„Fromm“ ist für Viele eine Selbstbezeichnung. Besonders Pietisten und Evangelikale bezeichnen sich selbst als fromm. Auch jene, die Angst davor haben, das Label „evangelikal“ aufgedrückt zu bekommen (weil sie sich weiterentwickelt haben), bezeichnen sich so. Und selbst jene ganz Fortschrittlichen, die sich auch von diesem Etikett verabschiedet haben, fühlen sich doch meistens noch den „frommen Kreisen“ zugehörig. Man kennt sich. Man weiß, was es da und da für Gemeinden gibt, wie der Pastor heißt etc., und auch die Glaubensinhalte, Interessen, Erwartungen und Abneigungen sind ähnlich. Nur zugeben wollen sie es nicht (mehr).Als Fremdbezeichnung ist es zugleich eine Abwertung. Die „Frommen“ – ein Schimpfwort, das Distanz schafft. Da will man nicht dazugehören.
Nur wäre es doch eine schöne Fantasie, wenn man eine Definition finden könnte, die positiv formuliert ist und sich nicht nur durch Abgrenzung definiert, also nicht nur sagt, was man nicht ist, sondern sagt, wofür man steht. Klar, jede Definition ist automatisch ein Abgrenzung. Aber dennoch: Was sind denn die Merkmale für die „Frommen“?
Das Problem ist um so größer, als dass ich Christen kenne, die ich zwar nicht „unseren frommen Kreisen“ zurechnen würde, denen ich aber deren Glauben nicht absprechen kann und möchte. Nun kann ich ja schlecht sagen: „Du bist zwar Christ, aber nicht fromm.“ Das Fromm-Sein kann ich auch niemandem absprechen. Es sei denn, ich wählte eine enge Definition, die mich / uns selbst zum „heiligen Rest“ der wahrhaft Rechtgläubigen erhebt.
Aber: Kann man das wollen?
Ich fürchte, so läuft das eben in der Postmoderne. Die „guten alten Schubladen“ klemmen. Man lässt sich nicht von althergebrachten Definitionen eingrenzen. Ich auch nicht. Ich habe von so vielem etwas. Etwas von denen, etwas mehr von denen…
Dennoch ist und bleibt es ja im Sprachgebrauch: „Fromm“.
Sprache. Wo kommt dieser Begriff denn sprachlich her?
Das etymologische Wörterbuch verrät als Grundbedeutung: „von einer religiösen Überzeugung durchdrungen“ und „gottergeben“.
Das ist doch treffend. Gottergeben. „Dein Wille geschehe“, und das durch den Alltag, das ganze Leben und dann bis zur letzten Konsequenz, auch wenn es unbequem oder gar gefährlich ist. Gott mehr gehorchen als den Menschen, auch mehr als dem eigenen Ego.
Foto: Viktor Schwabenland | pixelio.de



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