), den zu gehenden Weg verstehen lernen (daraus ergeben sich neue Ziele und Schritte), Treue gegen die Bestimmungen (Gehorsam), den Weg laufen (kleine Schritte gehen), Festhalten am Zeugnis (kontinuierlich weitermachen)
Günther, http://www.inunsererstrasse.de
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Bild: Stihl024, pixelio.de



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